Schwerbehinderte Arbeitnehmer fallen gnadenlos in den Pool der Jobcenter

Vor Einführung der Jobcenter ehemals ARGE wurden im Sozialamt behinderte Rentner und behinderte Arbeitnehmer, die den eigenen Lebensunterhalt nicht selbst durch ihr Einkommen abdecken konnten, von einer Abteilung bearbeitet.

Mit dem Hartz-Konzept wurde in der vierten Stufe das Sozialamt zum Amt für soziale Integration, übernahm unter anderem als Kostenträger die Rentner mit Behinderung aus dem Bereich der Sozialhilfe und die berufstätigen Behinderten wurden dem Jobcenter zugeordnet.

Der Bezug von so genanntem Hartz IV bzw. ALG II sollte für den Empfänger, vom Konzept her, kein Dauerzustand sein. Die arbeitslosen Bürger sollten unter strengen Auflagen der Mitwirkungspflicht schnellstmöglich wieder dem Arbeitsmarkt zugeführt werden. Wie auch unsere Kanzlerin unlängst untermauerte.

Ich bin mittlerweile 20 Jahre im Kreise der arbeitenden Behinderten (Hohe Querschnittlähmung durch Autounfall) und ich sehe mich auch nicht als arbeitssuchend, denn ich habe das mir mögliche Potential an Arbeitskraft, welches durch meine Behinderung sehr eingeschränkt ist, ausgeschöpft und muss somit nicht mehr vermittelt werden. Ich arbeite qualifiziert und hätte ich die Möglichkeit diesen Job in Vollzeit auszuüben ließe sich davon sogar gut Leben.

Da mir dies nicht möglich ist, bleibt nur alle halbe Jahr der Antrag auf ALG II, wenn das Schreiben mit dem Vermerk „Ablauf Ihres Bewilligungzeitraums“ kommt. Meist so um die 10 Seiten, mit den Anlagen kommt man dann schnell auf 20 oder mehr und dann natürlich noch die Kontoauszüge für den geforderten Zeitraum hinzufügen.

Was mir durch meine Arbeit bleibt, ist eigentlich nur der anerkannte Mehrbedarf. Jede andere Zuwendung wie zum Beispiel Weihnachtsgeld werden nach Auszahlung in monatlichen Raten eingefordert. Was natürlich auch drückt sind Miete, gerade Heizkosten. Günstige behindertengerechte Wohnungen sind rar. Obwohl bei Menschen mit Behinderungen hier höhere Kosten berücksichtigt werden, fressen diese jeden Überschuß auf und bei jeder Erhöhung muss man mit einem Miethöchstverfahren rechnen und man fragt sich, wie lange darf ich in meinem heimischen Umfeld noch wohnen?

Zu dem hat man auch alle paar Jahre eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben, mit dem Ziel der Beendigung der Hilfebedürftigkeit. Mit Auflagen wie ständiger Erreichbarkeit, wie täglicher Sichtung meines Briefkastens. Ich bin verpflichtet, Krankheiten oder Ortsabwesenheit anzuzeigen und und und ………….

Mit welcher Motivation soll man da noch Arbeiten gehen? Es reicht nicht zum Leben und dadurch werde ich wohl bis zu meinem Rentendasein als Dauergast im Jobcenter bleiben, mit all seinen Auflagen und nie über den Tellerrand springen.

Jobcenter stehen in der Führung des Bundes und die jeweiligen Länder haben keinen Einfluss darauf, deswegen ist meines Erachtens der Ansprechpartner in dieser Sache der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Diesen habe ich zu dem Thema in den letzten Jahren mehrfach angeschrieben und zu meiner Enttäuschung bisher keine qualifizierte Resonanz erhalten.

Ich fühle mich dort völlig deplaziert!!!!!!

Ein Kommentar zu Schwerbehinderte Arbeitnehmer fallen gnadenlos in den Pool der Jobcenter

  1. Roger

    Hallo Marcus
    ich habe gerade deinen Artikel gelesen.
    Nach der Lektüre ist man wütende und merkt, wie man wieder mal Leute vor die Wand fahren läßt. Am meisten an der ganzen Sache stört mich noch die Nicht-Reaktion des Beauftragten für die Belange Behinderter Menschen. Die Typen vom Jobcenter können sich noch mit der allgemeinen Gleichgültigkeit ‚rausreden. Aber der oder die hat einen Auftrag und erfüllt ihn nicht. Ätzend.
    Es gibt aber auch positive Erlebnisse. Meine Tochter wurde von einem Mitarbeiter des Jobcenters regelrecht unter die Fittiche genommen und hat jetzt einen Job bekommen, den sie erstens ausüben kann und zweitens gern ausübt. Vor diesem positiven Beispiel gab es allerdings einige Zeit mit Leuten, die den üblichen Dienst nach Vorschrift machten. Nutzlose Bewerbungen auf Arbeitsplätze, die meine Tochter von ihren Möglichkeiten her nicht hätte ausüben können, oder bei denen von vornherein klar war, daß der Arbeitgeber keine Behinderte einstellen würde.
    Aber wie gesagt, jetzt hat sie einen Arbeitsplatz aufgrund eines engagierten Menschen bekommen. „Und sie bewegt sich doch!“ (Leonardo DaVinci)

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