Der Blindenhund – Der Partner mit der kalten Schnauze

Freies und unabhängiges Fortbewegen ist eine Selbstverständlichkeit für Menschen mit vollem Sehvermögen. Doch was können Sehbehinderte tun, um dieses Privileg zu erlangen? Neben einem weißen Blindenstock oder elektronischen Hilfen, wie ein Ultraschallsystem, kann ein Blindenführhund die ideale Lösung sein. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. veröffentlichte eine informative Broschüre (Quelle: DBSV) über die Eigenschaften, die Ausbildung und die Vorteile eines Blindenführhundes.

Blindenführhund
Blindenführhunde werden sachlich Mobilitätshilfen genannt. Sie sind gut erzogene und ausgebildete Hunde, die Menschen auf ihren täglichen Wegen das Augenlicht ergänzen. Vom Wesen her müssen sie einwandfrei, loyal, nicht aggressiv oder ängstlich sein. Auch ein Jagdverhalten darf nicht vorhanden sein. Meist dienen die Rassen Labrador, Golden Retriever oder Großpudel dafür. Durch die spezielle Führhundeausbildung erlernen sie Hindernissen aus dem Weg zu gehen, bestimmte Ziele aufzusuchen oder Schalter, Treppen oder Aufzüge anzuzeigen. Blindenhunde erbringen Höchstleistungen, die kaum vorzustellen sind und bedürfen einer ganzheitlichen sowie strengen Ausbildung.

Die Ausbildung eines Blindenhundes
Üblicherweise findet die Ausbildung schon im Welpenalter an. Im Alter von drei Monaten werden die Welpen genau nach Richtlinien ausgewählt und ihr Wesen eingehend geprüft. Danach werden sie in „Patenfamilien“ gegeben, die bis zum ersten Lebensjahr die Hunde betreuen und ihnen so viel wie möglich zeigen. Sozialisierung steht dabei an erster Stelle. Danach kommen sie in eine Blindenführhundschule und werden dort rund 8 Monate auf ihren Job vorbereitet und abschließend geprüft. Während der Prüfung werden folgende Dinge getestet:

  • sichere Führung im Straßenverkehr
  • Beobachtung der Verkehrssituation durch Hund und Halter sowie adäquate Gebung von Warnhinweisen durch den Hund
  • Warnung vor oder Umgehung von Hindernissen, die zwar für den Hund ungefährlich, für den Halter aber verletzungsgefährdend sind
  • adäquate Reaktion des Halters auf Warnhinweise des Führhundes

Nach einer Ein- und Zusammenschulung mit dem zukünftigen Halter, werden die geprüften Blindenhunde in ihr neues Leben gelassen.

Was ein Blindenhund konkret leistet
Sobald der Hund sein Führgeschirr angezogen bekommt, bedeutet dies höchster Gehorsam und höchste Konzentration. Einer der Grundbausteine der Aufgaben des Blindenhundes ist das geradlinige Gehen. Sobald ein Ziel vorgegeben ist, wird der Hund geradlinig dieses anpeilen und nicht vom Weg abkommen. Das sorgt für eine optimale Orientierung des Sehbehinderten. Andere Mobilitätshilfen können dies nicht garantieren, da sie nur Hinderniserkenner sind. Jeder, der die Eigenarten eines Hundes kennt, weiß jedoch auch, was diese Aufgabe für den Hund bedeutet und welche Konzentration gefordert wird – aufrecht mit hoher Nase und nur geradeaus zu gehen. Meist sitzen sie mit der Nase nur kurz über dem Boden und lassen sich von interessanten Gerüchen treiben. Doch, wenn sie das Führgeschirr an haben, sind sie 100% konzentriert auf ihre Arbeit.
Neben dem Ausweichen von Gegenständen, muss der Führhund darauf achten, dass sein Halter nicht gegen Hindernisse stößt, die für ihn selbst keine darstellen. Durch sein Sehvermögen erfasst er Gefahren auf Kopf, Brust oder Bauchhöhe des Halters aus der Ferne und umgeht diese. Dabei vergisst der Hund jedoch nie das Ziel. Das Überqueren einer Fahrbahn erfordert das Zusammenspiel von Blindenführhund und Halter. Auto und Fahrräder lernt der Führhund als Gefahr einzustufen. Er bleibt stehen oder fordert seinen Halter mithilfe des Führgeschirrs zurück, wenn diese zu nah kommen. Dennoch ist bei einer solchen Situation das Gehör des gesamten Gespanns gefordert, denn der Hund kann zum Beispiel das Leuchtzeichen einer Ampel bedingt durch sein eingeschränktes Farbsehen nicht erkennen.

