Promis sagen… Michael Tietz

Michael TietzIn unserer Serie “Promis sagen…” lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema “Behinderung” mitteilen möchten.

Michael Tietz spielte dieses Jahr in der ARD-Daily Soap “Verbotene Liebe” den Fürsten Wilhelm von Waldensteyck, Vater der Prinzessin Luise.

Herr Tietz wollte uns gerne von seiner Tätigkeit im Berliner Puppentheater-Museum erzählen. Wir fanden das so ungewöhnlich und spannend, dass wir ihm gleich noch einige Fragen dazu gestellt haben. Hier ist unser kleines Interview:

Michael Tietz: In meiner freien Zeit mache ich spielerische Führungen im Puppentheater-Museum Berlin, in Neukölln. Für Kinder ab 4 Jahren, nach oben ist keine Grenze gesetzt. In kleinen Gruppen finden diese Führungen für geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene statt. Pinocchio als Marionette ist dann die erste Bezugsperson. Danach wird in einer szenischen Erzählfom das Märchen: „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ gespielt.

Ich ändere nichts am Ablauf dieser Führungen, wenn ich mit Behinderten zusammen bin. Es macht mir Freude und es ist spannend, das Ganze meinerseits langsamer, aufmerksamer und geduldiger zu gestalten. Ich beobachte dann eine andere, neue ganz eigene Fantasie bei meinem Gegenüber, die für mich als Mensch und Schauspieler wertvoll und beglückend ist. Individualität ist bei jedem besonders spürbar, so dass mir die Bezeichnung „Behinderung“ in diesem Zusammenhang nicht das richtige Wort scheint.

4hc: Wie sind Sie zu dieser Beschäftigung gekommen?

Michael Tietz: Das Puppentheatermuseum gehört meinem Schwager, und meine Schwester ist dort Puppenspielerin. Sie hat mir die Fähigkeit, mit der Marionette Pinocchio zu spielen, beigebracht.

4hc: Worin genau besteht Ihre Rolle bei diesen Veranstaltungen? Und wie ist die Reaktion der Kinder, auch der schon etwas älteren, aufs Puppentheater?

Michael Tietz: Ich bin der Puppenbauer Geppetto und erwecke Pinocchio zum Leben. Mit jedem Faden einzeln. Danach wird jedes Kind oder Erwachsene einzeln begrüßt und es entsteht immer ein Dialog. Man spricht immer mit der Figur, obwohl ich die Marionette sichtbar führe und spreche. Die Kinder sind in ihren Fragen völlig angstfrei, anders als manchmal Menschen gegenüber.

4hc: In einem Artikel zu Otfried Preußler – dessen Räuber Hotzenplotz mehrfach für die Kinderbühne und auch fürs Puppentheater adaptiert wurde – heißt es, „daß zum offenen Kindertheater vorzügliche Schauspieler gehören, echte Komödianten, die mit Kindern umgehen können und ihre Zwischenrufe aufnehmen, richtig – auch richtig im Sinne der Dramaturgie – beantworten und vor allem die Zuschauer aus dem Stande der höchsten Erregung und des Durcheinandergeschreis wieder zu der Aufmerksamkeit und damit Stille zurückführen können, die das Stück braucht. Das ideale Kindertheater à la Preußler wäre ohnehin das Stegreifspiel mit einer vorgegebenen Geschichte und viel Improvisierungen und Dialogen.“

 

Aber vermag bei der heutigen medialen Sinnesüberflutung das Spiel mit Marionetten und Puppen bei den Kindern überhaupt noch genügend Interesse und Begeisterung zu wecken?

Michael Tietz: Ich kann die Erfahrungen Preußlers nur bestätigen.

Wenn ich dann Pinocchio auf seinen Wunsch das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, in einer szenischen Form, mit Stabfiguren, erzählt habe, kommen die jeweiligen Erzieher immer danach zu mir mit der Frage: „Was haben Sie mit den Kindern gemacht? So lange haben die uns noch nie so konzentriert zugehört.“ – Das Ganze dauert 45 Minuten.

4hc: Wie erfährt man, wann die nächste Führung im Berliner Puppentheater-Museum mit Ihnen ansteht?

Michael Tietz: Wenn ich Zeit habe mache ich diese Führung, ansonsten ist meine Schwester mindestens genauso gut und einfühlsam, sie ist mir in diesem Fall eine ausgezeichnete Lehrerin.

Einzelheiten sind zu erfahren unter www.puppentheater-museum.de.

Liebe Grüße

Michael Tietz

» Michael Tietz bei der Agentur Alexander

» Puppentheater-Museum in Berlin

Wir bedanken uns herzlich bei Michael Tietz für seinen Beitrag und die Beantwortung unserer Fragen.

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