Wohngemeinschaft für Behinderte

Ein Leben in einer Wohngemeinschaft – diesen Wunsch haben nicht nur viele Studenten, sondern auch Menschen mit Behinderung. Die Lebenssituation von Behinderten erfordert oft Rund-um-die-Uhr-Betreuung, sodass meist nur die Möglichkeit eines Pflegeheimes besteht. Mittlerweile gibt es jedoch viele Initiativen, die inklusive Wohngemeinschaften fördern und begleiten. Doch wie sehen die Rahmenbedingungen inklusiver Wohngruppen aus? In dieser Wohnform leben Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Die Bewohner erhalten die Möglichkeit eines Zusammenlebens und sind aufgefordert,  ihren Teil zur Wohngemeinschaft beizutragen. Ein Erfahrungsfeld entsteht und jeder lernt für seine persönliche Entwicklung. Sozialen Kompetenzen werden gefördert.

Das Konzept einer inklusiven WG
In der Hausgemeinschaft sollen maximal zehn Menschen wohnen, die gemeinsam entsprechend ihren Bedürfnissen und Ansprüchen gleichberechtigt ihr Zusammenleben organisieren und gestalten. Dabei ist vorausgesetzt, dass jeder einen verbindlichen Beitrag für die Hausgemeinschaft leistet. Niemand ist von den Pflichten befreit. Die Tagesablauf zeichnet sich durch entlohnte und unentlohnte Dienste aus. Die Entlohnten dienen den behinderten Bewohner. Sie werden durch eine persönliche Assistenz, hauptamtliche Kräfte oder den Bewohnern ohne Behinderung ausgeübt. Die Behinderten werden morgens geweckt, erhalten eine Nacht- sowie Wochenendwache und werden allgemein unterstützt. Die unentlohnten Diensten betreffen das Einkaufen, Kochen und Putzen für die Gemeinschaft. Diese werden vorher in Absprache mit allen Beteiligten verbindlich mittels eines Dienstplanes geplant. Die WG entscheidet gemeinsam.

Das Ziel ist, dass die Bewohner möglichst selbstbestimmt und selbstverantwortlich leben lernen. Ganz wie einer normalen Wohngruppe. Mittlerweile gibt es viele Projekte in denen sogar die Bewohner ohne Behinderung nur eine Warmmiete bezahlen müssen oder durch die entlohnten Dienste die Miete bezahlen. So kann zum Beispiel während des Studium viel Geld gespart und etwas gutes für Inklusion getan werden.

Es sollte mehr solcher Wohnformen bestehen. Menschen mit Behinderung sollte ein normaler Alltag ermöglicht werden und damit eine Alternative zum Pflegeheim sowie zum reinen betreuten Wohnen durch Eltern oder Fachkräfte. Aktion Mensch zeigt in ihren Projekten positive Erfahrungen. Natürlich steckt viel Arbeit und das Engagement eines Jeden in diesen, dennoch wird ein Mehrwert für alle Mitbewohner geschaffen – im Schwerpunkt die Selbstständigkeit und der soziale Austausch.


Tiergestützte Therapie

Assistenzhunde sind vielen Menschen bekannt, doch Hunde können weit aus mehr für Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten tun. In der tiergestützten Therapie finden die Vierbeiner beispielsweise Anwendung in den Bereichen Autismus und Schlaganfall. Im Städtischen Klinikum für Neurologie in München ist ein kleiner Dackel „Wastl“, der bei der Schlaganfallnachsorge assistiert. Er bewirkt, dass ein emotionaler Reiz entsteht, der zu einer verstärkten Hirnaktivität führt. Übungen zur Motorik oder Konzentration werden unterstützt. In der Praxis bedeutet dies, dass Patienten, die eine Raumhälfte nicht bewusst wahrnehmen, durch den Hund auf dieser Seite einen Reiz bekommen und darauf reagieren. Der Blick wandert dann automatisch zum Tier und die Seite wird aktiviert. Das besondere an Wastl ist nicht nur sein Feingefühl und seine Geduld für seine Patienten, sondern sein eigenes Handicap. Durch eine Bandscheiben-OP kann er seine Hinterbeine nicht mehr bewegen und hat einen Rollstuhl. Das hindert ihn jedoch nicht an seiner Arbeit und unterstützt das Team mit seinem Charme.