Kommunikation zwischen Halter und Führhund
Doch wie sieht die Kommunikation zwischen dem Gespann aus? Befehle des Grundausbildung führt der Hund ohne Probleme aus. Zusätzlich hört er auf „voran“, „rechts“ oder „links“. Eine Besonderheit sind die sogenannten Hörzeichen. Durch diese können bestimmte Ziele aufgesucht werden. Ein Blindenhund kann bis zu 75 solcher Hörzeichen lernen. Diese werden bewusst eingesetzt und können „Post“, „Bahnhof“, „Zu Hause“ oder „Supermarkt“ lauten. Aber sie können den Blindenhund auch dazu auffordern, den nächsten Zebrastreifen oder die nächste Bushaltestelle aufzusuchen. Der Hund hat ein sehr gutes Ortsgedächtnis und kann sich solche Ziele leicht merken und sie über Jahre hinweg abrufen.

Blindenhunde ermöglichen eine enorme Steigerung der Lebensqualität von behinderten und sehbehinderten Menschen. Jeder sollte die Chance auf einen derart treuen und verlässlichen Partner haben. Der Verein „Deutsche Blindenführhunde e.V.“ versucht durch sein Engagement die Lebensqualität, aber auch die Qualität der Blindenführhundausbildung stetig zu fördern. Nicht nur wird eine neue aktive Mobilitätshilfe ermöglicht, sondern auch den Menschen mit Handicap mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein geschenkt – alles dank einer kalten Schnauze.


TV-Tipp: „Selbstbestimmt“

Eine Sendung über Menschen in besonderen Lebenslagen und das Leben mit Behinderung, moderiert von Martin Fromme:

„Finden Sie sich nicht mit etwas ab,
sondern erfinden Sie sich. Man lebt nur einmal.
Und das Leben ist verdammt noch mal großartig.“

Am 5. März 2017 erscheint im MDR die nächste Folge der Sendung „Selbstbestimmt“. Es werden aktuelle Sonntagsfragen behandelt und ein interessanter Ratgeber „Handicaps für Anfänger“gezeigt. In der Vergangenheit wurden die Themen wie die persönliche Assistenz, der Arbeitsmarkt oder auch Turmspringen für Menschen mit Handicap behandelt. Die Abwechslung von „Selbstbestimmt“ zwischen Aktualität und spannenden Abenteuern des Alltags, schafft ein Programm, das absolut sehenswert ist.


Sport für Menschen mit Behinderung

Sportlich aktiv sein – ein Wunsch vieler Menschen. Während viele versuchen nur ihren inneren Schweinehund zu bekämpfen, streben andere danach ihr Handicap zu überwinden. Menschen mit Behinderung können nicht einfach zu einem Verein gehen und eine Sportart ausüben. Dies bedarf einer individuellen Förderung und Feinfühligkeit. Der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen e.V. (BRSNW) tritt dieser Herausforderung entgegen und schafft Menschen mit Handicap tolle Alternativen mit einem speziellen Sportangebot.

Der BRSNW ist ein Verband mit rund 230.000 Mitgliedern in über 1.500 Vereinen. Das ist ein Drittel der Mitglieder des Deutschen Behindertensportverbands e.V., somit stark aufgestellt, erfahren und bestens angepasst auf individuelle Bedürfnisse. Egal welche Behinderung vorliegt, der Verein findet die richtige Sportart. Auf diese Weise wird gewährleistet, das Menschen mit Handicap die optimale Förderung und Sportentwicklung erhalten sowie ihr volles Potenzial entdecken können.

