Promis sagen… Rolf Berg

Rolf BergIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen eigenen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen zur Verfügung gestellt hat uns diesmal Rolf Berg, bekannt als langjähriger Darsteller aus der WDR-Fernsehserie „Die Anrheiner“. Er spielt dort den Geschäftsmann Josef Krings.

Hier der Beitrag von Rolf Berg:

Ich bin in den 50er Jahren geboren, in dieser und auch noch in der Folgezeit war das Thema „Behinderung“ eher ein Tabuthema.
Menschen mit Behinderungen wurden bemitleidet, auf Grund dessen nicht ernst genommen, nicht als Partner wahrgenommen, man musste sich um sie „kümmern“.
Dadurch fand eine „Bewertung“ statt, relativ egal, um welche Art der Behinderung es sich handelte. (Mit einem Rollstuhlfahrer sprach man beispielsweise zu laut oder überdeutlich.)
Es wurde kaum differenziert, man wollte sich nicht mit den Menschen auseinandersetzen, wir sprachen nicht mit ihnen, sondern – in ihrem Beisein – über sie.
Das mag etwas überspitzt klingen, war in der Tendenz aber sicher beim Gros der Bevölkerung genau so.
Das hatte natürlich auch mit einer Hemmung zu tun, mit der Vermeidung eines Tabus.
Da Menschen mit Behinderung in der Öffentlichkeit also kaum vorkamen – sie waren „gut versorgt“ in irgendwelchen Einrichtungen – fehlte es an selbstverständlichem Umgang in jeder Beziehung.
Dazu kam, und das ist eigentlich unfassbar, dass Eltern behinderter Menschen sich oft selbst schuldig fühlten an der Behinderung ihrer Kinder, oder zumindest von ihrem Umfeld so angesehen wurden, als wären sie schuldig.
(Fraglos ein Relikt aus nicht allzu lang vergangener Zeit)

Ich glaube, dass von dieser Art zu denken immer noch einiges in uns steckt, der selbstverständliche Umgang miteinander hinkt immer noch an allen Ecken und Enden, aber ich denke auch, es hat sich einiges getan.

Ich selbst habe vor etlichen Jahren einmal im Fernsehen einen geistig zurückgebliebenen jungen Mann gespielt.
Der Regisseur war auf Grund eines Unfalls seit Jahren gelähmt.
Bei mir brach erst einmal das Helfersyndrom aus, in Verbindung mit schlechtem Gewissen, wobei ich keine Ahnung hatte, warum-
Es brauchte sicher zwei Tage, um meinen eigenen Druck loszuwerden und von mir aus in einen normalen Umgangston zu kommen, sich beispielsweise darüber zu unterhalten, wie man mit einem Rollstuhl den Strand entlangfährt ohne steckenzubleiben, usw.

Selbstverständlich mit Bedürfnissen, Problemen und Nöten umzugehen, nicht dauernd Angst zu haben in ein Fettnäpfchen zu treten, diese Behinderung sollten wir aus unseren Köpfen herauskriegen.

» Homepage von Rolf Berg

» Rolf Berg bei der Agentur alaimoactors

Wir bedanken uns herzlich bei Rolf Berg für seinen für 4hc verfassten Beitrag.

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