Der Schwerbehindertenausweis

In Deutschland hat jeder Zehnte eine schwere Behinderung. Bei einem Grad (GdB) von 50 gilt man als schwerbehindert und hat ein Anrecht auf den Schwerbehindertenausweis. Mit diesem gehen eine Vielzahl an Vorteilen, den sogenannten Nachteilsausgleichen einher. Doch wie beantragt man einen solchen Schwerbehindertenausweis und wie sehen die genauen Voraussetzungen aus?

Schwerbehindertenausweis beantragen
Der Ausweis wird bei der Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt beantragt. Im Bürgeramt werden die Kontaktdaten ausgegeben. Mithilfe eines entsprechenden Antragsformulares und Nachweises bezüglich des Grad der Behinderung, wird ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt. Dieser setzt sich aus einem oder mehreren Merkzeichen zusammen. Sind es mehrere, so müssen sie jeweils einen GdB von 10 betragen. Dann werden sie jedoch nicht addiert, sondern ihre Auswirkungen gegeneinander und untereinander bemessen. Das Antragsformular ist bei vielen Bundesländern auch online zu erhalten. Der Ausweis ist kostenlos und wird im Scheckkartenformat ausgegeben. Neben dem GdB, gibt der Ausweis Auskunft über die Art der Behinderung mittels Merkzeichen.

Merkzeichen

  • G: Beeinträchtigung der Bewegungsunfähigkeit
  • aG: Außergewöhnliche Gehbehinderung
  • H: Hilflosigkeit
  • Bl: Blindheit
  • TBl: Taubblindheit
  • B: Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson
  • EB: Entschädigungsberechtigt
  • VB: Versorgungsberechtigt

 

Der Schwerbehindertenausweis ist bis zu fünf Jahre gültig. In Ausnahmefälle wird keine Befristung festgelegt. Je nach Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustand wird der GdB und die jeweiligen Merkzeichen angepasst. Der Ausweis kann zweimal ohne Formalitäten verlängert werden, danach muss ein neues Gutachten eines Arztes erbracht werden. Der Ausweisinhaber sollte drei Monate vor Ablauf sich um die Verlängerung kümmern.

Nachteilsausgleiche bei Schwerbehinderung
Die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises liegt bei jedem selbst. Schwerbehinderte können frei entscheiden, ob sie einen Ausweis und damit Nachteilsausgleiche erhalten möchten. Sie beinhalten Vergünstigungen oder auch kostenfreie Leistungen in folgenden Bereiche:

  • Altersrente
  • besonderer Kündigungsschutz
  • Zusatzurlaub
  • Bausparverträge
  • Blindensendungen
  • Ermäßigungen
  • Kindergeld
  • Kriegsopferfürsorge
  • Rundfunk-Beitrag
  • Sozialhilfe
  • Studium
  • Telefon

 

Behindertenparkplätze dürfen nicht mit dem Schwerbehindertenausweis genutzt werden. Dafür muss ein extra Parkausweis beantragt werden. Auch muss ein spezielles Ticket für freie oder vergünstigte Fahrten mit Bus und Bahn bei der Kommunalverwaltung oder dem Versorgungsamt angefragt werden. Ermäßigungen in Freizeiteinrichtungen oder kulturellen Institutionen, liegen im Ermessen des Betreibers und sind gesetzlich nicht vorgeschrieben. Eine Vielzahl bietet dies jedoch für Schwerbehinderte an.
Bei der Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)  sind weitere Informationen über Anforderungen und Nachteilsausgleiche zu finden.


Aktionstag für Inklusion und Diversity

Copyright: para-normal-lifestyle Pawel Woszczak

Im vergangenen Monat fand ein Aktionstag des Netzwerks Inklusion Deutschland vor dem Brandenburger Tor in Berlin statt. Viele Künstler und Besucher waren vor Ort und setzen ein Zeichen für Inklusion im Herzen von Berlin – in der Mitte der Gesellschaft.
Die Veranstaltung schaffte einen guten Rahmen für die Präsentation des Buchprojektes „para-normal-lifestyle“. Es beschreibt eine andere Sicht auf Querschnittslähmung und zwar die aus der Perspektive der Betroffenen. Zwanzig Autoren erzählen ihre Geschichte als Experten in eigener Sache. Während die Gesellschaft viel über Barrierefreiheit und Inklusion diskutiert, wird dieses jedoch ohne die Stimmen von Menschen mit Behinderung getan. Das Buch klärt auf und zeigt die Erfahrungen der Autoren von Inklusion in ihrem Alltag.
Der Aktionstag wurden von einem musikalischen Highlight abgerundet. Dennis Zittlau, besser bekannt als Sittin Bull, ein toller Künstler, stellte seinen neuen Song „Du bist perfekt“ vor.
Das Event war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht und ein voller Erfolg!