Sportangebot des BRSNW
Das Behindertensportangebot lässt sich in zwei Kategorien einteilen – der Breitensport und der Leistungssport. Die Sporttreibenden können selbst entscheiden, ob sie sich einfach nur sportlich betätigen möchten oder echte Leistung erbringen und ihre Grenzen austesten wollen.

Der Breitensport zielt drauf ab Behinderten Spaß an der Bewegung und Spiel zu ermöglichen. Einfache Wettkämpfe und das Zusammensein mit Freunden, fördern den Teamgeist und die sozialen Kontakte. Dabei nehmen nicht nur Sporttreibende mit Handicap, sondern auch Sporttreibende ohne Behinderung teil. Es wird eine Inklusion geschaffen, bei der beide Parteien viel Lernen und neue Ziele geschaffen werden.

Beim Leistungsport werden die Athleten bis zu Weltmeisterschaften oder sogar den Paralympics gefördert. Doch dieser Verdienst geht mit täglichem Training, harten Wettkämpfen, aber auch Niederlagen einher. Die Leistungszentren und Stützpunkte des BRSNWs stehen den Sportlern zur Seite und unterstützen sie ausnahmslos.

Sportarten
Den Sporttreibenden wird ein breites Spektrum an Behindertensport angeboten.
Hier ist einen kleine Auswahl des Sportangebots:

Badminton – Bogensport – Bosseln – Fußball

Judo – Kanu – Leichtathletik – Segeln

Volleyball – Tanzen – Tischtennis (Showdown) – Wintersport

Neben diesen Aktivitäten werden auch Entspannungstechniken angeboten. Yoga oder Tai Chi werden gerne angenommen, um sich neben dem straffen Alltag einfach zu entspannen. Der Übergang vom Breitsport zum Rehabilitationsport ist fließend und ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung.

Das Beispiel des BRSNW zeigt, Sport für Menschen mit Behinderung sind keine unüberwindbaren Mauern entgegen gestellt. Es wird ihnen geholfen eine Sportart zu finden, die zu ihrem Grad der Behinderung passt. Ist eine gefunden, können sie sich frei entfalten und die Zeit einfach genießen. Vielleicht entdecken sie selbst auch einen Weltmeister in sich, der die Paralympics bestreiten wird. Die Inklusion fördert das Miteinander und stärkt die Persönlichkeit. Menschen mit Handicap können sich während des Sports ablenken -auch von ihrer Erkrankung. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung, die dazu die körperliche Fitness fördert. Ein tolles Angebot!


Was sind eigentlich Sexualbegleiter?

Mit dem Start in das Jahr 2017 stellen sich neue Herausforderungen – darunter die Sexualität von Menschen mit Behinderung. Während es für Menschen ohne Behinderung kein Problem ist sexuelle Befriedigung zu erlangen, gibt es für Menschen mit Handicap unüberwindbare Schwierigkeiten. Lähmung, geistige Behinderung oder andere Hindernisse führen dazu, dass die Sexualität nicht ausgelebt werden kann.
Reportagen wie zum Beispiel über Betty (Quelle: Süddeutsche Zeitung ) zeigen, dass es bereits Lösungsansätze gibt, um gegenzusteuern. Die 73 jährige Betty ist geistig behindert, fast blind und Jungfrau. Ihre ersten sexuellen Erfahrungen macht sie mit dem Sexualbegleiter Jean. Ihr und vielen anderen Behinderten verhelfen diese Begegnungen zu Entspannung und Frohsinn. Auch in der Politik wird das Thema Sexualbegleiter/innen heiß diskutiert.

