Der Mindestlohn kommt, auch für Behinderte?

Frohen Mutes verkündet Andrea Nahles das der Mindestlohn für alle kommt und die große Koalition beweihräuchert sich für die großartige Leistung. Unerwähnt bleiben die ganzen Ausnahmen um Wirtschaft und Arbeitsplätze zu schonen.

Aber was ist mit den fast 300.000 die in den Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, werden sie den Mindestlohn bekommen? Hierzu ein Beitrag von Claudia Fischer, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM):

Claudia Fischer Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit BAG WfbM
vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse für die Aufgaben von Werkstätten für behinderte Menschen. Sie haben die Frage gestellt, weshalb Werkstattbeschäftigten nicht der gesetzliche Mindestlohn gezahlt wird. Oder aus einer anderen Perspektive gefragt: Warum ist das Entgelt von bundesdurchschnittlich 180 Euro niedriger als ein bundesdurchschnittlicher Lohn?

Um sich dem Thema Entgelte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung zu nähern, ist es wichtig zu schauen, was Werkstätten sind, worin ihre Aufgabe besteht und welche Leistung sie den dort beschäftigten Menschen mit Behinderung bieten. (mehr …)


Behinderte stärker in den Arbeitsmarkt integrieren

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung laß ich einen Artikel, dass dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, zu wenig Augenmerk auf das potentiall von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt gelegt wird. Im Gespräch sind meist nur Frauen, die Älteren und die Jungen mit Migrationshintergrund.

Behinderte sollten auch nicht nur in den Werkstätten in zweiter Reihe arbeiten, sonder viel aktiver am primären Arbeitsmarkt teilnehmen können. Nach meinem Unfall kam ich in ein Heim für Menschen mit Behinderung und angeschlossener Werkstatt, Sanitätshaus und einer Redaktion für eine Zeitschrift. Man bot mir damals eine Anstellung in meinem erlernten Beruf bei vollen Rentenzahlungen an, nur das Gehalt betrug 1,50 Euro die Stunde, da der Kostenträger die Finger drauf hatte. Für mich nicht sonderlich motivierend, daher kann ich diesen Aspekt nur befürworten.

Später, nach einigen Bewerbungen, bekam ich eine Anstellung halbtags im öffentlichen Dienst. Diese ebnete mir den Weg zum Auszug aus dem Behindertenheim in eine eigene Wohnung über die Teilhabe am Arbeitsleben. Es gab Pflege und ein Auto zum Erhalt der Arbeit wurde teilweise finanziert. Auf jeden Fall von Vorteil wenn man in den primäre Arbeitsmarkt als Mensch mit Behinderung integriert wird und auch diesen Aspekt kann ich voll und ganz nachvollziehen.

Aber was kommt danach Herr Hüppe? Was passiert mit den behinderten Arbeitnehmern die zwar qualifiziert arbeiten gehen, sich aber auf Grund eingeschränkter Stundenzahl nicht selbst mit ihrem Einkommen versorgen können? Sie fallen gnadenlos in den Pool der Jobcenter und werden diesen vorrausichtlich bis zum Übergang in die Rente nicht verlassen.

Was bleibt ihnen übrig nach Abzug aller Kosten und Aufwendungen? Im Prinzip nur der Regelsatz und der Mehrbedarf. Etwaige Sonder- oder Einmalzahlungen, wie zum Beispiel aus Tarifverhandlungen oder Weihnachtsgeld werden durch die Jobcenter im Rahmen des ALG II einbehalten. Gehören behinderte Arbeitnehmer wirklich lebenslänglich in den Bereich der Jobcenter Herr Hüppe?

Weitere Informationen:
FAZ vom 27.09.2012 – Arbeitsmarkt: Regierungsbeauftragter will Behinderte stärker integrieren
Schwerbehinderte Arbeitnehmer fallen gnadenlos in den Pool der Jobcenter