Copyright: para-normal-lifestyle Pawel Woszczak


Das Projekt Grenzenlos

Copyright: Patrick Pasing

Jeder Mensch ist schön – dieses ist wohl vielen bewusst, doch das richtig leben, tun nur die wenigsten. Das Projekt Grenzenlos versucht das Bewusstsein der Gesellschaft auf den Kopf zu stellen. Die Perfektion, die jeder anstrebt, ist relativ – besonders auf Schönheit bezogen. Dies macht die Schönheit zu etwas Grenzenlosem und damit zu dem Herzensprojekt von Saskia Frietsch und Patrick Pasing (auf den beiden Fotos zu sehen).

Die Personen dahinter
Saskia und Patrick sind ein Paar, das im April 2016 beschlossen hat, dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Saskia selbst ist von Morbus Crohn, eine chronischen Darmerkrankung erkrankt und hat zuvor mittels ihres Blogs Liebesklang ihr Leben geteilt. Nun möchte sie als Betroffene anderen helfen. Nicht nur Menschen mit der gleichen Beschwerde, sondern allen, die unter einer Erkrankung, Behinderung oder einfach einem gezeichneten Körper leiden. Sie wünscht sich, dass jeder sich in seinem Körper wohlfühlt.

„Leben bedeutet sein:
Gut zu Leben bedeutet zu sein wer man ist.“

Saskia Frietsch

Auf ihrer Internetseite Projekt Grenzenlos zeigen sie mit kunstvollen Fotografien Geschichten von Betroffenen. Von Menschen, die mit Krankheiten und Behinderungen ihr Leben meistern. Darunter Sabrina, 18 Jahre alt mit einem Hypoplastischem-Linksherzsyndrom, Benni, 29 Jahre alt mit Darmkrebs und Ilka, 25 Jahre alt mit einer Gesichtsspaltung. Alle Beteiligten verfügen über Narben, sichtbare und unsichtbare „Makel“. Von der Gesellschaft werden diese als „nicht-normal“ bezeichnet. Doch was ist normal? – Viele Menschen haben eine Behinderung, eine Krankheit oder einen Unfall hinter sich, der Narben zurück gelassen hat. So normal wie das Leben eines „Normalos“ ist, so gewöhnlich ist auch das Leben dieser Menschen. Erwachsene, Jugendliche und Kinder dürfen nicht nur die Schönheitsideale in Film und Fernsehen wahrnehmen. Ein Wandel der Definition „Schönheit“ ist notwendig. Selbstliebe und die Liebe zum eigenen Körper – das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein eines Jeden, sondern auch das von Mitmenschen. Jeder kann sich in seiner Haut wohl fühlen, das Gefühl mit anderen Menschen teilen und sein Leben genießen.

Copyright: Patrick Pasing

Zukunftspläne
Aktuell planen Saskia und Patrick ihre Reichweite über die sozialen Medien hinaus zu vergrößern. Sie möchten so viele Menschen wie möglich miteinbeziehen. Das Ziel ist eine Tour durch den deutschsprachigen Raum. Dort möchten sie in verschiedenen Städten Shootings veranstalten und damit jedem ermöglichen, ein Teil des Herzensprojektes zu werden. Jeder mit einem Makel, von kleiner Narbe bis ausgeprägtem Handicap, ist willkommen.

Schauen Sie doch mal auf der Website vorbei und lassen sich von den Geschichten der Mitglieder des Projektes bewegen. Sie können selbst ein Teil werden, sei es als Fotograf/in, Visagist/in oder auch als Betroffene/r. Erzählen Sie ihre Geschichte, machen Sie bei einem Shooting mit und werden Sie ein Teil von #projektgrenzenlos
Über eine Spende freut sich das engagierte Team auch!