Aktuelles zur Sexualbegleitung
Für Menschen mit Behinderung gibt es inzwischen viele durchaus positive Veränderungen, u.a. im Bereich Infrastruktur, Gesellschaft und Sozialwesen, doch ein Tabu bleibt bestehen. Dieses Tabu wurde von „die grünen“-Politikerin Elisabeth Scharfenberg, in einem Interview ins Visier genommen: „eine Finanzierung für sexuelle Assistenz ist für mich vorstellbar“. Mit Blick auf die Niederlanden wird eine Kostenübernahme von sexuellen Dienstleistungen für Pflegebedürftige und Beeinträchtigte Menschen angestrebt. Dort ist „Sex auf Rezept“ – sofern das Bedürfnis ärztlich bestätigt wurde – möglich. In diesem Kontext kristallisieren sich Sexualbegleiter/innen bzw. Surrogatpartner/innen heraus, die dieser Dienstleistung gerecht werden. Das Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter(ISBB) mit Standort in Trebel (Quelle:ISBB Trebel ), bildet kompetente Surrogatpartner/innen aus.

Was zeichnet Sexualbegleiter/innen aus?
Oft wird dieser Beruf mit Prostitution gleichgesetzt und eine staatliche Ausbildung gibt es nicht. Trotzdem muss man eine klare Grenze zwischen Prostituierten und Sexualbegleitern machen. Darüber hinaus kann man Sexualassistenz und Sexualbegleitung nicht ohne weiteres gleichsetzen. Eine Surrogatpartnerschaft wird zwischen Klient und Dienstleister/innen eingegangen, indem die zusammen verbrachte Zeit berechnet wird. Im Gegensatz dazu steht die Prostitution, bei der eine bestimmte – von Kunden geforderte – Leistung erbracht und bezahlt wird. Voraussetzung für Surrogatpartner/innen ist eine therapeutische Ausbildung, welche Prostituierte oder Sexualassistenten nicht haben, d.h. die Sexualbegleitungen haben auch die Funktion therapeutisch zu agieren.

Ein weiteres Kriterium, um Prostitution und Sexualbegleitung zu unterscheiden ist, dass die Begleiter/innen reflektiert agieren. Gefühle, Kommunikation, emotionale Nähe und – nicht zwingend – körperliche Nähe, sind Hauptmerkmal der Treffen zwischen der eingeschränkten Person und der Begleitung. Jedes Treffen ist dabei einzigartig und die Interagierenden entscheiden zusammen und anhand der Stimmung wie weit die physische Erfahrung reicht (auch Geschlechtsverkehr ist möglich). In diesem Kontext befasst sich die ISBB auch mit den Standards, Rechten und Leistungen eines/r Sexualbegleiters/in, welche in einem Patent „Empower-Sexualbegleitung ISBB ®“ eingebettet sind.

Pro und Contra – Finanzierung der Sexualbegleitung in Deutschland?
Die Sexualbegleitung ist eine große Herausforderung für die Politiker/innen und gleichzeitig eine große Chance für Behinderte. Im Bad eines Pflegeheims fängt der Patient an mit einer Pflegerin zu flirten und versucht sie zu küssen, wodurch diese sich belästigt fühlt. Diese Art von Situation ist kein Einzelfall und auch Angehörige sind mit diesen Problemen konfrontiert. Hat eine Familie zum Beispiel einen Autisten als Sohn, so kommt es im Jugendalter dazu, dass sich dieser sexuell weiterentwickelt und Andeutungen oder Aktionen keine Ausnahme sind. Hilflosigkeit bei den Angehörigen ist die Folge, die vermeidbar ist, da man die Möglichkeit hat offen darüber zu sprechen und durch die Sexualbegleiter/innen sexuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Eine Theorie ist, dass die Behinderten selbstbewusster und ruhiger sind, wenn sie ihre sexuelle Persönlichkeit ausleben können. Dadurch erfahren sie Liebe, Zuneigung und Intimität. Anhand dieser Aspekte kann man die Notwendigkeit ableiten, Sexualbegleitung für körperlich- und geistig beeinträchtigte Personen zu finanzieren und einzusetzen.

