Promis sagen… Stefan Bockelmann

Stefan BockelmannIn unserer Serie “Promis sagen…” lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema “Behinderung” mitteilen möchten.

Mit Stefan Bockelmann berichtet diesmal ein langjähriger Darsteller aus der RTL-Daily Soap “Unter Uns” über seine Erfahrungen und seinen Einsatz für Kinder mit Behinderung. Er spielt in der Serie den Malte Winter, Mitbesitzer der „Schiller“-Kneipe sowie der Pension Maybach.

Hier unsere Fragen…

Haben Sie bei Ihrer Arbeit oder auch im Privatleben persönlich Erfahrung mit Behinderung oder behinderten Menschen gemacht?
Setzen Sie sich für soziale Projekte ein, vielleicht sogar im Bereich Behindertenförderung?

Stefan Bockelmann: Ich bin seit 2003 Botschafter der Soonwaldstiftung – Hilfe für Kinder in Not. Mein Bereich ist die Hilfe für krebskranke Kinder, Schwerpunkt Leukämie.

Ich selber bin Vater 2er gesunder Kinder und ich danke Gott sehr dafür. Ein Grund mehr, sich als „prominentes Gesicht der Öffentlichkeit“ für hilfsbedürftige Kinder einzusetzen.

Die Stiftung setzt sich jedoch nicht nur für krebskranke Kinder ein, sondern auch für Kinder, die sonst irgendeine Hilfe brauchen. Z.B. behinderte Kinder deren Eltern nicht die finanziellen Mittel für eine Delphin-Therapie aufbringen können.
Daher habe ich bei diversen Veranstaltungen der Stiftung auch Kontakt zu behinderten Kindern. Sowohl körperlicher als auch geistiger Behinderung.

Hat dies Ihre innere Haltung zu diesem Thema beeinflusst oder gar zu einer neuen Lebensauffassung geführt?

Stefan Bockelmann: Ich muss Ihnen gestehen – der erste Kontakt mit geistig Behinderten war für mich sehr ungewöhnlich.
Nicht weil ich es scheute, nein, mehr meine Unerfahrenheit mit dem nicht direkt einzuschätzenden Charakter dieser Kinder. Aber mein Umgang mit ihnen hat mir sehr schnell gezeigt, egal welche geistige Behinderung diese Kinder haben, es sind tolle Kinder.
Das hat mir nicht nur meine eigene Erfahrung im Umgang mit diesen Kindern gezeigt, sondern auch die intensiven Gespräche mit ihren Eltern.

Gibt es für Sie eine Geschichte oder Anekdote – lustig, nachdenklich stimmend oder auch tragisch – die Sie uns in diesem Zusammenhang mitteilen möchten?

Stefan Bockelmann: Bei der Jubiläumsveranstung der Soonwaldstiftung lernte ich eine alleinerziehende Mutter mit ihrem behinderten 7-jährigen Sohn „Max“ kennen. Ich moderierte diesen Abend, an dem unter anderem verschiedene Familien vorgestellt wurden, die bereits die Hilfe der Stiftung in Anspruch nahmen. Ich stellte dem Publikum das Schicksal des Jungen vor und wie ihm durch die Stiftung geholfen wurde. Dass Max bis zum Alter von 5 1/2 Jahren weder laufen noch sprechen konnte. Ihm hatte die Stiftung die Finanzierung einer speziellen Therapie ermöglicht, die ihm von Seiten der Krankenkasse verweigert wurde. Nach meiner Anmoderation rief ich „Max“ und seine Mutter zu mir auf die Bühne. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Max“ noch gar nicht gesehen. Und dann kam ein Junge zu mir auf die Bühne geeilt, seine Mutter kam ihm gar nicht schnell genug hinterher. Es war „Max“. Kaum vorstellbar, dass dieser Junge noch vor 1 1/2 Jahren nicht laufen konnte. Mit seinem Auftritt war es mir dann auch fast nicht mehr möglich, die Moderation weiterzuführen, denn „Max“ hatte einen großen Spaß, das Publikum zu unterhalten.
Das war für mich das größte Erlebnis des Abends. Noch bewegender war, als ich die Mutter mit „Max“ bereits verabschiedete, mir der 1. Vorsitzende der Stiftung die Mitteilung gab, weiter finanziell für die Therapie ihres Sohnes aufzukommen.

Haben Sie konkrete Vorstellungen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht und worin Lösungsmöglichkeiten bestehen könnten?

Stefan Bockelmann: Ich würde es begrüßen, wenn die Krankenkassen und Ärzte mehr Vertrauen in die „Alternative Medizin“ geben würden. Z.B. bei der Delphin-Therapie oder anderen alternativen Heilungsprozessen behinderter Menschen.
Denn das eben von mir geschilderte Erlebnis zeigt doch ganz deutlich, dass alternative Heilungstherapien durchaus erfolgreich sein können.

Können Sie sich in die Lage Betroffener hineinversetzen?

Stefan Bockelmann: Ich bin Schauspieler, wenn ich es nicht könnte, wäre ich ein schlechter Schauspieler. Natürlich kann ich als gesunder Mensch nicht wahrhaftig empfinden, wie ein z.B. geistig behinderter Mensch empfindet. Aber ich kann über Gespräche mit den Angehörigen und über die Beobachtung und den direkten Umgang mit diesem Menschen nachempfinden, wie sie sich fühlen, wie sie sich in gewissen Situationen verhalten. Und diese Beobachtung hat mir z.B. in meiner Rolle als Alkoholiker in der Serie „Unter Uns“ sehr geholfen, den Alkoholiker so authentisch wie möglich darzustellen.

Würden Sie, wären Sie selbst betroffen, trotz der körperlichen Einschränkungen versuchen, im Rahmen des Möglichen Ihre bisherige (künstlerische) Arbeit fortzusetzen?

Stefan Bockelmann: Das kommt natürlich auf den Grad der Behinderung an. Auch wenn es für mich, als sehr aktiver Mensch, eine sehr große Einschränkung wäre, würde ich natürlich an meinem Wunschberuf „Schauspieler“ festhalten.

Was halten Sie von dem Projekt 4hc – for handicapped? – gefällt Ihnen unser Portal?

Stefan Bockelmann: Sie sehen es mir nach, dass ich aufgrund meiner doch recht zeitaufwändigen Arbeit nur flüchtig Ihre Seite besucht habe. Doch das was ich aufnehmen konnte finde ich großartig. Ich kann Sie nur darin bestärken weiterzumachen. Ein Portal, in dem nicht nur behinderte Menschen sich austauschen können. Ein solches Portal wie das Ihre sollte viel mehr in die Öffentlichkeit gelangen. Vielleicht wird ja dann auch mal ein Politiker drauf aufmerksam und sieht, oder liest, wo die Probleme behinderter Menschen, sei es im Kampf gegen die Krankenkasse oder unserem Gesundheitssystem liegen. Und vielleicht bekommen dann auch Politiker ein Bild, wo mehr direkte und unkomplizierte Hilfe vom Staat benötigt wird und wo die Politik gerade behinderten Menschen mit ihren Entscheidungen Steine in den Weg gelegt hat.

Ihr Stefan Bockelmann

www.stefan-bockelmann.de

www.soonwaldstiftung.de

Wir bedanken uns herzlich bei Stefan Bockelmann für die Beantwortung unserer Fragen.

 

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