Vorstadtkrokodile 2

Vorstadtkrokodile 2 FilmplakatAm 21.1.2010 lief er an, der neue Film von Regisseur Christian Ditter, der die 70er-Jahre-Geschichte von einer Kinderbande aus dem Ruhrgebiet pfiffig in die Jetztzeit brachte  und allen Unkenrufen zum Trotz einen wirklich sehenswerten Film ablieferte. Nun also ist Teil 2 im Kino. Grund genug für mich, ihn mit meiner Tochter anzuschauen und Euch zu berichten.

Schon vorab wurde der Film als „besonders wertvoll“ von der Bundesfilmstelle (was es alles gibt) bewertet.

Aber wir wollten uns ja selbst ein Bild machen.

Inzwischen ist die Bande also ein eingespieltes Team, der Rollifahrer Kai – inzwischen mit Handbike ausgerüstet – ist fester Bestandteil der Clique. Die dummen Sprüche, die er manchmal zu hören bekommt, trägt er mit Humor, einem ebenso großen Mundwerk und einer guten Portion Eigenironie.  „Klar gucke ich Deiner Mutter auf den Arsch. Ich sitze im Rollstuhl, ich schaue allen auf den Arsch, automatisch.“ (mehr …)

Geschrieben am von Katja

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„Hamwa nich bestellt, könnse wieder mitnehmen!“

Schweinegrippe und  Noro – Virus im Fokus

Weißes Kreuz in rotem KreisH1N1, so die wissenschaftliche Bezeichnung für ein Virus, welches uns echt schweinisch krank machen kann.  Eine Impfung soll uns retten vor der gefürchteten Epidemie, der Auslöschung der Bevölkerung. Aber die Skepsis gegenüber einem schnell aus der Retorte gezogenen Impfstoff steht nach wie vor der Angst, an der Schweinegrippe zu erkranken, gegenüber.

Alles nur Panikmache gewesen?

Die Impfverstärker im Serum, in der Fachwelt Adjuvantien genannt, können durchaus ordentliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Dies können lokale Reaktionen an der Einstichstelle sein, aber eben auch grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerz, hohes Fieber, Unwohlsein etc. sein.

Ist es dann nicht eigentlich egal, von was man letztendlich krank wird? (mehr …)


Die Vorstadtkrokodile reloaded – oder ich werde doch noch nicht alt!

Filmplakat der Vorstadtkrokodile © Constantin FilmWer kennt sie nicht, die Vorstadtkrokodile, Helden unserer 70er-Jahre-Kindheit. Eine Bande, die sich aufmacht, ein Verbrechertrio zu stellen. Basierend auf dem Kinderroman von Max von der Grün, einem echten Ruhrpottler, erzählt der Film ohne erhobenen Zeigefinger vom Anderssein und von Integration. Kurt, der querschnittgelähmte Junge, hat Hannes bei seiner Mutprobe zufällig mit dem Fernrohr beobachtet und geistesgegenwärtig die Feuerwehr alarmiert, die ihn vom morschen Ziegeleidach rettet.

Hannes muss sich bedanken, ein erster noch unsicherer Kontakt entsteht, aber die Jungs mögen sich. Hannes, nun in die Bande aufgenommen, möchte auch seinen neuen Freund einbinden und stösst auf herben Widerstand. Den „Krüppel“, den will keiner dabeihaben…  (mehr …)


Die Polizei – kein Freund und erst recht kein Helfer!

Die folgende Begebenheit hat sich vor zwei Wochen zugetragen. Eigentlich war ich ja schon auf dem Heimweg…

Meinen Fahrradhelm hatte ich schon in der Hand, als ich mitbekam, dass ein Bewohner von unserer Kurzzeitpflege (ich arbeite 60% in einer Klinik für Geriatrie, 40% in einem Pflegeheim beim gleichen Träger) nicht aus dem ihn bringenden Taxi aussteigen wollte.

Er ist zur Kurzzeitpflege bei uns angemeldet gewesen, weil seine Frau, die den demenzerkrankten Herrn seit zwei Jahren pflegte, dringend eine Kur benötigte. Soweit so gut. Tagsüber sollte er weiterhin in seiner Tagespflege betreut werden und von dort fuhr das Taxi inklusive Begleitperson nun zu uns. Er stieg nicht aus. Bockig wie ein Kind weigerte er sich.  Alle Ablenkungsversuche nutzten nichts.

Nach einer halben Stunde guten Zuredens stieg er dann doch endlich aus. Ich fühlte mich schon auf der sicheren Seite, aber als wir den Herrn ins Haus begleiten wollten, schlug er um sich und lief fort – Richtung Innenstadt.Der Begleitperson und mir gelang es nicht, ihn von einer Umkehr zu überzeugen. (mehr …)


Küss mich! Oder wie kleine Begebenheiten den grauen Alltag erhellen

HausWie schon gesagt, der Alltag in der Klinik ist oft nicht nur anstrengend,  sondern auch traurig, herausfordernd, erschütternd. Heute möchte ich aber mal ein paar Anekdoten vom Stapel lassen. Auch mit lustigen Situationen werden wir immer wieder konfrontiert.
 
