Die Vorstadtkrokodile reloaded – oder ich werde doch noch nicht alt!

Filmplakat der Vorstadtkrokodile © Constantin FilmWer kennt sie nicht, die Vorstadtkrokodile, Helden unserer 70er-Jahre-Kindheit. Eine Bande, die sich aufmacht, ein Verbrechertrio zu stellen. Basierend auf dem Kinderroman von Max von der Grün, einem echten Ruhrpottler, erzählt der Film ohne erhobenen Zeigefinger vom Anderssein und von Integration. Kurt, der querschnittgelähmte Junge, hat Hannes bei seiner Mutprobe zufällig mit dem Fernrohr beobachtet und geistesgegenwärtig die Feuerwehr alarmiert, die ihn vom morschen Ziegeleidach rettet.

Hannes muss sich bedanken, ein erster noch unsicherer Kontakt entsteht, aber die Jungs mögen sich. Hannes, nun in die Bande aufgenommen, möchte auch seinen neuen Freund einbinden und stösst auf herben Widerstand. Den „Krüppel“, den will keiner dabeihaben… 

Filmszenenbild aus den VorstadtkrokodilenErst als Kurt einen Einbruch beobachtet, wird er für die Bande interessant, und er erkämpft sich mit Köpfchen und Mut seinen Platz in der Bande.  Legendär Martin Semmelrogge als Bösewicht und sein Vater als fieser Minigolfplatzbesitzer. Legendär auch die Pinkelszene, als die Krokodile „echten“ Mut beweisen müssen und allesamt versagen außer dem einzigen Mädchen in der Truppe, das sich traut,  in einer prekären Lage beherzt „einzugreifen“.

Nun, knapp 30 Jahre später, wurde der Film von Christian Ditter modernisiert und neu aufgelegt. Mein erster Gedanke : „Jetzt wird ich alt!“.

Zweiter Gedanke: „Die haben auch vor nix Respekt!“

Ich war echt empört, als ich davon las, dass DER Film meiner Kindheit entweiht werden sollte.

Mit Hilfe meiner 11-jährigen Tochter habe ich mich aber tapfer der Herausforderung gestellt und mir den Film im Kino angesehen. Als Vergleich sollte sie dann den 77er-Film sehen, den ich vor Jahren auf VHS aufgenommen hatte und in einer Umzugskiste wiedergefunden habe.

Filmszenenbild aus den VorstadtkrokodilenTja, es wäre einfach, eine vernichtende Kritik zu schreiben. Einfach, aber unfair! Der Film wurde modernisiert, aber er bleibt am Leben dran.  Die Kids sind im Film so cool wie im wahren Leben, sie sprechen, wie sie  real sprechen, sie nehmen kein Blatt vor den Mund.  Sie sparen nicht mit Schimpfwörtern, sobald kein Erwachsener in der Nähe ist. Und sie lernen. Sie lernen, dass Kai (Kurt war als Name wohl zu oldschool) im Rollstuhl durchaus kein bemitleidenswerter Behinderter ist, der nichts leisten kann, sondern nicht nur was im Kopf hat, sondern auch ein ebenso großes Mundwerk besitzt wie sie selbst.

Sie lernen, dass sie zueinander halten müssen, um ans Ziel zu kommen. Und das alles geschieht so unverkrampft, mit viel Witz und doch irgendwie ernsthaft, dass man sie einfach mögen muss.

Na klar, jetzt haben sie Handys und allerlei Technik-Schnick-Schnack, aber das ist heute eben so. Einzig die Szene mit dem raketengesteuerten Rollstuhl ist ein wenig abgehoben – ansonsten bleibt der Film unterhaltend, stimmt an manchen Stellen nachdenklich und lädt immer wieder zum herzhaften Lachen ein.

Filmszenenbild aus den VorstadtkrokodilenErfreulich auch, dass keiner der Ochsenknecht-Sprösslinge besetzt wurde! Axel Stein war als Co-Gangster ein wenig verloren. Überraschend gut gespielt hat Smudo den Vater von Kai, der wiederum von einem Musikerkollege gespielt wurde. Im 77er-Film wurde der Rollifahrer von einem Mädchen mit Spina bifida gespielt. Natürlich hatte ich auch hier Vorurteile, dass nur ein Rollifahrer einen Rollifahrer überzeugend spielen kann. Fabian Halbig jedoch, „laufender“ Drummer der Teenieband „Killerpilze“, spielt den Kai absolut grandios mit seinen 15 Jahren. Nicht zu Unrecht hat er sogar einen Preis als bester Nachwuchsschauspieler abgeräumt.  Dennoch wäre es schön gewesen, wenn man einen echten Rollifahrer für die Rolle hätte gewinnen können.

Rein sachlich gesehen, ist die Pinkelszene, nicht ganz korrekt gelungen, das war sie im alten Film aber auch nicht. Im 77-erFilm konnte der Rollifahrer „normal“ pinkeln. Dies ist bei einer Querschnittlähmung so kaum möglich. Im modernisierten Film kommt immerhin das Wort „Reflexentleerung“ vor, in der Realität muss zur Blasenentleerung meist intermittierend katheterisiert werden.

Aber ok, das sind sachliche Schwächen, die ich nicht überbewerten will – ist ja schließlich doch ein Kinderfilm und kein Lehrstück für angehende Mediziner 😉

Als Reminiszenz an den alten Film von Wolfgang Becker, spielt übrigens auch Martin Semmelrogge wieder mit, diesmal in den Fußstapfen seines Vaters – als oberspießiger Mingolfplatzbesitzer.

Prädi“kat“: Klasse Kinderfilm, der auch Erwachsene unterhält!

Zum Einblick unbedingt den Trailer schauen. Viele Informationen findet Ihr auch auf der Webseite der Vorstadtkrokodile. Für die Fans ist auch schon ein zweiter Teil fertig, der am 21. Januar 2010 in die Kinos kommt.


Buch Medientipps

» Die Vorstadtkrokodile (DVD)

» Die Vorstadtkrokodile (Blu-ray)

» Das Original-Hörspiel zum Film

» Das Buch zum Film – von Max von der Grün, cbj, 160 Seiten, gebunden

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