Selbstbestimmt leben mit persönlicher Assistenz

Das selbstbestimmte Leben – für Menschen ohne Behinderung etwas selbstverständliches. Doch was machen Menschen, die eine schwere Behinderung habe, die nicht für sich selbst sorgen und den Alltag bewerkstelligen können. Für sie gibt es die Option einer privaten Assistenz, die sie in ihrem Leben begleitet sowie Arme und Beine ersetzt.

Was ist persönliche Assistenz?
Die Persönliche Assistenz ist eine Unterstützung für Menschen mit Schwerbehinderung und Pflegebedürfnis. Aufgaben des Alltags, einfache Muskelarbeit und selbstverständliche Bedürfnisse werden durch diese ausgeführt. Die Aufgaben lassen sich nicht in einzelne Bereiche aufteilen, sondern werden von Tag zu Tag individuell auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt. Dazu gehören die Hilfen zur Pflege, im Haushalt, bei der Begleitung oder bei der Handreichung. Eine solche Assistenz wird meist von mehreren Assistenten ausgeführt, da die Betroffenen auf eine 24-stündige Unterstützung angewiesen sind. Generell ist im Bundesteilhabegesetz festgehalten, dass alle behinderten Menschen, unabhängig von Art und Schwere ihrer Behinderung ein Recht auf persönliche Assistenz haben. Dies garantiert eine Unterstützung seitens der Politik, jedoch ist die Umsetzung schwierig. Zu differenzieren ist zwischen der privaten und „öffentlichen“ persönlichen Assistenz. Es besteht die Option in einer Einrichtung mit Pflegepersonal zu leben oder selbst sich Pflegekräfte zu Hause anzustellen. Letzteres bringt die Betroffene in die Rolle eines Arbeitgebers. Die Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer stellen über den Arbeitsmarkt ein Team mittels Arbeitsverträge zusammen. Die Aufgaben und Pflichten in Hinsicht auf Organisation, Anleitung und Finanzen, die sonst der Pflegedienst übernimmt, werden dadurch übernommen.

Ist Assistenz ein Luxus?
Die private Assistenz klingt nach Luxus. Jemand an seiner Seite zu haben, der für einen den Einkauf erledigt, das Essen zubereitet, die Wohnung säubert und Wäsche macht. Doch neben diesen Aufgaben stehen zum Beispiel auch Toilettengänge oder die Körperpflege an. Ein Verlust der Privatsphäre. Doch als diese darf man die Arbeit der Assistenten nicht ansehen. Ohne sie, wären Menschen mit Behinderung, ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden nicht möglich. Auch muss man den Assistenznehmer als Geschäftsführer und sein Leben als kleines Pflege-unternehmen sehen. Die Verwaltungsarbeiten werden unentgeltlich geleistet, denn sämtliche Mittel werden in Arbeitnehmerkosten umgewandelt. Entscheidet man sich für diese Art des selbstbestimmten Lebens, muss man dann nur noch eine geeignete Assistenz für sich finden.

Vermittlung von persönlicher Assistenz
Die richtige Assistenz – wie finden? Die Frage nach persönlichen Assistenten und Assistentinnen ist groß. Nur wenige Stellengesuche sind zu finden, doch Angebote sind genügend. Der Job ist eine Alternative zu herkömmlichen Pflegeberufen und bedarf keiner Ausbildung. Aus diesem Grund werden auch oft nach unausgebildeten Helfern gesucht – meist nach Studenten, die sich neben ihrem Studium etwas dazu verdienen möchten. Vorkenntnisse sind meist nicht gewünscht. Doch ist ein Bewerber endlich gefunden, muss schließlich die Empathie entscheiden. Er wird zum Teil des Lebens des Assistenznehmer. Eine wichtige Entscheidung, die nicht unüberlegt sein darf.


