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	<title>4hc Blog &#187; Chemotherapie</title>
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		<title>Mein Krebs (Teil 8)</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 23:59:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Aufbruch in ein neues Leben</strong></p>
<p>Ich gehe zum ersten Mal nach langer Zeit joggen. Unglaublich, wie schnell ich meine körperliche Belastbarkeit und Kondition aufbauen kann. So gebe ich mir das Gefühl, alles wieder im Griff zu haben. So bin ich. Das ist meine Überlebensstrategie.</p>
<p>Meine Kopfhaare wachsen. Sie sind dunkler geworden. Ein Stück Normalität kehrt zurück. Obwohl die Haare noch sehr kurz sind, ist es wie ein Wunder, wieder Haargel benutzen zu können. Wenn ich in den Spiegel schaue, habe ich mich verändert. Vieles hat sich für mich verändert. Ich bin ein anderer Mensch als vor sieben Monaten. <span id="more-532"></span>Meine inneren Werte und Maßstäbe haben sich verschoben. Wird das so bleiben? Sicher ist, dass mein Leben nicht sorgenfreier geworden ist. Dennoch empfinde ich es weiterhin als lebenswert. Kein Mensch würde mit mir tauschen wollen, aber auch ich würde mit niemandem tauschen wollen. Ich verabscheue Momente der Lähmung oder Stagnation und möchte, dass sich ständig etwas tut. Ich nehme das Leben auf eine entscheidungsfreudige Weise an. Oder muss ich mir beweisen, wieder im vollen Saft des Lebens zu stehen? Ich habe jedoch das befriedigende Gefühl, nichts von dem, was ich tue, ausdrücklich rechtfertigen zu müssen. Die Krankheit hat in mir eine stille Geradlinigkeit geweckt, die ich vorher so nicht kannte. Das ist mein Wunsch nach Leben. Wenn schon diese Krankheit, dann möchte ich jetzt fester und mir meiner selbst bewusster in diesem Leben stehen. Das ist ein gutes, ja ein stolzes Gefühl. Ich genieße die leise Ahnung, auf einer breiteren Basis zu stehen. Alles Weitere wird sich zeigen müssen. Eine Wirklichkeit ist gegangen, eine neue ist gekommen.</p>
<p>Heute – nach über zehn Jahren – gelte ich schon lange als geheilt. Die radikale Zäsur von damals verblasst, hallt aber immer noch gewaltig nach. Es kommt mir vor, als sei nichts, kein Bereich von der Leukämie unberührt geblieben. Und manchmal habe ich das Gefühl, niemandem vermitteln zu können, was dieser Einschnitt auch heute noch für mich bedeutet. Dann fühle ich mich allein und unverstanden. Dennoch geht das Leben weiter, und wenn mich der Alltag fest umklammert und herausfordert, wünsche ich mir etwas von der Weisheit zurück, die ich zu erkennen glaubte, als meine Wirklichkeit sich so sehr veränderte. Dann halte ich an oder muss mich dazu zwingen, werde ruhig, atme tief durch, gehe vielleicht spazieren und führe mir die Gnade vor Augen, die mir zuteil wurde. Das Leben ist rätselhaft, nicht leicht, aber schön…</p>
<p><em>(Ende der Serie)</em></p>
<p><em><img class="size-full wp-image-349" title="Nik v. Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach.jpg" alt="Nik v. Wurzbach" width="199" height="283" /></em></p>
<p><em>Nik v. Wurzbach<br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/08/18/mein-krebs-teil-7.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a></em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/06/24/mein-krebs.html">&#8230; zurück zur ersten Folge der 8-teiligen Serie &#8220;Mein Krebs&#8221;</a></em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 7)</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 10:11:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Abschied vom Krankenhaus</strong></p>
<p>Ein Todesfall auf der Station und ein Zeitungsartikel über Leukämie bringen mich wieder auf die Gedanken an einen Rückfall. Die schwelende Angst vor der Rückkehr der Leukämie sitzt mir doch immerwährend im Nacken. Statistisch betrachtet erleiden derzeit etwa 70 Prozent der Patienten meines Leukämieprofils einen Rückfall. Natürlich gehe ich davon aus, zu den 30 Prozent der für immer Geheilten zu gehören. Ich versuche einfach, meinen guten Zustand Tag für Tag fortzuschreiben. Nur so ist die Wirklichkeit der Leukämie für mich derzeit tragbar. Der Mensch gewöhnt sich an alles. Auch an 30 Prozent.</p>