Crossfit im Rollstuhl

Copyright: Lara-Theresa Schlatt

Crossfit ist eine Trendsportart, die schon seit vielen Jahren Athleten aus der ganzen Welt begeistert. Es handelt sich um eine Kombination aus Leichtathletik, Gewichtheben und Turnen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Training von Koordination, Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft. Die Athleten werden durch die Verknüpfung verschiedener Übungen und hoher Wiederholungszahlen an ihre Grenzen gebracht. Diese Sportart scheint nur für die ganz Harten zu sein – so auch für Nawid Reinermann. Er ist begeisterter Crossfitter und gibt bei jedem Workout alles. Doch schaut man sich Nawid an, kommt man ins Stutzen. Die typischen Übungen wie Burpees, Boxsprünge oder Kniebeugen, die die Unterstützung der Beine erfordern, meistert er ohne. Denn Nawid sitzt im Rollstuhl. Das sehen sein Trainer und er jedoch nicht als Hindernis oder Handicap. Das Training wird angepasst und die Übungen skaliert.

„Es gibt immer einen Weg zum Erfolg.“

– so lautet sein Lebensmotto. Wir sind beeindruckt von seiner Leistung und seinem Willen. Crossfit, so hart und anstrengend wie es sein mag, ist doch für jeden geeignet!

 


Arbeiten mit Menschen mit Behinderung

Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung. Davon 4 Millionen im erwerbsfähigen Alter. Doch leider haben nicht alle einen Arbeitsplatz. Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung liegt bei ca. 15 % und ist damit fast doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Handicap. (Quelle: Aktion Mensch) Das Sozialgesetzbuch schreibt, abhängig von der Unternehmensgröße, einen gewissen Prozentsatz an Arbeitskräften mit Behinderung vor. Ist das Einstellen eines behinderten Menschen folglich nur eine Pflicht oder eine Art Sozialprojekt? Viele Unternehmen empfinden diese Kräfte nur als Einschränkung in ihrer Arbeit. Doch das ist der falsche Ansatz. Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung haben Stärken und Schwächen. Im besten Fall sollte der Arbeitgeber diese Teilhabe fördern, um ein Maximum an Produktivität und Loyalität für sein Unternehmen zu generieren.

Ein Projekt für Inklusion
Die Veranstaltungsreihe „Zero Projekt Unternehmensdialog“ engagiert sich in Österreich für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Sie informieren über:

  • Rahmenbedingungen
  • innovative Beispiele
  • Nutzen für Unternehmen
  • Erfahrungen von Unternehmer

 

Zero Projekt möchte zeigen, dass durch die Integration von Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt eine Win-Win-Situation für die Gesellschaft, das Unternehmen und den Einzelnen entsteht sowie langfristig ein Mehrwert auf allen Ebenen geschaffen wird.

Erfolgsfaktor Behinderung
Eine Behinderung bedeutet für den Menschen eine Einschränkung, die jedoch umgangen werden kann. Viele entwickeln besondere Fähigkeiten oder versuchen ihre Stärken zu verbessern. Ein Beispiel dafür sind gehörlose Menschen. Sie können in einem hektischen Umfeld konzentrierter arbeiten und haben eine hohe Produktivität. Autisten sind besonders strukturiert und besitzen exzellentes analytisches Denkvermögen. Auch besitzen sie eine hohe Toleranz gegenüber Routinetätigkeiten. Bei Menschen mit einer Sehbehinderung ist der Tastsinn besonders ausgeprägt. Das kann in vielen Berufen sehr nützlich sein.

Solche Stärken sollten genau wie bei jedem anderen Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. Eine Behinderung bedeutet nicht automatische eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Behinderte attestieren eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Arbeitsleistung und sind meist eine kaum beachtetet Ressource. Wird offen darüber auf der Arbeit kommuniziert, können Stereotypen oder auftretende Probleme abgebaut werden. Die Kollegen können sich besser aufeinander einstellen und produktiver am Arbeitsplatz miteinander arbeiten. Sie stellen keine Frage wie: „Warum kommt er nie mit in die Kantine, warum hat sie Probleme mit großen Menschenmengen, warum macht er seine Aufgaben schneller und gründlicher, warum braucht sie mehr Struktur?“ Die Verhaltensweisen werden kennen gelernt sowie verstanden. Die Beteiligten müssen nicht versuchen sich zu verstellen, sodass die Authentizität erhalten bleibt und das Gemeinschaftsgefühl verbessert wird. Die daraus resultierende Motivation schafft eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit und damit langfristig eine geringere Fluktuation. Ein Mehrwert auf allen Ebenen.

