Promis sagen… Peter Günther

Peter GüntherIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

 

Über seine Erfahrungen im Zivildienst berichtet uns der Schauspieler Peter Günther, in der Vergangenheit zu sehen unter anderem in den Serien „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Der Landarzt“. Dieses Jahr spielte er in der Sat.1-Telenovela „Anna und die Liebe“ den Sommelier Georg Sander.

Hier der Beitrag von Peter Günther:

Während meines Zivildienstes habe ich mich zum ersten Mal intensiv mit Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Ich durfte zehn Monate in einem Wohnprojekt arbeiten, in dem vor allem Menschen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen betreut werden.

Vor meinem ersten Tag als „Zivi“ war ich sehr verunsichert. Ich malte mir aus, was mich erwarten könnte. Würden mich die Menschen akzeptieren? Wie gehen sie selbst mit ihren Behinderungen um? Und vor allem: Wie soll ich damit umgehen?
Ich wollte den Menschen hilfsbereit gegenübertreten. Je nach Schwere ihrer Behinderung würden sie aber sicher größtenteils eigenverantwortlich handeln wollen. Wo zieht man die Grenzen, fragte ich mich. Oder genauer gesagt: Wie erkennt man sie überhaupt?

Mit all diesen Gedanken trat ich schließlich meinen Dienst an. Doch sie zerschlugen sich schnell. Bereits an der Tür empfing mich eine Bewohnerin der Einrichtung und gab mir eine kleine Führung. Im ersten Moment war ich etwas überrumpelt von dieser Offenheit. Kein Herantasten oder ‚Abchecken‘, wie ich es damals unter Jugendlichen kannte. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Behinderung hatten sich die Menschen ihre Neugier bewahrt.
Meine Aufgaben in dem Wohnprojekt bestanden im Wesentlichen darin, die Bewohner bei ganz alltäglichen Situationen zu unterstützen: sei es der wöchentliche Einkauf, Arztbesuche oder Ämtergänge. Ich musste erleben, wie schon ein zu hoher Bordstein zu einer unüberwindbaren Hürde werden kann. Aber nicht nur körperliche Behinderungen erschwerten die Alltagsbewältigung, auch psychische.
Manche litten unter Phobien, Zwängen oder Depressionen. Es kostete oftmals große Anstrengung sie zu bewegen, die Wohnung auch nur zu verlassen. Die gewohnte Umgebung gab ihnen Sicherheit. Jede kleinste Abweichung von ihrer Normalität versetzte sie in Angst und Panik. Für mich war es teilweise erschreckend zu sehen, wie solche Verhaltensmuster die Lebensqualität beeinträchtigen können. Nicht nur die Betroffenen selbst leiden, auch die Angehörigen, die keinen Zugang mehr zu ihnen finden. Auch ich hatte Schwierigkeiten mit ihnen in Kontakt zu kommen. Umso größer war die Freude zu erleben, wie sie bei persönlichen Gesprächen oder im Rahmen von (Ergo-)Therapiemaßnahmen ihre Scheu ablegten.

Meine Zeit als Zivildienstleistender hat mich geprägt. Ich habe viele traurige, aber auch lustige Momente erlebt. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich Toleranz und Verständnis gelehrt haben. Vor allem aber Respekt vor dem Leben.

Viele Grüße

Peter Günther

» Peter Günther bei der Agentur reitzenstein | management

Wir bedanken uns herzlich bei Peter Günther für seinen für 4hc verfassten Beitrag.

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