Promis sagen… Sascha Tschorn

Sascha TschornIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen eigenen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen verfasst hat diesmal Sascha Tschorn, derzeit zu sehen in der ARD-Telenovela „Rote Rosen“. Er spielt dort den Felix Siemers.

Hier der Beitrag von Sascha Tschorn:

M&M‘s vs. Integration

Im Grundschulalter war der Kontakt mit unterschiedlichen Behinderungen bereits fester Bestandteil meines Alltags.
Als Schüler des Integrationskonzeptes der Rothenburg Grundschule Berlin-Steglitz, in dem seh– und lernbehinderte sowie Kinder ohne Behinderung den gemeinsamen Unterricht bis heute bestreiten, hatte ich somit frühzeitig die Möglichkeit ein faires und gleichberechtigtes Miteinander zu lernen.

Der „faire und gleichberechtigte“ Umgang war natürlich (wie das bei Kindern nun mal so ist) nicht immer gegeben. Damit möchte ich nicht auf die Tränendrüse drücken und um Verständnis für alles und jeden appellieren.
Ich will damit festhalten, dass diese Grundschulzeit die wichtigste, schönste und wertvollste Zeit meiner Jugend war.
Es wurde viel gestritten, geweint und gelacht – existentielle Bedürfnisse von Freundschaft, Anerkennung, Gemeinschaft oder Freiheit.. und die damit verbundenen Fragen des Vertrauens und natürlich auch nach dem Sinn des Lebens wurden hart erkämpft… von allen!

2006 probierte ich am Thalia Theater Halle das Stück „Parasiten“ von Marius von Mayenburg, in dem ich die Rolle des RINGO spielte. Die Figur sitzt nach einem schweren Autounfall nun plötzlich querschnittgelähmt im Rollstuhl.
Während einer Probenpause bat ich meine Kollegin „in der Rolle zu bleiben“ und mich mit dem Rollstuhl zum nächsten Kiosk zu schieben.
Als RINGO und BETSI kauften wir nun ein. Ich begann aus Langeweile die anderen Kunden vor dem Laden mit M&M‘s zu bewerfen. Normalerweise hätte ich sofort eine rein bekommen aber nichts geschah. Das allgemeine Feedback bestand aus bemitleidenswerten Blicken, die mir auszuweichen versuchten und Menschen die unsicher weggingen.

Das war merkwürdig. Entweder Integration ganz oder gar nicht. Wenn man „unsachlich“ behandelt wird, muss man doch was sagen! Also an alle „normalen“: Traut euch! Es ist nur eine Behinderung 😉

Hochachtungsvoll, Ihr Sascha Tschorn.

www.saschatschorn.de

Wir bedanken uns herzlich bei Sascha Tschorn für seinen für 4hc verfassten Beitrag.

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