Barrierefreiheit bei Facebook

Facebook ist einer der größten sozialen Netzwerke im Internet. Aktuell wird die Plattform optimiert und eine Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung geschaffen. Das Netzwerk will mithilfe künstlicher Intelligenz akustische Hilfen für Blinde einführen. Fotos werden dann „vorgelesen“. Postet ein Freund ein Bild von sich und seiner Frau, so ertönt eine Stimme mit den Worten: Hier steht XY mit seiner Frau. In der Zukunft soll dieses Tool noch verfeinert und die Fotos detaillierter beschrieben werden. Dann werden zum Beispiel noch der Hintergrund und bestimmte Merkmale wieder gegeben. Aber auch die Erweiterung für Menschen mit anderen Behinderung ist ein wichtiges Thema, das Facebook anstrebt. Das Ziel: Ein inklusives Facebook auf allen Ebenen. http://www.facebook.de


Yoga für Menschen mit Behinderung

Yoga – die Arbeit mit Körper, Atem und Geist. Diese Sportart erfordert eine Sensibilität, die viele Menschen erst erlernen müssen. Menschen mit Behinderung, unabhängig ob körperlich oder geistig, sind sehr sensible und besitzen so die idealen Voraussetzungen für die Yogapraxis. Neben der Förderung von Mobilität wird beim Yoga die innerliche Stärke unterstützt. Menschen mit Handicap stärken auf diese Weise ihren Körper, bauen Ängste ab, finden ein neues Gleichgewicht und Entspannung. Ein voll funktionstüchtiger Körper wird nicht gebraucht. Es werden Alternativ-bewegungen angeboten, die mit der Art und Grad der Behinderungen des jeweiligen im Einklang steht. Doch wie sieht diese Form des Yogas aus?

Kundalini Yoga
Schaut man sich zunächst den Grundpfeiler des Yogas die Atemübungen an, ist ersichtlich, dass Yoga für alle ist – auch für Menschen mit einer Querschnittslähmung. Die Teilnehmer versuchen durch verschiedene Atemtechniken sich zu entspannen und zu sich selbst zu finden. Dadurch wird die Muskulatur gelöst, die Konzentration gefördert und der Geist beruhigt. Im Weiteren schaut man sich die Übungen an, die sogenannten Asanas. Dort muss man quer denken. Die klassische Ausführung der Asanas ist sehr anspruchsvoll. Nur wenige Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, könne diese in Perfektion ausführen. Die Übungen werden jedoch so angepasst, dass sie ohne Probleme auszuführen sind. Jeder fängt dort an, wo er sich wohl fühlt. „Kundalini Yoga“ nennt sich das Yoga speziell für Menschen mit Behinderung. Es gibt Unterricht sogar extra für Rollstuhlfahrer. Dort werden die Übungen problemlos sitzend im Rollstuhl ausgeführt. Yogalehrer und Yogalehrerinnen mit spezieller Ausbildung unterrichten mit Sympathie und Einfühlungsvermögen.

Auswirkungen
Steif- und Trägheit werden aus dem Körper vertrieben und Übungen können nach und nach besser ausgeführt werden. Durch Yoga werden die eigenen Grenzen der Teilnehmer sanft erfahren. Konkret bedeutet dies: das Lungenvolumen wird vergrößert, Körperteile geweckt, die Wirbelsäule entlastet und der Geist entspannt. Funktionen und Möglichkeiten des Körpers werden in eine Richtung gebracht und der Atem eine Erfahrung der Stille vermittelt.

Die Yogastunden sind eine tolle Möglichkeit den Alltag hinter sich zu lassen sowie den Körper und Geist zu entspannen. Krankenkassen erstatten in der Regel bis zu 80% des Beitrags ausgewählter Verbänden. Die Yogatherapie ist barrierefrei, eine Meditation für Jedermann, jeder darf so sein, wie er ist, aber auch Veränderungen passieren lassen und sich entwickeln. Eine Lebenshilfe auf mehreren Ebenen.