Einen Lösungsansatz für die Finanzierung bietet – wie oben erwähnt – die Niederlande, d.h. ein Rahmen für eine mögliche Umsetzung ist bereits vorhanden. Tabuisierung seitens der kirchlich-konservativen ist bis heute vorhanden. Die Übertragung des niederländischen Finanzierungsprinzips auf Deutschland ist nicht von jetzt auf gleich umsetzbar. Darüber hinaus gehöre die Sexualbegleitung laut Horst Vöge, NRW-Landesvorsitzender des Sozialverbands VdK nicht zur Pflege- versicherung. Durch Elisabeth Scharfenberg ist trotzdem ein wichtiger Schritt in die Richtung der Behinderten, Pflegebedürftigen und immobilen Individuen unserer Gesellschaft gemacht worden. Das Ziel von sexueller Selbstbestimmung rückt näher.


98 PS – für diesen Rollstuhl braucht man einen Waffenschein

Der schnellste Rollstuhl der Welt fährt knapp 175km/h und ist in England zu finden. Unter der Haube versteckt sich ein Suzuki Motor 600 Kubik mit 4-Zylindern. Äußerlich lassen jedoch nur zwei große Endschalldämpfern die Power dieses Gefährt erahnen.Zwei Schrauber von der Isle of Man bauten den Rollstuhl und stellten auf 400 Metern eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 173km/h auf. Das alles unter den strengen Augen von Guiness Buch-Offiziellen.
Diese haben den Rekord bestätigt: Der schnellste Rollstuhl 2016.
6 Monate schraubten die beiden Männer an der Höllenmaschine und sind sehr stolz auf ihre Arbeit. Doch ein noch schnellerer Rollstuhl ist schon in Planung. Sie wollen ihren eigenen Rekord mit einem 750 Kubik Motor schlagen und sind bereits fleißig am Tüfteln.


Reisen mit Behinderung

Rund 1 Milliarde Deutsche fliegen jährlich in den Urlaub. Ein Großteil ohne Bedenken und ohne Einschränkungen. Doch wie viele davon stehen vor besonderen Herausforderung? Die Zahl der reisenden Menschen mit Behinderung ist unbekannt. Schaut man sich eine Reise mit Handicap genauer an, zeigt sich, dass viel zu beachten ist:

Barrierefrei Reisen
Nach der ersten Entscheidung des Urlaubsziels, muss eine Unterkunft ausgesucht werden. Online eine schwierige Angelegenheit, da oft nur versteckt Auskünfte gegeben werden. Die verkaufte und tatsächliche Barrierefreiheit ist ein schweres Problem, dass sich nur mittels Erfahrungsberichten oder direkter Nachfrage lösen lässt.
Sind Ort und Unterkunft ausgewählt, muss entschieden werden, auf welche Art und Weise das Ziel barrierefrei erreicht wird. Kleine Strecken können meist gut mit dem eigenen Fahrzeug, das auf die Bedürfnisse angepasst ist, gefahren werden. Steht ein solches nicht zur Verfügung, gibt es viele Unternehmen auf dem Markt, die einen Transportservice für Menschen mit Handicap anbieten. Fahren mehrere Personen, sind die Kosten dafür schnell gedeckt. Ein größere Herausforderung zeigt eine Reise mit dem Flugzeug.

Fliegen mit Handicap -Was ist zu beachten? Was darf mit?
Wenn ein Flug gebucht wurde, steht diesem zunächst nichts im Weg. Fluggesellschaften unterliegen der Beförderungspflicht für Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität. (Quelle: Flugrecht) Das beinhaltet den Flug und die Abfertigung. In der Praxis bedeutet dies, dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer auf dem Weg von der Flughafeneingangstür bis zum Sitzplatz begleitet und unterstützt werden. Das gleiche gilt natürlich auch für den Zielflughafen.

Ist ein Rollstuhl vorhanden, darf dieser kostenfrei mitgenommen werden. Für Kurz- und Mittelstreckenflügen ist jedoch zu beachten, dass ein Rollstuhl im Passagierraum nicht erlaubt ist. Aufstehen während des Fluges ist demnach nicht möglich. Bei elektrischen Rollstühlen muss der genutzte Akku im Voraus überprüft werden – nicht alle verwendeten Akkus sind auf Flugreisen noch erlaubt.