<p><span id="more-511"></span>Das Wimmern und Schluchzen der Angehörigen des Verstorbenen gemahnen aber an den tiefen Ernst der Situation. Die Zimmertür des Toten wird wie während der letzten Tage seines Siechtums stets geschlossen. Trotzdem ist sein schmerzerfülltes Stöhnen, obwohl unaufdringlich, überall auf der Station zu hören. Es ist wie ein flüsternder Spuk, der doch jeden zu gruseln vermag, auch wenn das Stationspersonal ihn durch die geschlossene Tür vor uns anderen Patienten zurückzuhalten versucht. Aber keiner hier will den Tod deutlich vor Augen haben. Auch nicht die Ärzte und Pfleger. Niemand auf der Station mag den Tod. Er bedeutet Niederlage.</p>
<p>Am Montag nach meinem Geburtstag werde ich überraschend entlassen, da meine Blutwerte den entscheidenden Sprung nach oben machen. Ich war schon ganz ungeduldig und wollte endlich raus aus meinem Gefängnis. Prompt habe ich es aber gar nicht mehr so eilig, nach Hause zu kommen. Der Arzt, von dem ich mich verabschiede, ist einer der Menschen, die mir das Leben gerettet haben. Das ist sein Job, und nichts scheint für ihn normaler zu sein, als diese Aufgabe pflichtbewusst und hingebungsvoll zu erfüllen. Für mich bedeutet es nichts weniger als das Leben. Abschied. Für immer? Bestimmt. Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Mit einem Mal fällt mir der Abschied schwer. Aus Angst vor dem Draußen. Was erwartet mich dort? Wie wird es im Alltag sein mit der Leukämie? Wird eine Frau sich auf mich einlassen? Werde ich mein Studium nach der langen Unterbrechung erfolgreich beenden? Werde ich später einen Job bekommen und belastbar sein? Werde ich in ständiger Sorge leben müssen? Wird die Leukämie wie ein Makel oder eine Chance sein?</p>
<p>Wieder zuhause. Die passive Stimmung, die ich aus dem Krankenhaus mitnahm, schlägt sofort um in einen Drang nach Aktivität. Jetzt habe ich endlich Zeit für den Sommer. Meine Stimmung bessert sich. Ich bemühe mich, ein möglichst normales Leben zu führen. Kann ich das? Das jetzt beschwerdenfreie Leben entfremdet mich von der Leukämiestation, die ich einmal pro Woche wegen der Blutkontrolle besuchen muss. Die Distanz zu der Station und den anderen Patienten ist gesunder Selbstschutz. Vor allem in solch dumpfen Momenten wie dem, als ich einem Pfleger im Gespräch die traurige Nachricht aus der Nase ziehe, dass mein ehemaliger Zimmernachbar Sven vor wenigen Wochen gestorben ist. Ich bin wie getroffen von einem Schlag in die Magengrube, der mir keinen Schmerz zufügen darf, weil ich es nicht zulasse. Trotzdem bleibt mir die Luft weg. Vor meinem inneren Auge sehe ich die weinenden Eltern. Weg hier, ich will nur noch weg von hier. Mach’s gut, Sven.</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/08/28/mein-krebs.html">&#8230; zur Fortsetzung (Abschluss)</a><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/08/06/mein-krebs-teil-6.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a></em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 6)</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 14:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Die dritte Chemo</strong></p>
<p>Für den dritten Chemoblock bin ich nur wenige Tage im Krankenhaus, doch schon verliere ich wieder das Gefühl für Zeit. Die genaue Uhrzeit, der Wochentag, das Datum sind mir egal und verschwimmen während der Routine in dieser eigenen Krankenhauswelt.</p>
<p><span id="more-425"></span>Letzte Woche wurde ich schon wieder septisch. Ich heule vor Wut und Angst vor dem, was ich bereits so gut kenne. Wegen der letzten Blutvergiftung habe ich eine Allergie gegen bestimmte Keime entwickelt, sagen die Ärzte. Das Fieber und die Körperschmerzen überrumpelten mich in der Nacht. Die Behandlung mit Antibiotika, die bereits neben meinem Bett lagerten, wurde sofort gestartet – mit durchschlagender Nebenwirkung auf meine Verdauung. Ich habe fünf Tage lang Durchfall, obwohl ich nichts essen kann, bade wieder in erschöpfenden Schmerzen, bin wieder bewegungsunfähig und hilflos, wie festgenagelt.</p>
<p>Mit den Nägeln durch mein Fleisch. Jeder Atemzug ein Stöhnen. Mund und Rachen sind ausgetrocknet. Starre wieder stumpf aus mir heraus. Tag oder Nacht? Ich weiß es nicht. Kann nicht schlafen vor Schmerz. Die Nachtschwester rettet mich mehrmals, da ich nicht anders kann und in mein Bett mache. In diesen Momenten empfinde ich keine Scham. Mein Ich löst sich nicht auf, aber es reduziert sich wieder auf ein Minimum. Irgendwann erwache ich aus diesem Alptraum.</p>