Barrierefreiheit in einer Arztpraxis

Ein Alltag ohne Barrieren – ist das möglich? An vielen Stellen stößt man auf Hindernissen, die für Menschen mit einer Behinderung nur schwer zu überwinden sind. Besonders Arztpraxen mangelt es oft an der benötigten Barrierefreiheit. Rollstuhlfahrer können aufgrund einer zu engen Türbreite oder Stufe die Praxisräume nicht erreichen oder ein hörbehinderter Mensch hat Probleme, einen Termin mittels der klassischen Telefonhotline zu vereinbaren. Viele Praxen stammen aus den 50er-Jahren, sind in oberen Stockwerken, eng gebaut und können nur schwer Barrieren abbauen. Besser sind Arztpraxen in Neubauten, doch der Teufel steckt im Detail. Meist sind es Kleinigkeiten, die jedoch die Betroffenen vor einer großen Herausforderung stellen. Im Jahr 2015 wurden in Nordrhein-Westfalen rund 20% der 30.000 Arztpraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als barrierearm eingestuft. Reicht dieser Anteil, reicht „barrierearm“ und was bedeutet Barrierefreiheit bei der Praxisplanung?

Barrierefreiheit
Die Barrierefreiheit bedeutet, dass eine Einrichtung baulich und organisatorisch gut nutzbar für alle Menschen ist. Zusätzliche Hilfe für Menschen mit Behinderungen oder sonstigen Einschränkungen ist nicht notwendig. Die UN- Behindertenrechtskonvention und das Behindertengleichstellungsgesetz haben festgelegt, dass jegliche Barrieren beseitigt werden müssen.

Was sind Barrieren
Barrieren können für Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör- und kognitiven Einschränkungen bestehen. Diese sind in der Umgebung und Außenanlage sowie in den Praxisräumen, wie dem Empfangsbereich, den Toiletten, dem Wartezimmer und dem Behandlungszimmer zu finden. Im Detail:

  • unzureichende Parkplätze, Stufen, Treppen, Türbreiten, Umkleiden
  • höhenverstellbare/flexible Untersuchungsmöbel
  • keine visuellen, taktilen und akustischen Informationen zur Orientierung
  • Platz für einen Blindenführhund
  • Anmeldung nicht per E-Mail oder SMS möglich
  • keine induktive Höranlage
  • keine Information zu Gebärdenksprachdolmetschern und anderen Kommunikationshilfen
  • keine einfache Sprache, Geduld, Toleranz


Zu sehen ist, dass nicht nur baulich Anpassungen auf den Bewegungsflächen stattfinden müssen. Dem Personal der Arztpraxis muss der geeignete Umgang und die Kommunikation mit Menschen mit Handicap geschult werden. Dieses erfordert Zeit, die in viele Praxen nicht vorhanden ist. Zusätzlichen brauchen  Menschen mit Handicap aufwendige Behandlungsmethoden, die entsprechend kosten und nur selten von Krankenkassen abgedeckt werden. Auf diese Weise wird aus dem Problem der Barrierefreiheit auch ein Problem der Wirtschaftlichkeit. Dort müssen Politik, die Kassenärztliche Bundsvereinigung (KBV) , die Ärzteschaft sowie die Fördergemeinschaft miteinander kooperieren, sich austauschen und neue Lösungswege schaffen.