Ein Assistenzhund darf, unabhängig von seiner Größe, immer kostenfrei im Passagierraum mitreisen. Ein Nachweis über die Notwendigkeit des Hundes reicht aus.
Sind Medikamente oder andere Hilfsmittel mitzuführen, können diese getrennt vom Reisegepäck kostenlos und ohne Einschränkungen mitgenommen werden. Flüssigkeiten mit einer Menge von über 100ml können problemlos transportiert werden. Auch hier gilt, das ein entsprechender Nachweis vorgezeigt werden muss. Bei Passagieren mit Atemwegserkrankungen ist vorher zu klären, welche Druckflasche und Konzentration mitgeführt werden darf oder ob die Sauerstoffzufuhr des Flugzeuges ausreicht. Frühzeitige Absprache mit der Fluggesellschaft geht unerwünschten Problemen aus dem Weg.

In Hinsicht auf Implantate, Prothesen und Herzschrittmachern ist ebenfalls ein Nachweis sowie ein frühzeitiges Informieren des Sicherheitspersonals bei der Kontrolle notwendig. Hier kann schnell eine Prothese als verdächtiges Metall eingestuft werden. Besonders bei Herzschrittmachern ist die Empfindlichkeit der Elektronik nicht zu unterschätzen und ein Abtasten, statt des Metalldetektor zu empfehlen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man sich bei Antritt einer Reise früh genug informieren und mit der jeweiligen Fluggesellschaft in Kontakt treten muss. Sind entsprechende Nachweise vorhanden, spricht einer entspannten, barrierefreien Reise und damit einem wohl verdienten Urlaub nichts entgegen.

Checkliste: Fliegen mit Behinderung

  • Anmeldung bei Fluggesellschaft für Hilfeleistung
  • Überprüfung des Rollstuhl Akkus
  • Nachweis über Assistenzhund
  • Nachweis über Medikamente
  • Überprüfung Druckflasche und Konzentration bei Sauerstoffflaschen
  • Nachweis über Prothesen, Implantate oder Herzschrittmacher

Inklusion an Schulen

Inklusion, ein sehr abstraktes Wort, das eine wunderbare Vorstellung des Zusammenlebens zeigen kann. Im Allgemeinen stellt eine Inklusion eine Gesellschaft dar, in der jeder Mensch unabhängig von seinem Geschlecht, seinem Alter, seiner Herkunft, seiner Bildung und seiner Behinderung gleichberechtigt ist sowie ohne Einschränkungen sich integrieren kann. Es bedeutet Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Gemeinsamkeit – beinhaltet viele Möglichkeiten aber auch große Herausforderungen.

Aktuelle Situation
Besonders die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in einer inklusiven Schule ist regelmäßig ein Thema. Nach dem Schulrechtgesetz des Landes haben Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ein Anrecht auf einen Platz in allgemeinen Schulen. Die Option einer Förderschule bleibt jedoch immer bestehen. Demnach haben Schüler mit Behinderung die Möglichkeit mit Hilfe eines Sonderpädagogen eine allgemeine Schule zu besuchen und die Chance zu haben, zum Beispiel das Abitur zu absolvieren. Im Schuljahr 2015/ 16 lag der Inklusionsanteil bei 39,1 % in NRW. ( Quelle: Land NRW) Doch was bedeutet dies in der Praxis? Ist die Umsetzung im Schulsystem gelungen?

Erfahrungen aus der Praxis einer inklusiven Schule
In der Nähe von Köln besuchen zwei Jungen mit Förderbedarf die 9. Klasse eines Gymnasiums. Tim ist Autist und Alex ist querschnittsgelähmt (Namen geändert). Tim ist ein lustiger Junge, der immer sagt, was er denkt und gerne von seinem Hobby Klettern erzählt. Er ist sich seiner Krankheit bewusst und über die Bedeutung sowie Auswirkungen auf andere. Ein Sonderpädagoge unterstützt ihn in seinem Schulalltag und begleitet ihn während der Unterrichtsstunden. Während Klausuren hat er die Möglichkeit in einem separatem Zimmer mit mehr Zeit und Ruhe die Aufgaben zu lösen.