<p>Mittlerweile nehme ich die Krankenhausstation völlig anders wahr. Ich bin nach all den Monaten zu einem Teil von ihr geworden. Alles ist mir vertraut. Meine Welt. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, auch wenn jeder von uns Krebspatienten lieber fortginge, wenn er könnte. Er könnte fortgehen, aber der Glaube an die Behandlung oder besser die Angst vor der unbehandelten Krankheit ist stärker. Ich fühle mich sicher, gut aufgehoben, geborgen, sogar wohl. Ich bin in diesem Moment am richtigen Platz. Das Team der Station trägt zu diesem Empfinden bei. Niemand hier rennt auf die Straße und schreit lauthals vor Panik. Nein, jeder und alles funktioniert und arbeitet ruhig, routiniert und professionell gegen die Krankheit. Der Umgang mit der Leukämie ist hier völlig normal. Das beruhigt ungemein, da man doch ahnt, dass der Tod um das Gebäude schleicht.</p>
<p>Meinen 25. Geburtstag beging ich wie ein Fisch an Land. Da ich im Krankenhaus war, wollte ich keine Feier organisieren. Mir war nicht danach. Über die vielen Gratulanten und Anrufe freute ich mich trotzdem. Der Stationsarzt entließ mich mittags für einige Stunden nach draußen. Dort verbrachte ich zusammen mit meinen Eltern eine angenehme, entspannte und ruhige Zeit, ganz im Sinne meiner erschöpften Stimmung. So ist es also, wenn man als Leukämiepatient ein Jahr älter wird. Ich habe weitergelebt und mich nicht in Luft aufgelöst.</p>
<p>Das alles türmt sich manchmal so mächtig über mir auf, dass ich zittere. Abends im Krankenhaus haben mein Zimmernachbar Sven und ich noch etwas getrunken – Sekt und Bier. Da ich so etwas schon lange nicht mehr zu mir genommen hatte, hob der Alkohol meine Stimmung ziemlich schnell. Wir, das lustige Krebskommando, hatten Spaß. Am Ende war mir schlecht, ich musste mich übergeben und alles drehte sich. Es war herrlich, endlich wieder einmal betrunken zu sein und mich nicht nur wegen einer scharfen Chemotherapie übergeben zu müssen.</p>
<p><em></em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/08/18/mein-krebs-teil-7.html"><em>… zur Fortsetzung</em></a></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/27/mein-krebs-teil-5.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a></em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 5)</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 04:36:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Weiterer Verlauf und Ende der zweiten Chemo</strong></p>
<p>Mein Leben wurde durch die Diagnose auf den Kopf gestellt und meine Lebensauffassungen gewichten sich um – das ist wahr. Ich habe während der Behandlung das Gefühl, etwas nachholen zu können und nichts zu versäumen. Ich kann mich zurücklehnen, entspannen, besinnen, nachdenken, mich in mir umschauen, zu mir selbst kommen. Wann hat man dazu schon Zeit? Um diese Möglichkeit beneidet mich wegen der Leukämie sicher niemand, keine Frage, aber da ich diese Krankheit nun einmal habe, versuche ich sie als Chance zu nutzen. So lange Fingernägel wie jetzt hatte ich noch nie. Der Preis für diese Ruhe ist hoch.</p>
<p><span id="more-419"></span>Während der nächsten Isolationswoche erfahre ich, was es bedeutet, krank und hilflos zu sein: ich bekomme eine Blutvergiftung. Noch nie habe ich solche Schmerzen erlebt. Jede Bewegung ist eine Qual. Ich kann mich kaum rühren, heule vor Schmerz und Verzweiflung.</p>
<p>Mein Körper ist wie ein Klumpen entzündetes Fleisch, eine einzige Wunde. Ich bin reduziert auf Schmerz. Besonders schlimm sind die Atemprobleme am Wochenende. Ich kann nur noch schwer Luft einholen. Jeder Atemzug reißt in mir. In kritischen Momenten bekomme ich eine Sauerstoffmaske umgeschnallt. Zu allem Übel flackern therapiebedingte Herzprobleme auf. Stiche in der Brust. Das Fieber zehrt. Stumpfes, jämmerliches Erdulden. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich will aus meiner Haut. Ich kann nur darauf warten, dass die Antibiotikainfusionen bald wirken und die Erreger, die diesen widerlichen Zustand verursachen, abtöten. Mittlerweile kann ich nichts mehr tun ohne fremde Hilfe. Ich kann nicht einmal mehr aufrecht stehen. Meine Notdurft verrichte ich in oder an meinem Bett. Alles Schmerz und Mühe. Bleierne Schwere. Ganz klein bin ich, ein wimmerndes Bündel, dem ständig geholfen werden muss. Ich werde gewaschen, gebettet, gewendet. Es ist eine merkwürdige Erfahrung, sich so eingeschränkt zu erleben. Das Pflegepersonal und die Ärzte bemühen sich rund um die Uhr, meinen Zustand zu verbessern. Im Laufe der Woche lagert mein Körper Flüssigkeit ein wie ein Schwamm. Ich kann sie nicht mehr richtig ausscheiden. Ein Medikament soll mir dabei helfen. Nach einigen verschwommenen Tagen schlägt die Antibiose an&#8230; Endlich.</p>