Zukunftsausblick
Barrierefreiheit muss gegeben sein und muss in der Praxisplanung integriert werden. Sind die aktuellen Bedingungen schwer veränderbar, müssen Alternativen geschaffen werden. Mit vielen kleinen Engagements und einem motiviertem Personal lässt sich eine Praxis anpassen und barrierearm gestalten. Daher auch der Begriff zu Beginn dieses Beitrages. Oftmals bestehen nur bedingt Möglichkeiten und eine ganzheitliche barrierefreie Praxis kann nicht gewährleistet werden. Dennoch sind barrierefreie Praxisräume Voraussetzung für die Zukunft. Nur so kann der wachsenden Anzahl der Patienten mit Einschränkungen bedingt durch den demografischen Wandel gerecht werden. In der Ausarbeitung der Kassenärztlichen Vereinigung findet man diverse Checklisten, die zur einer barrierefreien Arztpraxis beitragen:  Die barrierefreie Arztpraxis


Integrationsfirmen

Die aktuelle Situation des regulären Arbeitsmarktes sieht für Menschen mit Behinderung schlecht aus. Es wird nur selten ein Arbeitsplatz gefunden und die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt erfüllt nur die wenigsten. Dabei macht die richtige Arbeit, bei der man seine Stärken unter Beweis stellen kann und sich frei entfalten kann, für jeden Menschen ein Teil eines erfüllten Lebens aus.

Ein großes Thema sind dabei die sogenannten Integrationsfirmen. Sie beschäftigen zwischen 25 und 50 Prozent Angestellte mit Handicap. (Quelle: Caritas ) Sie werden speziell gefördert und kontinuierlich weitergebildet. Für jede schwerbehinderte Person, erhält das Unternehmen einen finanziellen Ausgleich. Das Ziel der Integrationsfirmen durch ihre Förderung ist, Behinderten die Chance eines Beschäftigungsverhältnis des allgemeinen Arbeitsmarktes zu ermöglichen. Im Rheinland gibt es rund 130 Unternehmen, die neben ihrer wirtschaftliche Betätigung sich sozial engagieren und Menschen mit Behinderung diese Chance geben. Die Nachfrage ist hoch. (Quelle: LVR )

Gelungene Beispiele
Integrationsprojekte werden meist durch kleine Unternehmen geführt und sind in den Branchen Gastronomie, Garten- und Landschaftsbau, Hauswirtschaft, Schreiner sowie in der Tierpflege zu finden. Ein tolles Projekt zeigt zum Beispiel das erste inklusive Burger-Restaurant Godesburger  in Bonn. Sie setzen nicht nur auf hochwertige Burger aus regionalen und frischen Zutaten, sondern auch auf ein Arbeitsklima, das für alle Beschäftigten einen Mehrwert schafft. Acht Angestellte, mit und ohne Behinderung machen dieses Restaurant zu einem Musterbeispiel der Inklusion.
Ein weiterer Integrationsbetrieb ist in Krefeld zu finden. Ein Tiefbauunternehmen, das in dem Bereich Garten- und Landschaftbau sieben Angstellte, davon fünf mit Schwerbehinderung. Sie arbeiten mit Begeisterung beschäftigt. Die Beschäftigten mit Behinderung werden voll ausgelastet und lieben es draußen zu sein. Die Zusammenarbeit gelingt gut und das Unternehmen ist sehr zufrieden.

Menschen mit Behinderung oder Schwerbehinderung wollen arbeiten und gefordert werden. Integrative Firmen bieten eine tolle Chance, jedoch sind es noch leider zu wenige. Es wäre toll, wenn in Zukunft mehr Unternehmen sich sozial betätigen und eine neue Lebensqualität für Menschen mit Handicap schaffen. Die zuständigen Integrationsämter unterstützen gerne.


