Promis sagen … Bärbel Schäfer

In der Serie “Promis sagen…” lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema “Behinderung” mitteilen möchten.

Geschrieben hat mir diesmal Bärbel Schäfer, bekannt als Radiomoderatorin (HR 3), Fernsehmoderatorin (RTL) sowie als Roman- und Sachbuchautorin.

 

Hier der Beitrag von Bärbel Schäfer:

Meine Kollegin Lili sitzt im Rollstuhl. Es ist ihr Alltag, nicht meiner. Dennoch erlebe ich ihre Realität im Rollstuhl unmittelbar mit, wenn wir gemeinsam arbeiten. Ich sehe plötzlich überall Stufen, Verkehrspoller, viel zu schmale Türrahmen die mir vorher nicht aufgefallen sind.  Für jeden Rollifahrer  ist das Alltag, ich nehme sie durch Lili erst wahr.

Es gibt viele unterschiedliche Wirklichkeiten im Alltag,  Lilis ist eben auch von mitleidigen Blicken und der bedrückenden Schwere des Schweigens begleitet. Die Mitmenschen glotzen, bieten selten konstruktive Hilfe an, sind sogar fast schüchtern im Umgang mit ihr. Oder, das ist das Schlimmste,  es kommt triefendes Mitleid.

Kaum einer traut sich sie direkt zu fragen, „was ist passiert, warum sitzt du eigentlich im Rollstuhl“? Der Umgang mit Nichtfußgängern wirkt auf mich beinahe ein wenig verklemmt.

Am Abend eines gemeinsamen Arbeitstages, der nicht am Redaktionstisch stattfand, spüre ich den Muskelkater in meinen Armen. Für den Muskelschmerz bin ich dankbar, für stufenreiche Büroeingänge eher weniger.

Was würde Lili darum geben, in ihren tauben Beinen mal wieder Muskelkater zu spüren. Ich weiß nicht, wie es ist immer rollend durch die Welt zu fahren, ich weiß nur dass Lili Mutter zweier Töchter, Ehefrau, Schwester, Freundin, Kollegin , Autofahrerin, Nachbarin , Vereinskameradin und vieles mehr ist, eben nicht nur die Rollstuhlfahrerin.

Wird Zeit, dass wir das alle endlich mal beginnen zu kapieren.

Ich bedanke mich herzlich bei Bärbel Schäfer für ihren für 4hc verfassten Beitrag.

Weiterführende Links:
Homepage Bärbel Schäfer