<p>Endlich Besserung. Ich bin unendlich schwach. Die Sepsis hat eine Woche lang gewütet und großzügig von meiner Substanz gezehrt: ich wiege noch 59 Kilogramm. Eingeliefert wurde ich mit 74 Kilogramm. Die Knochen bohren sich aus meinem Körper. Wenn ich mich setze, schmerzt mein Hintern, da ich direkt auf dem Beckenknochen sitze. Insgesamt fühle ich mich gut, da es täglich und stetig bergauf geht. Ich habe mich nicht in Luft aufgelöst, bin noch da. Erschöpft, erleichtert, geschafft. Geschafft!</p>
<p>Die Zeit meines zweiten Krankenhausaufenthalts steht in starkem Gegensatz zu den Ereignissen der Erholungsphase danach. Der Strudel des <em>normalen</em> Lebens erfasst mich wieder.</p>
<p>Schon die erste Fahrt mit dem Auto zurück nach Hause empfinde ich so überschnell, als hätte ich mich in den Wochen vorher nur in Zeitlupe bewegt.</p>
<p>Der Frühling steht in voller Blüte. Er duftet wie frische Wäsche. Ich bin beeindruckt vom satten Grün der Bäume und Sträucher und werde ruhig. Es ist wunderbar, in der Sonne zu spazieren und ruhig und schmerzfrei Luft holen zu können. Ich lebe.</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/08/06/mein-krebs-teil-6.html">&#8230; zur Fortsetzung</a><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/17/mein-krebs-teil-4.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a></em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 4)</title>
		<link>http://www.4hc.de/blog/2009/07/17/mein-krebs-teil-4.html</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 10:43:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Beginn der zweiten Chemo</strong></p>
<p>Die Dosis der zweiten Chemotherapie ist weit höher als die der ersten. Meine Konzentration und Wachheit zerfließen wenige Minuten nach der ersten Infusion wieder. Dieses Gefühl, von vorne beginnen zu müssen, überfordert mich. Trotzdem bin ich ruhig und reduziere mich stur und hoffnungsvoll auf den Willen weiterzumachen.</p>
<p><span id="more-402"></span>Am dritten Tag der Behandlung wird mir speiübel. Ich spucke grüne Galle und spüre, wie die Medikamente in meine Knochen dringen, um die Krebszellen zu zerstören. Irgendein Arzt oder Pfleger erzählt mir, dass einige Chemotherapeutika in der Vergangenheit Textilfarben deutscher Chemieriesen waren. Ihre vernichtende Kraft gegen Krebszellen wurde durch Zufall entdeckt, als irgendein Arbeiter immer wieder mit seinen Händen in die Flüssigkeiten geraten war. So fließen nun eine rote und eine blaue Brause in mich hinein, die vor Jahrzehnten wahrscheinlich zur Färbung von Stoffen genutzt wurden. Von innen muss ich dann wohl jetzt blau oder rot sein je nach Tagesmenü.</p>
<p>Die Therapie stellt meinen Sinn für Geschmack und Appetit auf den Kopf. Ich bekomme oft einen Heißhunger auf etwas, vor dem ich mich kurz vor oder nach dem Verzehr ekele. Einige Nahrungsmittel schmecken völlig anders als sonst. Ich habe diesen chemischen Geschmack nach Klebstoff im Mund, egal wie oft ich gurgle. Widerlich.</p>
<p>Die Zeit des Wartens zwischen Chemo und ihrer Wirkungen liegt bei ungefähr einer Woche und ist wie die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Und dann zeigt die Momentaufnahme der heutigen Blutprobe, dass meine Blutzellenbildung sich während des letzten Tages halbiert hat. Die Medikamente schlagen nun durch. Ich bin zum zweiten Mal isoliert und an das Zimmer gefesselt. Zeit der Quarantäne, der penetranten Mundspülungen, der Furcht vor jeder Infektion. Die Besucher müssen sich wieder vermummen. Ich darf mich wegen der Einblutungsgefahr nicht unnötig anstrengen oder belasten, da meine Blutgerinnung nicht mehr einwandfrei funktioniert. Jeder Tag ohne Fieber ist ein guter Tag und stimmt mich froh. Ich komme mir vor wie im Gefängnis. Ein Gefängnis ist aber keine lebensbedrohliche Krankheit. Vielleicht bleibt es ja eine ganz harmlose Nachwirkungsphase. Oder bin ich naiv? Eine Chemo darf im Grunde nicht harmlos sein, denn der Krebs ist auch nicht harmlos. Die Therapie muss alles niederwalzen.</p>
<p>Ich schwebe. Die Ruhe ist angenehm. Ich genieße sie. Ausruhen, Nachdenken, Stille. Aber um welchen Preis. Lebensgefahr.</p>