Die etwas anderen Superhelden

Die klassischen Superhelden verfügen über eine spezielle Kraft oder übermenschliche Fähigkeit. Sie können Fliegen, haben einen Laserblick oder sind einfach super stark. Die Figuren sind makellos und zeigen immer wieder aufs Neue, wie sie die Bösen besiegen. Kinder oder auch Erwachsene lassen sich von dieser Vollkommenheit begeistern und möchte sich identifizieren können. Doch wie sieht es für Menschen mit Handicap aus? Wie fühlen Sie sich dabei und wünschen Sie sich vielleicht mal einen Superhelden, der so ist wie sie? In den Medien spielen Menschen mit Behinderung meistens keine große Rolle. Sie werden nicht auf Augenhöhe oder als Vorbild dargestellt. Doch Menschen mit Behinderung brauchen nicht nur Hilfe, sondern können sich selbst helfen und Großes leisten. Der Huffington Post berichtete kürzlich über ein Mädchen, das mit ihrem Vater ein Comic erschaffte, das ein Superheldenteam mit ganz besonderen Fähigkeiten beinhaltete – „The Department of Ability“. Sie bestehen aus fünf Charakteren: Emily, Pawsy, Billy, Claypole und Azzi. Die Anführerin Emily sitzt in einem fliegenden Rollstuhl und Billy ist ein Hund mit zwei Karbon-Rädern als Hinterbeinen und einem Roboterschwanz, Azzi ist ein Alien mit einem Prothesenarm. Zusammen retten sie die Welt. Die Idee der Inklusion von Behinderung in Superhelden Comics hat viele Menschen beeindruckt und zum Nachdenken aufgefordert. Man kann gespannt auf die Veröffentlichung sein!


„Die kleinen Kämpfer“

Kinder mit einer Behinderung erzählen unglaubliche Geschichten. Dies hat nicht zuletzt die fiktionale Serie „Club der roten Bänder“ auf VOX bewiesen. Sie erzählt von Kindern mit schweren Erkrankungen sowie Behinderungen und hat deutschlandweit großes Interesse erhalten. Nun möchte der TV-Sender RTL II an diesem Erfolg und diesem Interesse anknüpfen. Dieses Jahr ist ein Format namens „Die kleinen Kämpfer“ geplant, dass Familien mit ihrem behinderten Kind im realen Leben zeigt. Wahre Menschen, wahre Familien, ihre Kinder – wie sie weinen, lachen, ihr Leben meistern und genießen. Es soll gezeigt werden, was Familien im Umgang mit einem behinderten Kind leisten und alles dafür geben, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Die Zuschauer sollen eine Chance bekommen, über das eigene Leben nachzudenken und den sorglosen Umgang mit dem kostbaren Gut Gesundheit, aber auch Mut zu fassen, wenn sie sich in einer ähnlichen Situation befinden. Eine Sendung, die zum Nachdenken auffordern soll.

Aktueller Stand des Projektes
Das Projekt wird von der Produktionsfirma 99pro media GmbH für RTL II umgesetzt. Eine Firma deren Credo darin besteht Menschen zu erzählen, unvoreingenommen, neugierig und mit Empathie ihnen zu begegnen und mit ihnen zu arbeiten. Vier Familien mit Kinder mit Handicap haben bereits ihre Geschichte geteilt und werden noch bis Juni mit Kameras im Alltag begleitet. Das bedeutet zuhause, in der Schule, bei Untersuchungen, Krankenhausaufenthalten und wichtigen Stationen im Leben. Es wird nichts inszeniert oder dramatisiert. Die Familien werden respektvoll, distanziert und zurückhaltend beobachtet. Nun ist das Team auf der Suche nach weiteren Kindern und Jugendlichen im Alter von 5-17 Jahren. Sie sollten sich in Behandlung befinden und ihre Situation selbst reflektieren können. Besonders Familien, die sich aktuell nach einem Unfall oder einer Amputation in ein normales Leben kämpfen.

Aufklärung und Motivation
Viele Familien sind von einem schweren Schicksal getroffen und viele möchten gerne ihr Leid, ihr Glück und die damit verbundenen Erfahrungen mitteilen. „Die kleinen Kämpfer“ ermöglicht dieses. Besonders das Bewusstsein für den Umgang mit Behinderung oder Erkrankung ist ein weiterer Weg, eine Inklusion in der Gesellschaft zu schaffen. Unzählige Blogs und Facebook-Seiten zeigen, dass Menschen sich austauschen möchten – um ihr Schicksal zu verarbeiten, aber auch zu Sensibilisieren. Nur durch Aufklärung kann in ferner Zukunft eine ganzheitliche Inklusion geschaffen werden.

