Der Blindenhund – Der Partner mit der kalten Schnauze

Freies und unabhängiges Fortbewegen ist eine Selbstverständlichkeit für Menschen mit vollem Sehvermögen. Doch was können Sehbehinderte tun, um dieses Privileg zu erlangen? Neben einem weißen Blindenstock oder elektronischen Hilfen, wie ein Ultraschallsystem, kann ein Blindenführhund die ideale Lösung sein. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. veröffentlichte eine informative Broschüre (Quelle: DBSV) über die Eigenschaften, die Ausbildung und die Vorteile eines Blindenführhundes.

Blindenführhund
Blindenführhunde werden sachlich Mobilitätshilfen genannt. Sie sind gut erzogene und ausgebildete Hunde, die Menschen auf ihren täglichen Wegen das Augenlicht ergänzen. Vom Wesen her müssen sie einwandfrei, loyal, nicht aggressiv oder ängstlich sein. Auch ein Jagdverhalten darf nicht vorhanden sein. Meist dienen die Rassen Labrador, Golden Retriever oder Großpudel dafür. Durch die spezielle Führhundeausbildung erlernen sie Hindernissen aus dem Weg zu gehen, bestimmte Ziele aufzusuchen oder Schalter, Treppen oder Aufzüge anzuzeigen. Blindenhunde erbringen Höchstleistungen, die kaum vorzustellen sind und bedürfen einer ganzheitlichen sowie strengen Ausbildung.

Die Ausbildung eines Blindenhundes
Üblicherweise findet die Ausbildung schon im Welpenalter an. Im Alter von drei Monaten werden die Welpen genau nach Richtlinien ausgewählt und ihr Wesen eingehend geprüft. Danach werden sie in „Patenfamilien“ gegeben, die bis zum ersten Lebensjahr die Hunde betreuen und ihnen so viel wie möglich zeigen. Sozialisierung steht dabei an erster Stelle. Danach kommen sie in eine Blindenführhundschule und werden dort rund 8 Monate auf ihren Job vorbereitet und abschließend geprüft. Während der Prüfung werden folgende Dinge getestet:

  • sichere Führung im Straßenverkehr
  • Beobachtung der Verkehrssituation durch Hund und Halter sowie adäquate Gebung von Warnhinweisen durch den Hund
  • Warnung vor oder Umgehung von Hindernissen, die zwar für den Hund ungefährlich, für den Halter aber verletzungsgefährdend sind
  • adäquate Reaktion des Halters auf Warnhinweise des Führhundes

Nach einer Ein- und Zusammenschulung mit dem zukünftigen Halter, werden die geprüften Blindenhunde in ihr neues Leben gelassen.

Was ein Blindenhund konkret leistet
Sobald der Hund sein Führgeschirr angezogen bekommt, bedeutet dies höchster Gehorsam und höchste Konzentration. Einer der Grundbausteine der Aufgaben des Blindenhundes ist das geradlinige Gehen. Sobald ein Ziel vorgegeben ist, wird der Hund geradlinig dieses anpeilen und nicht vom Weg abkommen. Das sorgt für eine optimale Orientierung des Sehbehinderten. Andere Mobilitätshilfen können dies nicht garantieren, da sie nur Hinderniserkenner sind. Jeder, der die Eigenarten eines Hundes kennt, weiß jedoch auch, was diese Aufgabe für den Hund bedeutet und welche Konzentration gefordert wird – aufrecht mit hoher Nase und nur geradeaus zu gehen. Meist sitzen sie mit der Nase nur kurz über dem Boden und lassen sich von interessanten Gerüchen treiben. Doch, wenn sie das Führgeschirr an haben, sind sie 100% konzentriert auf ihre Arbeit.
Neben dem Ausweichen von Gegenständen, muss der Führhund darauf achten, dass sein Halter nicht gegen Hindernisse stößt, die für ihn selbst keine darstellen. Durch sein Sehvermögen erfasst er Gefahren auf Kopf, Brust oder Bauchhöhe des Halters aus der Ferne und umgeht diese. Dabei vergisst der Hund jedoch nie das Ziel. Das Überqueren einer Fahrbahn erfordert das Zusammenspiel von Blindenführhund und Halter. Auto und Fahrräder lernt der Führhund als Gefahr einzustufen. Er bleibt stehen oder fordert seinen Halter mithilfe des Führgeschirrs zurück, wenn diese zu nah kommen. Dennoch ist bei einer solchen Situation das Gehör des gesamten Gespanns gefordert, denn der Hund kann zum Beispiel das Leuchtzeichen einer Ampel bedingt durch sein eingeschränktes Farbsehen nicht erkennen.

Kommunikation zwischen Halter und Führhund
Doch wie sieht die Kommunikation zwischen dem Gespann aus? Befehle des Grundausbildung führt der Hund ohne Probleme aus. Zusätzlich hört er auf „voran“, „rechts“ oder „links“. Eine Besonderheit sind die sogenannten Hörzeichen. Durch diese können bestimmte Ziele aufgesucht werden. Ein Blindenhund kann bis zu 75 solcher Hörzeichen lernen. Diese werden bewusst eingesetzt und können „Post“, „Bahnhof“, „Zu Hause“ oder „Supermarkt“ lauten. Aber sie können den Blindenhund auch dazu auffordern, den nächsten Zebrastreifen oder die nächste Bushaltestelle aufzusuchen. Der Hund hat ein sehr gutes Ortsgedächtnis und kann sich solche Ziele leicht merken und sie über Jahre hinweg abrufen.

Blindenhunde ermöglichen eine enorme Steigerung der Lebensqualität von behinderten und sehbehinderten Menschen. Jeder sollte die Chance auf einen derart treuen und verlässlichen Partner haben. Der Verein „Deutsche Blindenführhunde e.V.“ versucht durch sein Engagement die Lebensqualität, aber auch die Qualität der Blindenführhundausbildung stetig zu fördern. Nicht nur wird eine neue aktive Mobilitätshilfe ermöglicht, sondern auch den Menschen mit Handicap mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein geschenkt – alles dank einer kalten Schnauze.

Kategorie: Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.