Promis sagen… Tanja Schmitz

Tanja SchmitzIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen zur Verfügung gestellt hat uns diesmal Tanja Schmitz, bekannt aus der „Lindenstraße“ und seit einigen Jahren aus der WDR-Fernsehserie „Die Anrheiner“, in der sie die Journalistin Britta Oberländer spielt.

Hier der Beitrag von Tanja Schmitz:

Hallo.
Auch ich muss mich entschuldigen, dass ich jetzt erst antworte. Ich hatte es mir ganz fest vorgenommen, es aber schlichweg zwischen all den Emails vergessen. Ja, so ist es, im schnellen Alltag unserer Gesellschaft funktionieren, Handy- und Email-Mania und was, wenn es dann plötzlich nicht mehr geht? Was, wenn es vielleicht nicht mehr geht, weil vielleicht meinem Kind etwas geschieht?
Ja, davor habe ich Angst. Ich habe eine Irrsinns-Angst, vielleicht im Alter an MS zu erkranken, mich nicht mehr bewegen zu können. Ich habe eine Irrsinns-Angst, dass meinem Kind etwas geschehen könnte.
Deshalb habe ich eine Hochachtung für alle Menschen, die mit ihrer Behinderung leben und lieben und bin immer wieder beschämt, wenn ich mein gesundes Leben und Körpergefühl als selbstverständlich nehme und vergesse, mich Tag für Tag zu bedanken, dass es so ist.

Ich selbst habe in meinem Freundeskreis einen Kontie (sagt er selbst immer witzelnd). Er war mein Prof für Neuere deutsche Literatur an der Uni und ich habe bei ihm meinen Magister gemacht. Ich verehre diesen Mann sehr – so, jetzt weißt du’s Johnny! – Ich verehre ihn, weil er so leicht mit seiner Behinderung umgeht, weil er es mit seinem Wesen, mit seinem Tatendrang, mit seiner Bildung, seiner Fröhlichkeit und vor allem seinem Lebenswillen schafft, mich vergessen zu lassen, dass er ein Kontie ist. Es fiel mir nicht schwer, ihn als Dozenten zu achten, aber als aus Student/Prof-Beziehung eine Art Freundschaft wurde, habe ich mir natürlich Fragen gestellt wie: Wie gebe ich ihm die Hand? Kann ich ihn umarmen…. Ich habe es einfach getan und es war ganz normal, wie auch sonst? Mir waren meine eigenen Fragen im Nachhinein etwas peinlich.

Ich habe Tanz unterrichtet und inszeniere mit Kindern Theaterstücke. Natürlich ist manchmal auch ein behindertes Kind dabei. Ich gebe zu, dass durch meinen Kopf Überlegungen schießen, ob das jetzt alles so durchführbar ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Zunächst bin ich etwas irritiert. Dann stelle ich fest, dass alles ganz einfach ist, wenn ich mich nicht in meine Bedenken verkrieche und mich neuen Möglichkeiten öffne. Wir haben ein tolles Pas-de-deux mit einer Rollstuhlfahrerin gemacht!!!

Natürlich ist mein Umgang mit Behinderten nicht alltäglich. Aber ich stelle fest, dass wir nur ein „nicht-zauderndes“ Miteinander bekommen können, wenn wir behinderte Menschen nicht ausgrenzen, sondern völlig normal einbeziehen, d.h. behinderte Kinder an Schulen, im Tanzunterricht, auf dem Sportplatz und nicht nur in sogenannten „integrativen Stätten“. Integration funktioniert meiner Meinung nach nur durch völlig selbstverständliches Zusammensein.

Meine Tochter ist bei ihrer Geburt beinahe gestorben und es sah ein paar Tage so aus, als würde sie geistig und körperlich behindert. Natürlich war es ein Schock, aber ich muss sagen, dass mich dieser Gedanke während dieser Tage kaum beschäftigt hat. Ich habe mein Kind so geliebt, wie es war und das ist es, glaube ich, wo unser Umdenken stattfinden muss: Einen Menschen so zu lieben, wie er ist, ob mit, ob ohne Bein, ob mit, ob ohne Zuckungen, ob mit, ob ohne Sprache usw.

Das ist mein Bestreben, ich wünsche mir, dass mit mir viele andere so denken und keinen Unterschied mehr zwischen Deutschen, Türken, Behinderten, Nichtbehinderten, Buddhisten, Moslems, Christen, schwarz oder weiß machen.

Ich glaube, es ist ein langer Weg, aber es ist möglich!

www.theaterjobs.de/tanjaschmitz

www.peterfley.com

www.officeofarts.de/TanjaSchmitz

Wir bedanken uns herzlich bei Tanja Schmitz für ihren für 4hc verfassten Beitrag.

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