Alex sitzt im Rollstuhl, ist jedoch geistig gesund und erheitert die Mitschüler mit seiner Lebensfreude. Schreiben und Sprechen fällt ihm schwer, sodass auch er durch einen Betreuer unterstützt wird. Dieser meldet sich für Alex und hilft ihm mit der Armstütze fürs Schreiben. Die Schule gestaltet sein Kursprogramm nach behindertengerechten Räumen, die breitere Türen haben oder mit dem Aufzug zu erreichen sind. Beide Jungen sind froh eine allgemeine Schule zu besuchen und sich ohne Einschränkung weiterentwickeln zu können. Sie sehen ihre Mitschüler als Vorbilder und meistern Aufgaben, die ihnen nicht zugetraut wurden.

Pro und Contra – Auswirkungen auf die Schulqualität und Lehrpläne
Dennoch ist die Herausforderung Inklusion, die der Schule, den Schülern und den Sonderpädagogen gegenüber steht, nicht zu unterschätzen. Tim, bedingt durch den Autismus, stört oft die anderen Schüler im Unterricht. Durch die Rollstuhl Situation von Alex, gab es für die anderen Schüler der 9. Klasse aufgrund der Raumbeschaffenheit eine geringere Auswahl an Kursen. Auch bedeuten die beiden Jungs eine Herausforderung für die Lehrer. In viele Schulen zeigt sich die Situation, dass diese meist nicht geschult sind und oft kein Verständnis für die Unruhe, die ein Autist schafft, haben. Doch an dieser Schule arbeiten Lehrer und Sonderpädagogen Hand in Hand zusammen und tauschen Ihre Erfahrungen aus. Auf diese Weise werden Lernmöglichkeiten geschaffen, die auf jeden Schüler am besten passen und das volle Potenzial der Schüler ermöglichen.

Inklusiver Unterricht ist und bleibt eine Herausforderung. Die Schulbehörde und die Lehrer müssen gemeinsam mit den Sonderpädagogen ein Konzept erarbeiten. Auf diese Weise können einheitliche Ziele gesetzt, Lernmöglichkeiten geschaffen und die Schüler gefördert werden. Jedem Kind, ob mit oder ohne Behinderung muss gerecht werden. Dann zeigen Sie schnell Erfolge und wachsen über sich hinaus. Auch für die anderen Schüler muss klar werden, dass es nicht besonderes ist, wenn jemand Autist ist oder im Rollstuhl sitzt. Die Schüler lernen mit der Behinderung umzugehen und toleranter zu sein. Ein Gewinn für alle Seiten.


Wenn Ängste Lebensqualität einschränken

Angst? Nahezu jeder Mensch hat Ängste. Nicht immer sind sie für Andere nachvollziehbar. Betroffene stoßen teilweise auf Unverständnis oder werden gar ausgelacht. Einige Phobien sind weniger unnatürlich. Andere hingegen sind kaum zu glauben. Wenn Ängste Lebensqualität einschränken oder gar nehmen wird es extrem. Domian diskutierte in seiner Sendung (Februar 2013) mit Anrufern über Phobien.

Hier geht es zum YouTube-Kanal vom 1LIVE-Moderator & Kult-Talker Jürgen Domian.
Jürgen Domian auf twitter und facebook.

Hat die Sendung gefallen? Spannend ist auch die Sendung „Durch eigene Schuld behintert“ über die wir hier schon berichtet haben.


Mach doch was du willst. Tanz Zumba!

Audrey Nethery liegt es im Blut: Zumba tanzen. Lebenslustig tanzt das sechsjährige Energiebündel auf der Bühne der Internationalen Zumba Convention. Ja, ganz recht. Was jedoch locker und leicht aussieht kostet Audrey im Show-Auftakt der Convention viel Kraft. Audrey Nethery leidet an der ausgesprochen seltenen Krankheit Diamond-Blackfan-Anämie, einer schweren chronischen Blutarmut, die auf einer bisher nicht weiter geklärten Störung der Bildung der roten Blutzellen im Knochenmark beruht.