<p>Das Zimmer wird zur Heimat. Wochenlang dieselben Wände, Gerüche und Gegenstände. Stillstand. Gefängnis. Ewiges Warten. Aber ich weiß mich zu beschäftigen, lese, höre Musik. Trotzdem vergehen die Tage wie im Flug.</p>
<p>Ein Pfleger hat mir heute die Haare geschoren, die mir seit Tagen büschelweise ausgefallen sind. Hier im Krankenhaus berührt mich die Haarlosigkeit nicht. Sie gehört hier zum Krebspatienten wie das Wasser zum Fisch. Die Glatzköpfigkeit hat für mich äußerlich die zweite Runde des Kampfes eingeläutet. Mit jedem Blick in den Spiegel wird mir die jähe Veränderung meines Lebens bewusst. Ist mir der nackte Kopf doch nicht egal? Ich bin auch nackt. Nackt vor dieser Herausforderung. Ich empfinde sogar Stolz. Jetzt erst recht. Ich bin ein Krieger – mit Kahlkopf. Das nackte Haupt wird mir draußen unangenehmer sein. Dort werde ich mich nicht normal fühlen. Aber es gibt Kappen. Auf dem Krankenhausgelände erkennt man den männlichen Leukämiepatienten an Mundschutz und Baseballkappe. Die Medikamente treiben Ausschlag in meine Kopfhaut, so dass die Glatze wie ein rotfleckiger Streuselkuchen aussieht. Ansonsten trocknet die Therapie meine Haut aus. Pickel kann ich in meinem Gesicht daher nicht mehr finden. Das ist auch etwas Gutes. Dennoch ist alles anders. Mein Körper, den ich so gut kannte, ist mir fremd geworden. Er ist irgendwie unberechenbar. Daher versuche ich meinem Instinkt zu vertrauen. Wenn ich mich gesund fühle, dann ist es gut. Daran halte ich mich fest. Moment für Moment, Stunde für Stunde, Tag für Tag.</p>
<p>Ich gebe mich meinen Tagträumereien hin und bemühe mich, mich mit hoffnungsvollen Gefühlen aufzuladen. Positiv denken. Wieder schweben. Irgendwann meditiere ich. Es funktioniert. Zumindest fühlt es sich gut an. Obwohl ich wochenlang an dieses Zimmer gebunden bin, ist doch in meinem Inneren sehr viel geschehen. Ich spüre, dass mein Leben nicht aufhören wird. Das fühlt sich greifbar an für mich. Ich lebe, atme und mein Herz schlägt. Es geht weiter. Bestimmt. Alles in mir ist hellwach.</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/27/mein-krebs-teil-5.html">&#8230; zur Fortsetzung</a><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/09/mein-krebs-teil-3.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a></em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 3)</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 08:58:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" />Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Weiterer Verlauf und Ende der ersten Chemo</strong></p>
<p>Die Ärzte sind zufrieden. Weiter so, Schritt für Schritt. Das Krankenhaus und der Umgang mit meiner Erkrankung werden zu meinem neuen Alltag. Diagnose Krebs, aber es geht doch weiter. Ich gewöhne mich an die neuen Umstände. Das bewahrt mich vor dem Blick auf den übergroßen Zusammenhang, an dem ich zerbrechen könnte. Unangenehmes – wie die nächste Knochenmarkspunktion – in naher Zukunft oder unmittelbarer Vergangenheit berührt mich nur leicht. Für mich zählt nur das gegenwärtige Detail. Zumindest rede ich mir das ein.</p>
<p><span id="more-378"></span>Heute bin ich in ein anderes Zimmer umgezogen. Jupp ist schon längst nach Hause entlassen worden. Ich wünsche ihm nach allem, was er durchgemacht hat, von Herzen, er möge gesund bleiben. Und irgendwie bin ich auch neidisch.</p>
<p>Ab sofort liege ich neben dem achtzehnjährigen Christian, der bereits seine dritte Nachwirkungsphase durchläuft. Wir beide sind also isoliert. Jugend unter Quarantäne. Wir sollten doch draußen sein und die Welt erobern. Unsere Abenteuer finden aber hier statt.</p>
<p>Das Isolationsfieber überrascht mich nach einigen Tagen doch und brennt mich in Schüben aus. Fiebern, Entfiebern, Dämmern, Fiebern, Entfiebern, Dämmern – das ist die Routine einiger Tage. Während der Nächte koche ich und bade in Schweiß. Aufreibender Schüttelfrost kündigt den nächsten Fieberschub an. Die Stunden, Tage und Nächte verschwimmen zu einem Brei. Ich bin zwar wach, aber eigentlich tauche ich nur kurz an die Oberfläche, bevor mich das nächste Fieber, das Bibbern oder die Müdigkeit wieder nach unten ziehen. Mein Kreislauf liegt am Boden. Aus dem Bett aufzustehen, kann zur Ohnmachtsfalle werden. Ich fühle mich in den Dämmerphasen nach dem Fieber wie nach einem Dauerlauf, der kein Gefühl der Zufriedenheit, sondern nur erschöpfte Leere hinterlässt. Es sind mittlerweile zu viele Dauerläufe. Anrufe kann ich nicht entgegennehmen, weil ich zu schwach bin. Ein Telefongespräch, ja sogar das Abnehmen des Hörers sind zu anstrengend. Während der Fiebertage fordert mein Vater mich öfters auf, nicht so zu grübeln, da er mich fiebrig finster an die Zimmerwände starren sieht. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass ich einfach nur ausgelaugt und stumpf aus mir herausglotze.</p>