Aufruf
Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden und sagen, ja wir möchten uns mitteilen und der Gesellschaft unsere Erfahrungen, unseren Mut und unsere Lebenswillen zeigen, dann überlegen Sie, ob dieses Format nicht etwas für Sie ist. Es sind 10 Drehtage pro Familie geplant. Dabei soll nur distanziert beobachtet werden. Die Geschichte „Die kleinen Kämpfer“ soll erzählt werden – nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht sagt es Ihnen zu.

„Die kleinen Kämpfer“ ist ein menschennahes Format, das anstrebt ein Teil der Inklusion von Behinderung und Erkrankung in der Gesellschaft zu sein. Eine Sendung, die wahre Gefühle zeigt und informieren möchte. Seien Sie ein Teil davon, als beteiligte Familie oder als Zuschauer.


Der Blindenhund – Der Partner mit der kalten Schnauze

Freies und unabhängiges Fortbewegen ist eine Selbstverständlichkeit für Menschen mit vollem Sehvermögen. Doch was können Sehbehinderte tun, um dieses Privileg zu erlangen? Neben einem weißen Blindenstock oder elektronischen Hilfen, wie ein Ultraschallsystem, kann ein Blindenführhund die ideale Lösung sein. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. veröffentlichte eine informative Broschüre (Quelle: DBSV) über die Eigenschaften, die Ausbildung und die Vorteile eines Blindenführhundes.

Blindenführhund
Blindenführhunde werden sachlich Mobilitätshilfen genannt. Sie sind gut erzogene und ausgebildete Hunde, die Menschen auf ihren täglichen Wegen das Augenlicht ergänzen. Vom Wesen her müssen sie einwandfrei, loyal, nicht aggressiv oder ängstlich sein. Auch ein Jagdverhalten darf nicht vorhanden sein. Meist dienen die Rassen Labrador, Golden Retriever oder Großpudel dafür. Durch die spezielle Führhundeausbildung erlernen sie Hindernissen aus dem Weg zu gehen, bestimmte Ziele aufzusuchen oder Schalter, Treppen oder Aufzüge anzuzeigen. Blindenhunde erbringen Höchstleistungen, die kaum vorzustellen sind und bedürfen einer ganzheitlichen sowie strengen Ausbildung.

Die Ausbildung eines Blindenhundes
Üblicherweise findet die Ausbildung schon im Welpenalter an. Im Alter von drei Monaten werden die Welpen genau nach Richtlinien ausgewählt und ihr Wesen eingehend geprüft. Danach werden sie in „Patenfamilien“ gegeben, die bis zum ersten Lebensjahr die Hunde betreuen und ihnen so viel wie möglich zeigen. Sozialisierung steht dabei an erster Stelle. Danach kommen sie in eine Blindenführhundschule und werden dort rund 8 Monate auf ihren Job vorbereitet und abschließend geprüft. Während der Prüfung werden folgende Dinge getestet:

  • sichere Führung im Straßenverkehr
  • Beobachtung der Verkehrssituation durch Hund und Halter sowie adäquate Gebung von Warnhinweisen durch den Hund
  • Warnung vor oder Umgehung von Hindernissen, die zwar für den Hund ungefährlich, für den Halter aber verletzungsgefährdend sind
  • adäquate Reaktion des Halters auf Warnhinweise des Führhundes

Nach einer Ein- und Zusammenschulung mit dem zukünftigen Halter, werden die geprüften Blindenhunde in ihr neues Leben gelassen.

