Promis sagen… Cosima Viola

Cosima ViolaIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen eigenen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen verfasst hat diesmal Cosima Viola, bekannt als langjährige Darstellerin aus der ARD-Fernsehserie „Lindenstraße“, wo sie die Jaqueline „Jack“ Aichinger spielt.

Hier der Beitrag von Cosima Viola:

Hallo,

als ich die Anfrage bekam, zum Thema Behinderung etwas Persönliches beizusteuern, fand ich das eine sehr gute und wichtige Sache!
Ich hatte zwei Jahre meiner Oberstufenzeit eine Mathenachhilfelehrerin, die im Rollstuhl sitzt.
Sie litt als Kleinkind und junger Mensch an Kinderlähmung.
Sie brachte sich mit Hilfe von Beinschienen und einem großen Lebenswillen das Laufen bei, um als 21jährige ein Leben wie jeder andere gesunde jugendliche Mensch führen zu können. Tragischerweise traf sie kurze Zeit später in ihrem jungen Leben ein weiterer sehr harter Schicksalsschlag. Sie wurde von einem betrunkenen Autofahrer angefahren und war nun wieder, und zwar endgültig, an den Rollstuhl gefesselt….
Sie hat mir ihre Geschichte natürlich nicht am Anfang erzählt, aber als ich nun die ein oder andere Nachhilfestunde mit ihr verbracht hatte, hatten wir uns besser kennengelernt und ich nahm meinen Mut zusammen um sie nach der Geschichte zu fragen, die hinter ihrer Behinderung steckt.

Natürlich war es für mich nicht leicht zu fragen, weil ich nicht wusste ob ich ihr damit zu nahe trete. Andererseits habe ich von meinen Eltern gelernt, dass man jeden Menschen gleich behandeln soll und gerade Menschen, die eine offensichtliche Behinderung haben, sich wünschen, dass man mit ihnen offen redet und sie ernst nimmt. Sie wollen natürlich nicht, dass man die Behinderungen ständig thematisiert aber sie wollen auch nicht, dass man so tut als wäre sie nicht da!

Durch die Lebensenergie und die Lebensfreude meiner Nachhilfelehrerin habe ich gesehen, dass man auch mit solch harten Schicksalsschlägen lebensfähig ist und dass man lernt das Leben zu leben und zu lieben. Mir hat es auch gezeigt, wie schnell so etwas passieren kann und wie oft man viele Gefahren im Alltag ignoriert sowie viele Privilegien nicht wertschätzt…  Viele Dinge im Leben weiß man ganz oft leider erst dann zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat! Sollten wir aber denn nicht viel früher anfangen, unser Leben wertzuschätzen und zu genießen bevor es zu spät ist?

Das Leben ist zu kurz, um Chancen zu verschenken, und meine Nachhilfelehrerin hat mir zwar gezeigt, dass man auch in ihrer Situation ein wundervolles erfülltes Leben leben kann, aber auch auf wie viele Dinge man verzichten muss!
Ich denke, die Angst vor Unfällen, die eine schwere körperliche Behinderung verursachen, steckt in uns allen. Man muss das Leben natürlich nicht schwarz malen, indem man sich die schlimmsten Szenarien ausmalt, aber ich glaube, dass eine gewisse Demut und Dankbarkeit gegenüber dem eigenen Leben und vor allem der eigenen Gesundheit ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags sein muss! Vor allem müssen wir auch daran arbeiten, dass die Menschen mit schweren Behinderungen so gut wie möglich in unseren Alltag integriert werden und unsere Welt auch an ihre Umstände angepasst wird.

Mein Vater hat sich die letzten drei Jahre dafür eingesetzt und engagiert, dass die KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) die Straßenbahnen und Busse rollstuhlgerecht umbauen, und hat jungen sowie alten Rollstuhlfahrern die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel erklärt und gezeigt. Für dieses Projekt hat er sich selber einen Rollstuhl geschnappt und ist einen Tag lang in einem Rollstuhl durch Köln gefahren. Er wollte wissen was es heißt im Rollstuhl zu sitzen, und vor allem welche Hindernisse kommen plötzlich auf dich zu.

Er meinte es war eine sehr wichtige Erfahrung, um mit der richtigen Motivation an dieses Projekt ranzugehen und verstehen zu können, was es heißt, in einer Großstadt wie Köln an einen Rollstuhl gebunden zu sein. Ich fand es sehr beeindruckend und dachte, vielleicht sollte jeder mal so etwas machen, damit das Empathievermögen der Menschen sensibilisiert wird und mehr Menschen verstehen, was es bedeutet behindert zu sein. Im allgemeinen denke ich aber, dass es doch auch viele Menschen gibt, die sich sehr bemühen, sich für behinderte einsetzen und ihren Alltag damit verbringen, den Alltag der Menschen mit Behinderungen zu vereinfachen und schön zu gestalten.
In diesem Sinne hoffe ich, dass sich jeder Mensch Mühe gibt, um ein gut funktionierendes und schönes Miteinander zu gestalten.

Ich versuche das auch so gut ich kann und wünsche den Menschen, die durch harte Schicksalsschläge nun mit einer Behinderung leben müssen, ganz viel Kraft, Lebensmut, Glück und Zufriedenheit und natürlich auch den anderen, die durch eine andere Religion oder Hautfarbe oftmals durch Intoleranz und Diskriminierung an einem unbeschwerten Leben behindert werden!

Das Leben ist ein langer Lernprozess und es ist nicht immer einfach, aber ich bin mir sicher, dass es zu schaffen ist ein schönes, friedliches und unbeschwertes Miteinander zu kreieren und zu leben!

» Cosima Viola bei der Agentur schwarz berlin

Wir bedanken uns herzlich bei Cosima Viola für ihren für 4hc verfassten Beitrag.

Ein Kommentar zu Promis sagen… Cosima Viola

  1. bin zwar kein Fan der „Lindenstrasse“ (muss ich „zwangsweise“ anschauen *ggg*), aber was Cosima schreibt, gefällt mir, wäre schon schön, wenn nur 25% der Leute so denken würden 😉