Die eigentliche Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt. Eine Heilung der gestörten Bildung der roten Blutzellen im Knochenmark kann in seltenen Fällen durch eine Knochenmark-/ Stammzelltransplantation erreicht werden. Diese Transplantationen sind nicht für alle Betroffene geeignet, da es zum einen sehr schwer ist einen geeigneten Spender zu finden und ferner häufige Transfusionen zu Organschäden führen können. In wenigen Fällen wurden bisher Spontanheilungen des Diamond-Blackfan-Syndroms beschrieben. Die Frage wie genau es dazu gekommen ist bleibt offen.

Ein Viertel der Diamond-Blackfan-Anämie Betroffenen haben noch weitere Fehlbildungen des Körpers, wie zum Beispiel einen Wasserkopf (Hydrocephalus) oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, eine Dreigliedrigkeit (Triphalangie) des Daumens oder multiplen Gelenkkontrakturen (lat. contrahere „zusammenziehen“). Durch die medikamentöse Behandlung als auch durch die Krankheit selbst kann es zu Minderwuchs, Schäden an den Organen Leber, Herz und Nieren kommen. Auch Hormondrüsen sind möglich. Seh- und Hörstörungen sowie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) stellen weitere mögliche Langzeitkomplikationen dar. Vielfach kommt es zu einer Verzögerung der Pubertät und der normalen Geschlechtsentwicklung. Für Diamond-Blackfan-Anämie Betroffene besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. All diese Risikofaktoren und denkbaren Komplikationen können eine eingeschränkte Lebenserwartung bedingen.

Zur Diamond-Blackfan-Anämie Selbsthilfegruppe e.V.


Toy Like Me

Kinder lieben Spielzeug. Doch nicht immer bieten gestaltente Spielzeug-Einheitsmodelle oder idealisiert ausgearbeitete Puppen à la Barbie und Co eine hohe Identifikation der kleinen Spielzeugbesitzer. Die Spielzeugwelt kennt kaum Behinderungen oder Erkrankungen.
Eine Gruppe von Eltern macht mit der Aktion „Toy Like Me“ auf dieses Problem-Thema aufmerksam. Kinder brauchen Identifikation. Authentische Vorbilder stärken den kleinen Nachwuchs. „Toy Like Me“ setzt sich für lebensechtes Spielzug ein. Mit Erfolg. Unter dem Hashtag #ToyLikeMe laufen immer wieder Postings in den sozialen Netzwerken, die ihre Anerkennung für die Puppen mit Behinderungen zum Ausdruck bringen. Das Thema verfolgen lohnt sich. Schon im letzten Jahr gab es Diskussionen um Spielzeug wie Barbie. Sie stehen in Kritik ein unerreichbares Idealbild zu verkörpern und somit für (manche) Kinder einen eher ungünstigen Einfluss zu haben.

Der britische Spielzeughersteller Makie bietet individuelle Puppen nach Maß direkt aus dem 3D-Drucker, konfigurierbar mit Behinderungen. Fortan gibt es Brillenträger-Puppen, am Stock gehende, mit Hörgeräten versehene Puppen. Auch vor Geburtsmal im Gesicht macht die Firma Makie keinen Halt. Für die Kleinen ist das mehr als riesig. Identifikation. Akzeptanz. Erleichterte Eltern. Welche Ideen die Spielzeugmacher sonst noch haben stellen sie auf ihrer offiziellen Makie Facebook-Seite zur Ansicht. Für die kleinen zukünftigen Spielzeug-Bespaßer ist das mehr als riesig. Ein solches induviduelles Spielzeug schafft Identifikation. Akzeptanz. Erleichterte Eltern. Es bietet mehr Raum zur freien Entfaltung der Kinder.

Die Gruppe „Toy Like Me“ appelliert an die großen Hersteller wie Lego und Playmobil (u.v.m), Spielzeuge auch lebensecht darzustellen und anzubieten. Für Kinder ist das in deren Entwicklung ein wichtiger Schritt.