<p>Meine Antibiotikabehandlung gegen die Fiebererreger wird umgestellt. Die Infusionen laufen mit deftigem Brennen durch eine Armvene in mich hinein. Endlich, die Breitbandantibiose wirkt. Das höllische Fieber verschwindet nach vier Tagen. Gut. Meine Gegenwart klart wieder auf. Ich kann nichts denken. Nach diesem Fiebergetöse rauscht mir der Kopf. Aber ich habe den ersten Therapieblock hinter mich gebracht. Und alles wird ruhig.</p>
<p>Am Montag soll ich punktiert werden. Nur so kann der Erfolg der ersten Chemotherapie kontrolliert werden. Um zwölf Uhr ist es soweit und die unangenehme Spannung bis dahin wächst. Hat die Therapie gewirkt und alle mutierten Zellen vernichtet? Was ist, wenn es nicht so ist? Auf beruhigende Weise bin ich mir aber sicher, dass alles in Ordnung ist. Für dieses Bauchgefühl bin ich dankbar. Mein innerer Kompass ist doch noch da. Dieses wiederkehrende Vertrauen in mich und meinen Körper stimmt mich froh. Es verstärkt meine Hoffnung, meinen Glauben, alles werde gut.</p>
<p>Ich liege auf dem Bauch, Pfleger Stefan kniet neben mir und hält meinen Arm. Mein Zimmergenosse Christian wird auf den Stationsgang geschickt. Der Arzt punktiert meinen linken Beckenkamm – kurz, aber heftig. Mir ist schlecht, die Punktionsstelle schmerzt, doch das geht schnell vorüber. Nachmittags erfahre ich das Laborergebnis. Die Behandlung war ein Erfolg! Die Krebszellen sind aus meinem Knochenmark verschwunden. Die Medikamente schlagen also an. Sehr gut. Ein erster Sieg. Dieser Zustand muss nun erhalten werden. Die Ärzte haben dann entschieden, mich nach diesem Therapieblock für einige Tage nach Hause zu schicken. Ich soll mich dort vor der nächsten Behandlung erholen. Endlich nach Hause und ein wenig Ruhe. Ich bin froh, dankbar und fühle mich völlig ruhig. Ein kleiner mutiger Teil in mir schwebt und lächelt vor Glück.</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/17/mein-krebs-teil-4.html">&#8230; zur Fortsetzung</a><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/01/mein-krebs-teil-2.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a><br />
</em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 2)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 04:17:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" /></p>
<p><em>Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Beginn der Therapie</strong></p>
<p>Der Einstieg in die neue Welt verläuft schnörkellos. Ich werde voruntersucht, für die Krankenhausverwaltung und die Versicherung katalogisiert, auf die dringliche Behandlung vorbereitet, informiert und eingewiesen. Zügig, zügig, denn „es ist fünf vor zwölf, Herr v. Wurzbach.“ Die Walze rollt. Sie überrollt mich hoffentlich nicht. Zu viel! Kleiner Junge an Gott, wir haben ein Problem.</p>
<p><span id="more-370"></span>Mein Knochenmark muss noch einmal analysiert werden, also wird mein Beckenkamm hier in der Universitätsklinik wieder punktiert. Die Art meiner akuten Leukämie kann dann noch genauer typisiert werden, erklären mir die Ärzte. Punktionen sind schmerzhaft, aber es war nicht so schlimm wie beim ersten Mal. Da ich weiß, dass Leukämie in mir wütet, ist eine vergleichsweise harmlose Punktion ein Kinderspiel. Nach der Analyse der Probe sagt mir der Oberarzt, 80 bis 90 Prozent meines blutbildenden Knochenmarks seien bereits defekt.</p>
<p>Defekt. Bin ich ein Fehler der Natur? Verdorbene Ware? Unwertes Leben? „Man hat nicht nur ein bisschen Leukämie, sondern ganz oder gar nicht.“ Die Ärzte sind ehrlich und direkt. Ich fühle mich machtlos und bin ergeben. Meine Behandlung müsse so schnell wie möglich beginnen, Aufschub könne man sich angesichts meines kritischen Zustandes nicht leisten. Was heißt das? Wie dünn ist der Puffer zwischen Weiterleben und Sterben? Die schiere Angst kriecht wieder in meinen Magen. „Herr v. Wurzbach, es ist ernst.“</p>