Was ein Blindenhund konkret leistet
Sobald der Hund sein Führgeschirr angezogen bekommt, bedeutet dies höchster Gehorsam und höchste Konzentration. Einer der Grundbausteine der Aufgaben des Blindenhundes ist das geradlinige Gehen. Sobald ein Ziel vorgegeben ist, wird der Hund geradlinig dieses anpeilen und nicht vom Weg abkommen. Das sorgt für eine optimale Orientierung des Sehbehinderten. Andere Mobilitätshilfen können dies nicht garantieren, da sie nur Hinderniserkenner sind. Jeder, der die Eigenarten eines Hundes kennt, weiß jedoch auch, was diese Aufgabe für den Hund bedeutet und welche Konzentration gefordert wird – aufrecht mit hoher Nase und nur geradeaus zu gehen. Meist sitzen sie mit der Nase nur kurz über dem Boden und lassen sich von interessanten Gerüchen treiben. Doch, wenn sie das Führgeschirr an haben, sind sie 100% konzentriert auf ihre Arbeit.
Neben dem Ausweichen von Gegenständen, muss der Führhund darauf achten, dass sein Halter nicht gegen Hindernisse stößt, die für ihn selbst keine darstellen. Durch sein Sehvermögen erfasst er Gefahren auf Kopf, Brust oder Bauchhöhe des Halters aus der Ferne und umgeht diese. Dabei vergisst der Hund jedoch nie das Ziel. Das Überqueren einer Fahrbahn erfordert das Zusammenspiel von Blindenführhund und Halter. Auto und Fahrräder lernt der Führhund als Gefahr einzustufen. Er bleibt stehen oder fordert seinen Halter mithilfe des Führgeschirrs zurück, wenn diese zu nah kommen. Dennoch ist bei einer solchen Situation das Gehör des gesamten Gespanns gefordert, denn der Hund kann zum Beispiel das Leuchtzeichen einer Ampel bedingt durch sein eingeschränktes Farbsehen nicht erkennen.

Kommunikation zwischen Halter und Führhund
Doch wie sieht die Kommunikation zwischen dem Gespann aus? Befehle des Grundausbildung führt der Hund ohne Probleme aus. Zusätzlich hört er auf „voran“, „rechts“ oder „links“. Eine Besonderheit sind die sogenannten Hörzeichen. Durch diese können bestimmte Ziele aufgesucht werden. Ein Blindenhund kann bis zu 75 solcher Hörzeichen lernen. Diese werden bewusst eingesetzt und können „Post“, „Bahnhof“, „Zu Hause“ oder „Supermarkt“ lauten. Aber sie können den Blindenhund auch dazu auffordern, den nächsten Zebrastreifen oder die nächste Bushaltestelle aufzusuchen. Der Hund hat ein sehr gutes Ortsgedächtnis und kann sich solche Ziele leicht merken und sie über Jahre hinweg abrufen.

Blindenhunde ermöglichen eine enorme Steigerung der Lebensqualität von behinderten und sehbehinderten Menschen. Jeder sollte die Chance auf einen derart treuen und verlässlichen Partner haben. Der Verein „Deutsche Blindenführhunde e.V.“ versucht durch sein Engagement die Lebensqualität, aber auch die Qualität der Blindenführhundausbildung stetig zu fördern. Nicht nur wird eine neue aktive Mobilitätshilfe ermöglicht, sondern auch den Menschen mit Handicap mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein geschenkt – alles dank einer kalten Schnauze.


TV-Tipp: „Selbstbestimmt“

Eine Sendung über Menschen in besonderen Lebenslagen und das Leben mit Behinderung, moderiert von Martin Fromme:

„Finden Sie sich nicht mit etwas ab,
sondern erfinden Sie sich. Man lebt nur einmal.
Und das Leben ist verdammt noch mal großartig.“

Am 5. März 2017 erscheint im MDR die nächste Folge der Sendung „Selbstbestimmt“. Es werden aktuelle Sonntagsfragen behandelt und ein interessanter Ratgeber „Handicaps für Anfänger“gezeigt. In der Vergangenheit wurden die Themen wie die persönliche Assistenz, der Arbeitsmarkt oder auch Turmspringen für Menschen mit Handicap behandelt. Die Abwechslung von „Selbstbestimmt“ zwischen Aktualität und spannenden Abenteuern des Alltags, schafft ein Programm, das absolut sehenswert ist.