Da war zum Beispiel eine wirklich alte Dame (96, naja, in Jopi-Jahren noch blutjung). Sie redete nicht mit uns, nicht mit ihren Kindern und Enkeln, sie habe seit Monaten nichts mehr gesagt, so die Angehörigen. Jedenfalls waren wir mit dem Chef (knackige 60) zur Visite. Er beugt sich über die schlafende Schönheit und ruft (schwerhörig war sie ausserdem) ihr ins Ohr: „Guten Morgen!“ Die Patientin schlägt die Augen auf, schnappt sich den Kittel vom Chef, zieht ihn etwas näher an sich heran und haucht gebieterisch: „Küss mich!“

Ein anderes Mal traf es mich. Ich sprach mit einer reizenden, etwas verwirrten alten Dame. Sie strahlte mich an, sie mochte mich wohl und wollte mir was nettes sagen: „Sie haben so schöne Zähne! Die sind neu, gell?“ Ich, damals 32, Zahnstatus altersentsprechend, guckte dämlich, fasste mich aber und entgegnete: „ Nee, das sind noch meine eigenen.“ Sie nickte beiläufig und das Thema war erledigt.

BriefkastenZum Dritten: Wir müssen manchmal für Patienten beim Amtsgericht gesetzliche Betreuungen anregen. Dazu gehört ein Sozialbericht (von mir) und ein ärztliche Zeugnis. Irgendwie lese ich die ärztlichen Zeugnisse lieber nochmal durch, bevor ich sie ans Amtsgericht schicke. Tippfehler können manchmal das Verfahren ziemlich in die Länge ziehen…alles schon erlebt. Jedenfalls so las ich auch bei diesem Attest nochmal alles durch und gab es an die Ärztin zurück. Sie hatte bei den vielen Diagnosen beim Wort  „Nachtschweiss“ das w vergessen…

Und noch ein Bonmot aus der Ärzteschaft. Abschied einer Oberärztin, ein Kollege aus der Chirurgie fehlte.  Kommentar der Verabschiedeten: „ Der XY nagelt gerade nen Privaten (…).“ Anmerkung der Schreiberin für den Nichtmediziner, der Satz bedeutete: XY ist noch im OP und versorgt gerade einen Oberschenkelhalsbruch mit einem Gammanagel.

Humor ist wenn man trotzdem lacht! Smilie zwinkert


Gestern standen wir noch vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter?

Das Team, zu dem ich gehöre, ist täglich konfrontiert mit Krankheit, Verzweiflung, Frustration, Abschied, Sterben. Als Klinikmitarbeiter spürt man dazu die Auswirkung leerer Kassen, DRGs („Fallpauschalen“), Personalnot, schlechter Bezahlung direkt und ungefiltert. Selten vergeht ein Tag, an dem ich als Sozialarbeiterin nicht gegenüber Patienten und Angehörigen rechtfertigen muss, dass der Entlasstermin bald naht und Lösungen gefunden werden müssen. JETZT.

Täglich muss ich vor den Betroffenen ein System verteidigen, welches Pflegefälle quasi produziert, weil den alten Menschen im Schnitt einfach zu wenig Zeit zur Erholung und Rehabilitation nach Knochenbrüchen und Schlaganfällen etc. gewährt wird. Und wenn derjenige eben nicht innerhalb seiner ihm zugedachten DRG-Zeit halbwegs fit ist, dann heisst das häufig Pflegeantrag stellen und Kurzzeitpflege suchen. Zeit gewinnen. Zeit, in der dann nichts mehr vorangeht, weil der Hausarzt nur noch 6 mal Krankengymnastik aufschreibt.

Dabei werden hier nur Kosten „verschoben“. Die Krankenkasse ist mit ihrer Pauschale fein raus, die Pflegekasse muss ran.  Der Sinn dieser Umschichtung erschliesst sich mir auch nach fast 5 Jahren in der Klinik nicht.

Und trotzdem! Trotzdem geh ich jeden Tag wieder gerne zu „meinen“ Oldies. Zu einem Team von Mitarbeitern, die genau wie ich den Humor nicht verlieren und versuchen, das Beste für jeden Patienten aus seiner Situation herauszuholen, sie motivieren, nicht aufzugeben.

Mir ist dabei vollkommen klar, dass die Kostenträger im Grunde mit diesem hohen Einsatz der Mitarbeiter kalkulieren.

Und ich als kleines Rädchen im Getriebe, ich spiele das unfaire Spiel mit. Oft frage ich mich, ob das richtig so ist, ob wir nicht alle das fragile System zum Zusammenbruch bringen müssten, damit von Oben her endlich gehandelt wird und die Bedingungen für Patienten und Mitarbeiter verbessert werden.