<p>Das weiß ich. Ich spüre es. Es schwelt in meinem Körper. Ich fühle mich müde, müde und krank. Die Leukämie ist wie eine ausufernde Grippe. Meine Glieder und Knochen ziehen vor Schmerz, weil das Mark darin krank ist, sagen die Ärzte. Meine Lymphknoten in den Leisten sind auf die Größe von Pfirsichkernen angeschwollen. Unter der Dusche kann ich die Beulen sehen. Ich mag sie gar nicht berühren. Das ist schon seit Wochen so. Meine Blutgerinnung funktioniert nicht mehr richtig, daher sind meine Füße und Unterschenkel mit roten Punkten, winzigen Einblutungen, übersät. Ein Weisheitszahn, der sich vor Wochen entzündet hat, wird immer schlimmer. Wenn ich aufstehe, wird mir schwindelig. Zweimal schon bin ich ohnmächtig geworden. Und immer diese lähmende Erschöpfung. Mein Körper spielt verrückt. Nichts funktioniert mehr richtig. Ich kann mich nicht mehr auf ihn verlassen. Er lässt mich im Stich. Ich lasse mich selbst im Stich. Krank. Zu viel. Ich will schlafen.</p>
<p>Ich fasse Vertrauen zur gesamten Mannschaft der Station. Trotzdem nagen abends die 80 bis 90 Prozent verkrebsten Knochenmarks. Abstruse Vermutungen schwirren deswegen durch meinen Kopf. Als medizinischer Laie weiß ich kaum etwas über die Leukämie, denke aber natürlich über alles nach. Die Ärzte sind nicht immer greifbar und können daher den Berg von Fragen nicht beantworten. Besorgnis, Erklärungsversuche, Bedrückung und Ratlosigkeit sind das Ergebnis. Die Ungewissheit lastet wie ein tonnenschwerer Stein aus Angst auf mir. Ab einem Punkt habe ich nur noch die Schnauze voll und will nichts mehr denken. Ich will leben, mich den Ärzten einfach anvertrauen und allein das Nötigste wissen.</p>
<p>Während der ersten Chemotherapie lässt meine Konzentration stark nach. Die scharfen Medikamente drücken auf mein Denken. Außerdem habe ich mit Fieberausbrüchen zu kämpfen, die als Nebenwirkungen der Therapie auftreten und mich durchschütteln. Appetitlosigkeit wegen Übelkeit, die mir im Hals sitzt, und dumpfer Mattheit – das „Spiel“ ist nicht einfach, aber, ganz ehrlich, ich hatte es mir bei weitem härter vorgestellt. Wird es das noch? Ich fürchte schon. Es ist schauerlich zu wissen, eine Chemotherapie machen zu müssen und die Therapeutika in meinen Arm fließen zu sehen. Aber ich habe mich schon zu schnell daran gewöhnt, um es ständig zum Kotzen zu finden.</p>
<p>Zur Zeit befinde ich mich in einer Isolationsphase. Die Chemo hat mein Knochenmark niedergerungen und staucht meine Blutproduktion. In diesem Zustand sind meine köpereigenen Abwehrkräfte arg geschwächt. Nun ist das Risiko einer Infektion für meinen Körper verhältnismäßig hoch. Mein Zimmer darf ich nun erst wieder verlassen, wenn die Blutwerte wieder ansteigen. Zu meinem Schutz müssen Besucher sich ab sofort mit Kopfhaube, Kittel, Mundschutz und Überschuhen verkleiden. Halloween im Krankenhaus. Körper- und Mundpflege mit allerlei Desinfektions- und Antipilzsäften gehören nun ebenfalls zur Vorsorge gegen Infektionen. Es herrscht ein merkwürdig schwebender Zustand. Wird die Wirkungsphase dieser ersten Chemo gut und ohne Komplikationen verlaufen? Oder wird doch ein Fieber ausbrechen? Ich bin guter Dinge und genieße die stille Hoffnung.</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/09/mein-krebs-teil-3.html">&#8230; zur Fortsetzung</a></em></p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/06/24/mein-krebs.html">&#8230; zum vorherigen Teil</a><br />
</em></p>
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		<title>Mein Krebs (Teil 1)</title>
		<link>http://www.4hc.de/blog/2009/06/24/mein-krebs.html</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2009 23:24:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>4hc Blogger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die Leukämie. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-365" title="Nikolai von Wurzbach" src="http://www.4hc.de/blog/wp-content/uploads/wurzbach_70px.jpg" alt="Nikolai von Wurzbach" width="70" height="100" /></p>
<p><em>Nikolai von Wurzbach (40) schildert in dieser Serie seinen Kampf gegen die <a href="http://www.4hc.de/Handicaps/handicap-86">Leukämie</a>. Nach massiven Beschwerden traf ihn im Alter von 24 Jahren die Diagnose &#8220;Leukämie&#8221; wie ein Hammerschlag. Er unterzog sich daraufhin einer schmerzhaften, aber lebensrettenden Chemotherapie, in deren Verlauf er den Krebs schließlich besiegte. Er gilt als geheilt und lebt heute mit Familie in Soest.<br />
</em></p>
<p><strong>Diagnose: Leukämie</strong></p>