Win-Win-Situation
Menschen mit Behinderung sind eine Bereicherung für alle Parteien in verschiedensten Berufen. Sie sind besondere Talente, die als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden können. Zu Beginn der Beschäftigung sollte abgeklärt werden, worauf geachtet werden muss, was erwartet werden kann und was nicht. Die Arbeitsförderung sollte durchdacht werden. Job Coaches sind oft einen gute Möglichkeit um dafür Unterstützung zu erhalten. Durch Aufklärung und Umdenken können Barrieren gemindert und Stärken eines jeden gefördert werden. Das Potenzial von Arbeitskräften darf niemals verschwendet werden – weg von der Behinderung, hin zu Fähigkeiten, Talenten und Inklusion.


Ein besonderer Künstler

Straßenkünstler, die Zauberer, die Straßen verschönern und zum Nachdenken anregen. So auch der Künstler Mr. White – ein Mann, der als Kind eine Verletzung des Rückenmarkes erlitt und seitdem im Rollstuhl sitzt. Er lebt in New York City und nutzt Gebäude und Wände als seine Leinwand. Spraydosen, Schablonen, Kleister und Poster sind seine Werkzeuge. Mit ihnen kreiert er Kunstwerke, in denen er die Kunst alter Maler wie zum Beispiel Van Gogh mit seiner eigenen verbindet und neues schafft. Als er nach New York kam und seine Bilder Galerien zeigte, erhielt er nur Ablehnung. Nun sind die Straßen seine Galerie. Dort bekommt er die verdiente Anerkennung. Die Kunst ist für jedermann und zeigt aktuelle Themen und Diskussionen. Schauen Sie doch mal auf sein Instagram Profil und lassen sich faszinieren: B.D. White


Therapeutisches Reiten

„Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende“   Paul Moor

Therapeutisches Reiten – viel mehr, als nur auf einem Pferd sitzen… Diese Form der Behandlung umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die mittels eines Pferdes umgesetzt werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen lernen dem Pferd als Partner zu vertrauen und mit ihm zu arbeiten. Die Pferde, die sanften Riesen vermitteln dabei Ruhe und Zufriedenheit. Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThr) ist ein Fachverband, der bundesweit in den Bereichen Hippotherapie, Heilpädagogische Förderung, Ergotherapeutische Behandlung und Reiten für Menschen mit Behinderungen agiert. Doch was genau machen die einzelnen Bereiche und welche Auswirkungen haben sie?

Hippotherapie 
Die Hippotherapie wird auf neurophysiologischer Grundlage verstanden und beinhaltet die Arbeit mit dem Pferd bei der Physiotherapie sowie Ergotherapie. Der Patient mit neurologischen Symptomen sitzt dabei auf dem Pferderücken und reagiert auf die Bewegungsimpulse der Gangarten. Das Becken und die Wirbelsäule des Menschen bewegen sich und der gesamte Bewegungsapparat pendelt sich neu ein. Spastische, stark angespannte Muskeln entspannen sich und schlaffe spannen sich an. Das Gefühl für die eigene Körpermitte wird gefördert. Schon in der Antike wurde diese Behandlung verwendet. Heutzutage ist die Hippotherapie eine verordnete Fachbehandlung, die von Physiotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt wird.

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd
Die Heilpädagogische Förderung ist der Hippotherapie sehr ähnlich, jedoch liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der geistigen und sozialen Entwicklung. Sie ist in der Pädagogik, der Psychologie sowie bestimmten Bereichen der Psychiatrie verbreitet. Präventiv wird sie zusätzlich zur motorischen und pädagogischen Förderung von Kindern an Kindergärten und Schulen eingesetzt. Ein Pädagoge oder Psychologe mit entsprechender Zusatzausbildung führt diese Behandlung durch.

Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd
-durchgeführt von speziell ausgebildeten Ergotherapeuten
Die Ergotherapie mit dem Pferd zielt darauf ab Menschen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu unterstützen. Durch neurophysiologische, wahrnehmungsorientierte und psychomotorische Behandlungskonzepte sollen sie handlungsfähig werden, an der Gesellschaft teilhaben und seine Lebensqualität damit verbessern. Durch die Bewegung, die Beziehung und die unmittelbaren Erfahrungen mit dem Pferd werden die Behandlungsmethoden der klassischen Ergotherapie erweitert.

„Auf dem Pferd hat jeder Mensch vier gesunde Beine.“   Gottfried von Dietze

Reitsport für Menschen mit Behinderungen
Für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung stellt das Reiten oder Voltigieren eine unglaubliche Freiheit dar. Es ist ein sportliches Lern- und Übungsfeld, das neben dem Knüpfen von sozialen Kontakten auch behinderungsbedingten Bewegungseinschränkungen entgegen wirkt. Diese Behandlung ist mehr als Freizeitgestaltung zu sehen und ergänzt als paralleler Ansatz die oben genannten Fachbereiche. Der Reitsport ist eine Sportart, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammen ausüben können und näher bringt.

Checkliste der Auswirkungen der einzelnen Behandlungsbereiche
Im Folgenden sind die Auswirkungen auf die emotionalen, sozialen, motorischen und sensorischen Bereiche, die durch das therapeutische Reiten erreicht werden sollen. Menschen jeden Alters werden unterstützt und können sich weiterentwickeln. (Quelle: Therapeutisches Reiten Mönchengladbach)


Emotional / kognitiver Bereich

  • Abbau von Ängsten und Aggressionen
  • Einlassen auf Nähe
  • Ich-Stärkung
  • Förderung von innerer Ruhe und Entspannung
  • Stärkung von Mut und Selbstvertrauen
  • Verbesserung der Frustrationstoleranz und Ausdauer
  • Verbesserung der Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Förderung der Vorstellungsfähigkeit und Sprachentwicklung

 

Sozialer Bereich

  • Kontaktbereitschaft, Kooperation und Respekt gegenüber anderen
  • Verbale und nonverbale Kommunikation
  • Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme
  • Strukturen und Grenzen erkennen und einhalten
  • Vertrauen aufbauen und verantwortlich handeln
  • Tierliebe
  • Aufbau von Beziehungen zum Pferd und zu Menschen

 

Motorischer Bereich

  • Verbesserung der körperlichen Stärke und Ausdauer
  • Abbau von Spannungen
  • Förderung der Grob- und Feinmotorik
  • Verbesserung des körperlichen Gleichgewichts
  • Verbesserung der Körperkoordination

 

Sensorischer Bereich

  • Stärkung der Eigenwahrnehmung
  • Verbesserung des Gleichgewichts
  • Berührungsreize
  • Bessere Verarbeitung der Wahrnehmung im visuellen und auditiven Bereich

Barrieren im Kopf

Die Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ist manchmal schwieriger, als man denkt. Darf man jemanden mit Blindenstock helfen, darf man die Behinderung direkt ansprechen oder darf man zu einem Rollstuhlfahrer sagen: „Komm, lass uns losgehen?“ So einfache Dinge können den Alltag beschweren, sind aber nicht weiter tragisch. Im Folgenden ist ein kleiner Knigge mit zehn Hinweisen, die den Umgang mit Menschen mit und ohne Handicap unterstützt:

  1. Small Talk: Keine plumpe Neugier – keine direkten Fragen zur Behinderung
  2. Alltag: Unterstützung anbieten – erst helfen, wenn man aufgefordert wird
  3. Anrede: Reden Sie mit dem Menschen – nicht mit der Begleitperson sprechen
  4. Respekt: Beachten Sie die Distanzzonen – Eigentum und Hilfsmittel nicht anfassen
  5. Normalität: Keine Angst vor Redewendungen – gängige Formulierungen sind ok!
  6. Sorgfalt: Vorsicht vor Diskriminierung – statt „Behinderte“ besser „Menschen mit Behindeurng“
  7. Ansehen: Suchen Sie Blickkontakt – Menschen aktiv ansehen
  8. Beachtung: Der Dolmetscher hat die Nebenrolle – Gesprächspartner ansehen
  9. Information: Kommunizieren Sie besser zu viel, als zu wenig – bei der Begrüßung etc.
  10. Bewusstsein: Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen – den Menschen kennenlernen