Rette sich, wer kann? Sind wir eigentlich noch zu retten?


Ambulant vor stationär – Ein schlechter Witz

HausEin Arbeitnehmer hat nach der neuen Pflegereform das Recht, sich in einer akuten Notsituation eines Angehörigen bis 10 Tage freistellen zu lassen, um eine adäquate Versorgung zu organisieren. Bei Betrieben ab 15 Mitarbeitern kann man sich einmalig für eine Pflegezeit von bis zu 6 Monaten freistellen lassen, um einen nahen Angehörigen mit mindestens Pflegestufe 1 im häuslichen Bereich zu pflegen.

Hört sich ja erstmal gut an!

In kleineren Betrieben darf der Chef diese Freistellung ablehnen. Das ist der erste Haken. Und es wird noch „hakeliger“: Egal wie,  in diesen Zeiten hat man keinerlei Anspruch auf Lohnfortzahlung. Die einzige Leistung, die man erhält, sind die Rentenversicherungsbeiträge und den Betrag für häusliche Pflege, die von der Pflegekasse des zu Pflegenden übernommen werden.

paragraphenzeichenSeit einem Jahr ist dieses Gesetz in Kraft, und ich habe bisher in meiner Arbeit in der Klinik keinen einzigen Angehörigen kennengelernt, der es sich hätte leisten können, diese Pflegezeit in Anspruch zu nehmen.
Dabei wäre die Bereitschaft durchaus vorhanden – aber den meisten ist es finanziell nicht vergönnt, sich mal eben 6 Monate aus der Erwerbstätigkeit zu verabschieden. Wenn hier keine Lösung gefunden wird, eine finanzielle Vergütung à la Erziehungsgeld zu erhalten, kann man diesen Teil der Pflegereform getrost in die  Tonne kloppen.

Auch der gesetzliche verankerte Grundsatz „ambulant vor stationär“ wird damit zum wiederholten  Mal mit Füssen getreten. Dies erkennt man auch daran, dass nach wie vor  Pflege durch Angehörige mit einem Taschengeld (Pflegestufe1 = 205 € im Monat) abgespeist wird, ein ambulanter immerhin mit der doppelten Leistung entlohnt wird und ein Pflegeheim mit 1023€ bezuschusst wird.

Ich denke, es könnten sehr viel mehr Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden, wenn gleiche Leistung auch gleich bezahlt würde! Hier geht es ja nicht nur um eine annähernde faire Entlohnung der Pflegenden, sondern auch um die Möglichkeit, sich regelmäßig Entlastung „leisten“ zu können.Smilie *hmmpf


Ja, lohnt sich das denn überhaupt noch?

fragezeichenDiese Frage wurde mir von einem Pflegekassensachbearbeiter gestellt, als ich für eine Frau in den 60ern, die unheilbar an Krebs erkrankt war, eine Pflegestufe und vor allem ein Pflegebett beantragt habe.
Ich bin ja sonst nicht aufs Maul gefallen, aber da blieb mir doch erst mal die Spucke weg.

Die Patienten war alleinlebend, hatte keine Kinder. Aber sie hatte eine sehr patente Freundin und Nachbarin, die den Weg mit ihr  gehen wollte. Sie wollte ihr nicht nur das Sterben zu Hause ermöglichen, sondern ihr auch helfen, die verbliebene Zeit erfüllt nutzen zu können.

„Ja, lohnt sich das denn überhaupt noch?“

Selten hat ein mir unbekannter Mensch eine solche Wut in mir ausgelöst. Nachdem ich nach Luft geschnappt hatte und ihn gefragt habe, ob dies sein Ernst sei, antwortete der Sachbearbeiter mir: „Ja, kann sie denn nicht bei Euch (im Krankenhaus) sterben? Am Ende haben wir das Pflegebett geliefert und können es am nächsten Tag wieder abholen.“

Nachdem ich ihn gefragt habe, ob ich diese Aussage nun als Ablehnung werten dürfe und die Begründung gerne schriftlich hätte, hatte ich 10 Min. später die Bewilligung des Bettes per Fax auf dem Schreibtisch. Na also! Geht ja doch. 

Die Patienten war übrigens noch volle 4 Monate zu Hause und ist dann dort umsorgt von der Freundin und einem Pflegedienst gestorben.

Zurück zur Ausgangsfrage: „Ja, lohnt sich das denn überhaupt noch?“ Ab wann fängt es denn an, sich zu lohnen?Smilie *hmmpf


Katjas alltäglicher Wahnsinn

HausUnter dem Motto »Der alltägliche Wahnsinn« entsteht hier eine Rubrik, die über Anektoden,  Problemchen im und ums Krankenhaus, der Pflegeversicherung, von Patientenverfügungen, ……… erzählt, die im Berufsalltag einer Sozialpädagogin lauern können und einem die Arbeit nicht immer leicht machen. Lasst euch überraschen!!