<p>Die Ärzte haben mir mit schweren Mienen die Diagnose mitgeteilt. Sie bestätigen meine dunkelste Vermutung: ich habe Leukämie. Blutkrebs. Krebs frisst meinen Körper auf. Aber ich bin doch so jung, erst 24. Trotzdem ist mein Weiterleben auf einmal in Frage gestellt. Ich bin in Frage gestellt. Vielleicht gibt es mich in einigen Monaten, Wochen oder nur noch Tagen nicht mehr. Mir wird schlecht. Mir ist kalt. Ich zittere vor Angst. Die Nachricht trifft mich hart und gründlich. Durch meinen Kopf wirbelt ein finsteres Gedankengebräu. Ich breche zusammen. Kein Halt mehr. Unwiderruflich krebskrank. Ende. Was soll ich jetzt machen?</p>
<p>Noch vor einer Woche bewegte ich mich in scheinbar geordneten Bahnen. So marschierte ich im Rahmen vermeintlich solider Karriereplanung von der Schule schnurstracks zum Wehrdienst, dann zur Ausbildung und anschließend zum Studium. Links, zwo, drei, vier. Diese Wirklichkeit ist jetzt kurzerhand ausgehebelt worden und zählt nicht mehr. Ich frage mich, ob das jemals wirklich war, und schaue zurück auf ein anderes Leben. Jetzt habe ich Leukämie. Leu-kä-mie. Drei Silben, mit denen ich nie etwas zu tun haben wollte.</p>
<p><span id="more-346"></span>Was ist auf einmal los? Ist mein Schicksal gegen mich? Werde ich für etwas bestraft? Ich versuche mir den Tod vorzustellen. Für mich ist er wie ein weißes Nichts, ein weißes Blatt Papier. Mein Text wird nicht fortgesetzt. Ausgelöscht. Der Professor legt mir eine Hand auf die Schulter. Dann lassen die sehr beschäftigten Ärzte mich mit der Diagnose im Krankenbett zurück. Meine Angst überwältigt, erdrückt mich. Sie löst mich auf. Ich heule, weil ich nicht anders kann. Ich bin erschöpft vor bleischwerer Angst vor dem Sterben.</p>
<p>Ich werde nun schnellstens in die Universitätsklinik verlegt. Dort kümmern die Spezialisten für Hämatologie und Onkologie sich um mich. Sie planen für mich und meinen kranken Körper nüchtern und vernünftig weiter. Diese Gewissheit beunruhigt und beruhigt mich zugleich. Mein Leben gleitet mir aus den Händen. Alles gerinnt zu einer erzwungenen Ernsthaftigkeit, die mir Angst einflößt. Es gibt auf einen Schlag keinen leichten oder spielerischen Zug mehr in meinem Leben. Es geht um Überleben für mich. Die Gefühlswellen schütteln mich. Ich zittere. Bin wie eine Spielzeugpuppe aus meinem früheren Leben genommen und in ein neues gestellt worden. Noch nie zuvor fühlte ich mich so allein. Warum hat es mich erwischt? Hatte ich eine Wahl? Werde ich bestraft für etwas, das ich getan habe? Hätte ich früher etwas anders machen sollen?</p>
<p>Zwecklose Fragen, oder? Ich weiß es nicht. Manchmal weiß ich gar nichts mehr. Und manchmal werde ich ruhig und erkenne, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe. Kein Warum, Wieso, Weshalb. Ich konnte nur so ungeduldig, sportversessen, ernährungsbewusst, getrieben und intensiv leben, wie ich es getan habe. Was kann ich jetzt im Nachhinein noch ändern? Nichts. Zumindest, was die Vergangenheit angeht. Daher keine Fragen und Selbstvorwürfe. Es war, wie es war – jetzt ist es, wie es ist. Wirklichkeit ist eine Frage der Perspektive, von der aus man auf sein Leben blickt. Binsenweisheit. Was soll ich tun? Ich versuche als ängstlicher Zwerg mit dem Riesen Leukämie zurechtzukommen. David gegen Goliath. Wenn es nach dieser alten Geschichte ginge, dann hätte ich nichts dagegen. Ich schöpfe einen Hauch von Hoffnung.</p>
<p>Ich will es mit der Krankheit aufnehmen und richte mich auf den Kampf, den „Krieg“ gegen sie ein. Ich klammere mich an den Wunsch, nur noch den Zustand „Neues Spiel – Neues Glück“ zu erreichen, und rede mir ein, stark sein, mich Schmerzen stellen und das Wunder am Körper vollbringen zu können. Das aber sind Gedanken eines frischgebackenen Krebskranken, der noch keine einzige Chemo hinter sich gebracht hat. Was erwartet mich? Ich stehe vor der dunklen Höhle und rede mir Mut ein, bevor ich hineingehe.</p>
<p>„Jeder Körper reagiert anders auf diese beschissene Chemo“, sagt mein neuer Zimmernachbar Jupp, der seine Therapien nach Monaten erfolgreich hinter sich gebracht hat und nächste Woche entlassen werden soll. Er hatte Leukämie und soll als geheilt entlassen werden? Das macht mir Mut. Ich bin gewappnet, um den Krebs aus meinem Körper zu vertreiben. Bin ich gewappnet?</p>
<p><em><a href="http://www.4hc.de/blog/2009/07/01/mein-krebs-teil-2.html">&#8230; zur Fortsetzung</a><br />
</em></p>
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