Therapeutisches Reiten

„Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende“   Paul Moor

Therapeutisches Reiten – viel mehr, als nur auf einem Pferd sitzen… Diese Form der Behandlung umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die mittels eines Pferdes umgesetzt werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen lernen dem Pferd als Partner zu vertrauen und mit ihm zu arbeiten. Die Pferde, die sanften Riesen vermitteln dabei Ruhe und Zufriedenheit. Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThr) ist ein Fachverband, der bundesweit in den Bereichen Hippotherapie, Heilpädagogische Förderung, Ergotherapeutische Behandlung und Reiten für Menschen mit Behinderungen agiert. Doch was genau machen die einzelnen Bereiche und welche Auswirkungen haben sie?

Hippotherapie 
Die Hippotherapie wird auf neurophysiologischer Grundlage verstanden und beinhaltet die Arbeit mit dem Pferd bei der Physiotherapie sowie Ergotherapie. Der Patient mit neurologischen Symptomen sitzt dabei auf dem Pferderücken und reagiert auf die Bewegungsimpulse der Gangarten. Das Becken und die Wirbelsäule des Menschen bewegen sich und der gesamte Bewegungsapparat pendelt sich neu ein. Spastische, stark angespannte Muskeln entspannen sich und schlaffe spannen sich an. Das Gefühl für die eigene Körpermitte wird gefördert. Schon in der Antike wurde diese Behandlung verwendet. Heutzutage ist die Hippotherapie eine verordnete Fachbehandlung, die von Physiotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt wird.

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd
Die Heilpädagogische Förderung ist der Hippotherapie sehr ähnlich, jedoch liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der geistigen und sozialen Entwicklung. Sie ist in der Pädagogik, der Psychologie sowie bestimmten Bereichen der Psychiatrie verbreitet. Präventiv wird sie zusätzlich zur motorischen und pädagogischen Förderung von Kindern an Kindergärten und Schulen eingesetzt. Ein Pädagoge oder Psychologe mit entsprechender Zusatzausbildung führt diese Behandlung durch.

Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd
-durchgeführt von speziell ausgebildeten Ergotherapeuten
Die Ergotherapie mit dem Pferd zielt darauf ab Menschen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu unterstützen. Durch neurophysiologische, wahrnehmungsorientierte und psychomotorische Behandlungskonzepte sollen sie handlungsfähig werden, an der Gesellschaft teilhaben und seine Lebensqualität damit verbessern. Durch die Bewegung, die Beziehung und die unmittelbaren Erfahrungen mit dem Pferd werden die Behandlungsmethoden der klassischen Ergotherapie erweitert.

„Auf dem Pferd hat jeder Mensch vier gesunde Beine.“   Gottfried von Dietze

Reitsport für Menschen mit Behinderungen
Für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung stellt das Reiten oder Voltigieren eine unglaubliche Freiheit dar. Es ist ein sportliches Lern- und Übungsfeld, das neben dem Knüpfen von sozialen Kontakten auch behinderungsbedingten Bewegungseinschränkungen entgegen wirkt. Diese Behandlung ist mehr als Freizeitgestaltung zu sehen und ergänzt als paralleler Ansatz die oben genannten Fachbereiche. Der Reitsport ist eine Sportart, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammen ausüben können und näher bringt.

Checkliste der Auswirkungen der einzelnen Behandlungsbereiche
Im Folgenden sind die Auswirkungen auf die emotionalen, sozialen, motorischen und sensorischen Bereiche, die durch das therapeutische Reiten erreicht werden sollen. Menschen jeden Alters werden unterstützt und können sich weiterentwickeln. (Quelle: Therapeutisches Reiten Mönchengladbach)


Emotional / kognitiver Bereich

  • Abbau von Ängsten und Aggressionen
  • Einlassen auf Nähe
  • Ich-Stärkung
  • Förderung von innerer Ruhe und Entspannung
  • Stärkung von Mut und Selbstvertrauen
  • Verbesserung der Frustrationstoleranz und Ausdauer
  • Verbesserung der Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Förderung der Vorstellungsfähigkeit und Sprachentwicklung

 

Sozialer Bereich

  • Kontaktbereitschaft, Kooperation und Respekt gegenüber anderen
  • Verbale und nonverbale Kommunikation
  • Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme
  • Strukturen und Grenzen erkennen und einhalten
  • Vertrauen aufbauen und verantwortlich handeln
  • Tierliebe
  • Aufbau von Beziehungen zum Pferd und zu Menschen

 

Motorischer Bereich

  • Verbesserung der körperlichen Stärke und Ausdauer
  • Abbau von Spannungen
  • Förderung der Grob- und Feinmotorik
  • Verbesserung des körperlichen Gleichgewichts
  • Verbesserung der Körperkoordination

 

Sensorischer Bereich

  • Stärkung der Eigenwahrnehmung
  • Verbesserung des Gleichgewichts
  • Berührungsreize
  • Bessere Verarbeitung der Wahrnehmung im visuellen und auditiven Bereich

Kategorie: Allgemein

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