Promis sagen… Christian Rudolf

Christian RudolfIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen eigenen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen verfasst hat diesmal Christian Rudolf, derzeit zu sehen in der ARD-Fernsehserie „Lindenstraße“. Er spielt dort den Jimi Stadler.

Hier der Beitrag von Christian Rudolf:

Entschuldigen Sie, daß ich erst jetzt antworte.
Ich habe dieses Thema verdrängt, Ihre e-mail weggeschoben.
Es nicht an mich herangelassen.
So wie man, wie selbstverständlich in den Tag hineinlebt, sich dann in den Finger schneidet, und merkt, wie „gehandicapped“ man plötzlich ist.
So sind die Menschen. So bin offensichtlich auch ich.
Aber NICHTS ist selbstverständlich.
Erst wenn irgendetwas passiert, wacht man auf und fängt an zu heulen.
Wohl denen, die dann noch das Ruder herumreißen können.
Mein Mitgefühl denen, die unverschuldet oder auch verschuldet Leid
erfahren- weil es jeden von uns ALLEN jede Sekunde treffen kann.
Deshalb müssen wir jede Sekunde bewußt (er)leben. Und Gott dafür danken. Oder Allah, oder Buddha oder wem auch immer.
Nein, ich habe keine direkten Kontakte zu „Behinderten“-weder privat, noch beruflich.
Aber wenn ich auf Menschen treffe, die „anders“ sind, möchte ich immer versuchen, sie nicht anders, sondern „genauso“ zu behandeln.
Aufrichtig und wahrhaftig. Gleichberechtigt und fair.
Ich war vor 15 Jahren einige Wochen in Simbabwe, Botswana und Südafrika.
Über die Weihnachtstage dann in einem Camphill-Dorf, in der Nähe von Kapstadt.
Es war eines meiner schönsten Weihnachtsessen!
Ich war beeindruckt, wie normal, eben doch selbstverständlich, Behinderte und Nicht-Behinderte miteinander sein können.
Miteinander leben, arbeiten, genießen, streiten, Erfolg haben können.
Das ist vorbildlich! Integration statt Gettoisierung!
Wir müssen die Mauern zwischen uns einreißen, ich bin ein Ossi, ich weiß wovon ich schreibe.
Die Mauern zwischen Privilegierten, den Gesunden – und den am Rand der sogenannten Gesellschaft befindlichen „Kranken“.
Was ist krank? Wenn jemand hilfsbedürftig ist? Oder ist die Gesellschaft mit ihren Normen krank- die die Selbstverständlichkeit der Nächstenliebe tiefer hängt, als Model-Maße, Porsche-Fahren, Handy-Klingeltöne, oder was weiß ich.
Alle Leute mit -Henndiekepps- sollten sich ihre Rechte und Pflichten nehmen, wenn sie sie nicht bekommen. Und sich dabei helfen lassen. Von
uns- „anderen“!
Uns bitte immer wieder wach machen, wenn wir mit dem 3-Affen-Gesicht wieder vorbeilaufen wollen…
An der Rolltreppe und überall anders auch.
Jeder Mensch ist besonders. Einzigartig. Hat individuelle Qualitäten.
Diese können wir einander zur Verfügung stellen. Als Gemeinschaft.
Wenn unsere Gesellschaft das wieder in erträglichere Bahnen lenkt, können wir voneinander etwas bekommen. Uns beschenken. Mit Zeit, Aufmerksamkeit, Interesse und noch 1000 anderen Kostbarkeiten.
Füreinander und Miteinander- nicht erst wieder dann, wenn’s knallt, oder der Finger blutet…
Ich möchte alle Betroffenen ( wovon auch immer ) ermutigen, bei uns zu bleiben, mit uns zu sein, ihre Arbeit zu verrichten, oder neue Wege zu gehen.
Uns zu fordern, in die Verantwortung zu nehmen, mit im Leben zu stehen.
Eine Gesellschaft ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Und in jeder Schwäche liegt eine große Stärke!
Ich möchte mir vornehmen, noch stärker hinzugucken, wahrzunehmen, mitzufühlen und nicht zu verrohen.
Und ich möchte öfter ein Lächeln verschenken.
Wir sind eine große Koalition und sollten uns alle täglich hinterfragen.
Unsere eigene Opposition sein.

Viele Grüße- wünschen wir uns zusammen das Beste und verhalten wir uns so, daß es auch dazu kommen kann-

Christian Rudolf

www.christian-rudolf.de

Wir bedanken uns herzlich bei Christian Rudolf für seinen für 4hc verfassten Beitrag.

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