Barrierefreiheit in einer Arztpraxis

Ein Alltag ohne Barrieren – ist das möglich? An vielen Stellen stößt man auf Hindernissen, die für Menschen mit einer Behinderung nur schwer zu überwinden sind. Besonders Arztpraxen mangelt es oft an der benötigten Barrierefreiheit. Rollstuhlfahrer können aufgrund einer zu engen Türbreite oder Stufe die Praxisräume nicht erreichen oder ein hörbehinderter Mensch hat Probleme, einen Termin mittels der klassischen Telefonhotline zu vereinbaren. Viele Praxen stammen aus den 50er-Jahren, sind in oberen Stockwerken, eng gebaut und können nur schwer Barrieren abbauen. Besser sind Arztpraxen in Neubauten, doch der Teufel steckt im Detail. Meist sind es Kleinigkeiten, die jedoch die Betroffenen vor einer großen Herausforderung stellen. Im Jahr 2015 wurden in Nordrhein-Westfalen rund 20% der 30.000 Arztpraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als barrierearm eingestuft. Reicht dieser Anteil, reicht „barrierearm“ und was bedeutet Barrierefreiheit bei der Praxisplanung?

Barrierefreiheit
Die Barrierefreiheit bedeutet, dass eine Einrichtung baulich und organisatorisch gut nutzbar für alle Menschen ist. Zusätzliche Hilfe für Menschen mit Behinderungen oder sonstigen Einschränkungen ist nicht notwendig. Die UN- Behindertenrechtskonvention und das Behindertengleichstellungsgesetz haben festgelegt, dass jegliche Barrieren beseitigt werden müssen.

Was sind Barrieren
Barrieren können für Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör- und kognitiven Einschränkungen bestehen. Diese sind in der Umgebung und Außenanlage sowie in den Praxisräumen, wie dem Empfangsbereich, den Toiletten, dem Wartezimmer und dem Behandlungszimmer zu finden. Im Detail:

  • unzureichende Parkplätze, Stufen, Treppen, Türbreiten, Umkleiden
  • höhenverstellbare/flexible Untersuchungsmöbel
  • keine visuellen, taktilen und akustischen Informationen zur Orientierung
  • Platz für einen Blindenführhund
  • Anmeldung nicht per E-Mail oder SMS möglich
  • keine induktive Höranlage
  • keine Information zu Gebärdenksprachdolmetschern und anderen Kommunikationshilfen
  • keine einfache Sprache, Geduld, Toleranz


Zu sehen ist, dass nicht nur baulich Anpassungen auf den Bewegungsflächen stattfinden müssen. Dem Personal der Arztpraxis muss der geeignete Umgang und die Kommunikation mit Menschen mit Handicap geschult werden. Dieses erfordert Zeit, die in viele Praxen nicht vorhanden ist. Zusätzlichen brauchen  Menschen mit Handicap aufwendige Behandlungsmethoden, die entsprechend kosten und nur selten von Krankenkassen abgedeckt werden. Auf diese Weise wird aus dem Problem der Barrierefreiheit auch ein Problem der Wirtschaftlichkeit. Dort müssen Politik, die Kassenärztliche Bundsvereinigung (KBV) , die Ärzteschaft sowie die Fördergemeinschaft miteinander kooperieren, sich austauschen und neue Lösungswege schaffen.

Zukunftsausblick
Barrierefreiheit muss gegeben sein und muss in der Praxisplanung integriert werden. Sind die aktuellen Bedingungen schwer veränderbar, müssen Alternativen geschaffen werden. Mit vielen kleinen Engagements und einem motiviertem Personal lässt sich eine Praxis anpassen und barrierearm gestalten. Daher auch der Begriff zu Beginn dieses Beitrages. Oftmals bestehen nur bedingt Möglichkeiten und eine ganzheitliche barrierefreie Praxis kann nicht gewährleistet werden. Dennoch sind barrierefreie Praxisräume Voraussetzung für die Zukunft. Nur so kann der wachsenden Anzahl der Patienten mit Einschränkungen bedingt durch den demografischen Wandel gerecht werden. In der Ausarbeitung der Kassenärztlichen Vereinigung findet man diverse Checklisten, die zur einer barrierefreien Arztpraxis beitragen:  Die barrierefreie Arztpraxis

Kategorie: Allgemein

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