Sport für Menschen mit Behinderung

Sportlich aktiv sein – ein Wunsch vieler Menschen. Während viele versuchen nur ihren inneren Schweinehund zu bekämpfen, streben andere danach ihr Handicap zu überwinden. Menschen mit Behinderung können nicht einfach zu einem Verein gehen und eine Sportart ausüben. Dies bedarf einer individuellen Förderung und Feinfühligkeit. Der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen e.V. (BRSNW) tritt dieser Herausforderung entgegen und schafft Menschen mit Handicap tolle Alternativen mit einem speziellen Sportangebot.

Der BRSNW ist ein Verband mit rund 230.000 Mitgliedern in über 1.500 Vereinen. Das ist ein Drittel der Mitglieder des Deutschen Behindertensportverbands e.V., somit stark aufgestellt, erfahren und bestens angepasst auf individuelle Bedürfnisse. Egal welche Behinderung vorliegt, der Verein findet die richtige Sportart. Auf diese Weise wird gewährleistet, das Menschen mit Handicap die optimale Förderung und Sportentwicklung erhalten sowie ihr volles Potenzial entdecken können.

Sportangebot des BRSNW
Das Behindertensportangebot lässt sich in zwei Kategorien einteilen – der Breitensport und der Leistungssport. Die Sporttreibenden können selbst entscheiden, ob sie sich einfach nur sportlich betätigen möchten oder echte Leistung erbringen und ihre Grenzen austesten wollen.

Der Breitensport zielt drauf ab Behinderten Spaß an der Bewegung und Spiel zu ermöglichen. Einfache Wettkämpfe und das Zusammensein mit Freunden, fördern den Teamgeist und die sozialen Kontakte. Dabei nehmen nicht nur Sporttreibende mit Handicap, sondern auch Sporttreibende ohne Behinderung teil. Es wird eine Inklusion geschaffen, bei der beide Parteien viel Lernen und neue Ziele geschaffen werden.

Beim Leistungsport werden die Athleten bis zu Weltmeisterschaften oder sogar den Paralympics gefördert. Doch dieser Verdienst geht mit täglichem Training, harten Wettkämpfen, aber auch Niederlagen einher. Die Leistungszentren und Stützpunkte des BRSNWs stehen den Sportlern zur Seite und unterstützen sie ausnahmslos.

Sportarten
Den Sporttreibenden wird ein breites Spektrum an Behindertensport angeboten.
Hier ist einen kleine Auswahl des Sportangebots:

Badminton – Bogensport – Bosseln – Fußball

Judo – Kanu – Leichtathletik – Segeln

Volleyball – Tanzen – Tischtennis (Showdown) – Wintersport

Neben diesen Aktivitäten werden auch Entspannungstechniken angeboten. Yoga oder Tai Chi werden gerne angenommen, um sich neben dem straffen Alltag einfach zu entspannen. Der Übergang vom Breitsport zum Rehabilitationsport ist fließend und ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung.

Das Beispiel des BRSNW zeigt, Sport für Menschen mit Behinderung sind keine unüberwindbaren Mauern entgegen gestellt. Es wird ihnen geholfen eine Sportart zu finden, die zu ihrem Grad der Behinderung passt. Ist eine gefunden, können sie sich frei entfalten und die Zeit einfach genießen. Vielleicht entdecken sie selbst auch einen Weltmeister in sich, der die Paralympics bestreiten wird. Die Inklusion fördert das Miteinander und stärkt die Persönlichkeit. Menschen mit Handicap können sich während des Sports ablenken -auch von ihrer Erkrankung. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung, die dazu die körperliche Fitness fördert. Ein tolles Angebot!