Promis sagen… Mirjam Heimann

Mirjam HeimannIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Auf unsere Fragen geantwortet hat uns diesmal Mirjam Heimann, bekannt aus der Sat.1-Telenovela „Eine wie keine“. Sie spielte dort die Rolle der Lindi Kurowski.

Hier der Beitrag von Mirjam Heimann:

Meine Schwester arbeitet als Sonderpädagogin an einer Schule für Lernbehinderte und engagierte sich lange Zeit für den CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde) in Soest. Durch sie bin ich erst mit Menschen mit Behinderung in Kontakt gekommen. Behinderte Menschen kamen bis zu dieser Zeit nicht in meinem Leben vor. Der CBF war für mich damals eine einzigartige Möglichkeit, geistig und körperlich behinderte Menschen kennenzulernen und gemeinsam Zeit zu verbringen,  etwa mit Singen, Basteln oder auch mit dem Inszenieren kleiner Theaterstücke. Ich habe viele tolle und interessante, lustige und einfühlsame Männer und Frauen getroffen, die mich sehr warmherzig in ihren Club/Kreis aufgenommen haben. Diese Freundlichkeit hat mich tief beeindruckt.

An der Grimmeschule für Kinder mit Lernbehinderung spielen mein Mann und ich hin und wieder Märchen nach, führen Clownsnummern auf oder erzählen Geschichten. Das macht uns sehr viel Freude und den Kids hoffentlich auch…
Ich finde es sehr bedauerlich, dass Förderschulen oder Wohnheime für Menschen mit Behinderung in vielen deutschen Städten in Außenbezirke oder an den Stadtrand ausgelagert werden.

Vor allem geistig behinderte Menschen werden vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Nur sehr selten trifft man sie auf Stadtfesten, fast nie in Kneipen oder Diskotheken. Daher bleiben sie für viele Menschen ohne Behinderung etwas Fremdes, und Berührungsängste entstehen.

Es gibt zu wenig integrative Projekte und Begegnungsstätten, bei denen Jugendliche mit und ohne Behinderungen zusammenkommen können. Ich bin sehr dankbar für meine Erlebnisse und Erinnerungen beim CBF.

In meinem Beruf als Schauspielerin begegne ich sehr selten Menschen mit Behinderung. Das gilt für die Arbeit für Film und Fernsehen und das Theater gleichermaßen. Das liegt sicher an einer gewissen Oberflächlichkeit die das Geschäft mit sich bringt, aber auch an der mangelnden Akzeptanz. Wenn Menschen mit Behinderungen im Theater oder Fernsehen eine Rolle spielen, dann leider fast nur, wenn sie auch bereit sind ihre Behinderung auszustellen. Das Angebot der Rolle erfolgt sehr selten aufgrund der schauspielerischen Fähigkeiten, sondern weil sie eine Einschränkung haben, um die es der jeweiligen Geschichte geht. Das kann manchmal groteske Züge annehmen, wenn ein Jobangebot für einen einarmigen schwarzen Mann aushängt (was mir schon einmal am Theater begegnet ist).

Die 4hc-Webseite scheint sehr informativ zu sein. Ich hoffe, dass das Kernanliegen, der Austausch untereinander, gut funktioniert und rege genutzt wird.

Ich hoffe, dass Ihnen allen viel Glück begegnet, Ihnen der Alltag nicht zu sehr erschwert wird und Sie mit Ihren Lieben eine gute Zeit verbringen. Denn genau das wünsche ich mir auch.

Mit freundlichen Grüßen

Mirjam Heimann

www.mirjamheimann.de

Ich bedanke mich herzlich bei Mirjam Heimann für ihren für 4hc verfassten Beitrag.

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