Küss mich! Oder wie kleine Begebenheiten den grauen Alltag erhellen

HausWie schon gesagt, der Alltag in der Klinik ist oft nicht nur anstrengend,  sondern auch traurig, herausfordernd, erschütternd. Heute möchte ich aber mal ein paar Anekdoten vom Stapel lassen. Auch mit lustigen Situationen werden wir immer wieder konfrontiert.
 
Da war zum Beispiel eine wirklich alte Dame (96, naja, in Jopi-Jahren noch blutjung). Sie redete nicht mit uns, nicht mit ihren Kindern und Enkeln, sie habe seit Monaten nichts mehr gesagt, so die Angehörigen. Jedenfalls waren wir mit dem Chef (knackige 60) zur Visite. Er beugt sich über die schlafende Schönheit und ruft (schwerhörig war sie ausserdem) ihr ins Ohr: „Guten Morgen!“ Die Patientin schlägt die Augen auf, schnappt sich den Kittel vom Chef, zieht ihn etwas näher an sich heran und haucht gebieterisch: „Küss mich!“

Ein anderes Mal traf es mich. Ich sprach mit einer reizenden, etwas verwirrten alten Dame. Sie strahlte mich an, sie mochte mich wohl und wollte mir was nettes sagen: „Sie haben so schöne Zähne! Die sind neu, gell?“ Ich, damals 32, Zahnstatus altersentsprechend, guckte dämlich, fasste mich aber und entgegnete: „ Nee, das sind noch meine eigenen.“ Sie nickte beiläufig und das Thema war erledigt.

BriefkastenZum Dritten: Wir müssen manchmal für Patienten beim Amtsgericht gesetzliche Betreuungen anregen. Dazu gehört ein Sozialbericht (von mir) und ein ärztliche Zeugnis. Irgendwie lese ich die ärztlichen Zeugnisse lieber nochmal durch, bevor ich sie ans Amtsgericht schicke. Tippfehler können manchmal das Verfahren ziemlich in die Länge ziehen…alles schon erlebt. Jedenfalls so las ich auch bei diesem Attest nochmal alles durch und gab es an die Ärztin zurück. Sie hatte bei den vielen Diagnosen beim Wort  „Nachtschweiss“ das w vergessen…

Und noch ein Bonmot aus der Ärzteschaft. Abschied einer Oberärztin, ein Kollege aus der Chirurgie fehlte.  Kommentar der Verabschiedeten: „ Der XY nagelt gerade nen Privaten (…).“ Anmerkung der Schreiberin für den Nichtmediziner, der Satz bedeutete: XY ist noch im OP und versorgt gerade einen Oberschenkelhalsbruch mit einem Gammanagel.

Humor ist wenn man trotzdem lacht! Smilie zwinkert

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