Promis sagen… Christian Fischer

Christian FischerIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Einen ausführlichen Beitrag als Reaktion auf unsere Fragen zur Verfügung gestellt hat uns Christian Fischer, bekannt als Darsteller aus der ZDF-Telenovela „Alisa – Folge deinem Herzen“. Er spielt dort den Chauffeur und Ex-Fremdenlegionär Horst Spilker.

Hier der Beitrag von Christian Fischer:

Demut, obwohl ein verfemtes Wort, ist eigentlich das Erste, was man als Schauspieler lernt. Die Kostbarkeit und Verletzlichkeit des eigenen Ichs wird einem während der Ausbildung ganz schnell begreifbar gemacht und begleitet, mich zumindest, seitdem mein ganzes Leben lang. „Behindert“ oder „eingeschränkt“ zu sein ist für jeden Menschen eine Herausforderung und will gemeistert sein, das gilt für jeden, ohne Ausnahme. Der Grad der „Unversehrtheit“ allerdings ist ein sehr entscheidendes Kriterium und da beginnt die wahre Empathie.
Mich haben seit Kindheitstagen verschiedenste körperlich und geistig behinderte Menschen begleitet, sodass ich keinerlei „Bedrohungsgefühle“ empfinde, im Gegenteil, zu meinem „normalen“ Alltag gehören eben alle mehr oder weniger „unfreie“ Menschen. Das versuche ich auch meinen Kindern weiterzugeben. Gerade ein gewisses Maß an Selbstverständlichkeit im Umgang mit „Behinderten“ zu behalten, ist meines Erachtens der angemessene Weg.
Einflechten möchte ich nur, dass ich zu unterscheiden versuche, zwischen „behindert“ und „krank“, was nicht ganz so einfach ist, wie es klingt. Dem „Kranken“ wird meist, langfristig, Genesung zuteil, bzw. in Aussicht gestellt und er wird daher vorübergehend der „normalen“ Lebenswelt enthoben, wohingehend für „Behinderte“ gerade der normale Alltag zur maßgeblichen und angestrebten Struktur wird.

Bei uns im „künstlerischen Bereich“ sind „außergewöhnliche Menschen“ immer schon heimisch geworden; oft haben sie dazu beigetragen, das „Mensch sein“ in seiner Gesamtheit besser und wahrhaftiger zu verstehen. Von daher ist der natürliche Respekt meinerseits, dem „Anderen“ gegenüber, immer schon Grundvoraussetzung.
Eine wichtige, weder erste noch letzte, Begegnung mit dem „Schwer-Behindert-Sein“ war folgende:
Ein Regieassistent an einem Theater, an dem ich engagiert war, war ein Contergangeschädigter, zu dem ich schnell Kontakt fand und den ich jedesmal, wenn wir in einem Kellerlokal zusammen saßen, aus den Rollstuhl heben und die Treppen heruntertragen musste. Da er weder Arme noch Beine besaß, sondern nur Hände und Füße, war die Verantwortung riesengroß. Stolpern oder gar Stürzen hätte massive Verletzungen nach sich gezogen, weil er sich nicht, wie andere, im Notfall abstützen oder abfangen hätte können. Für mich hieß das immer, kein Alkohol, denn ich musste ihn ja später wieder hochtragen.
Dieses Gefühl von Verantwortung hat sich mir bildhaft und metaphorisch eingebrannt, wofür ich sehr dankbar bin, denn im Umgang mit anderen und speziell mit Behinderten ist nichts von vornherein selbstverständlich und einfach so vorauszusetzen.

Ich freue mich auf jeden Fall immer über ein strahlendes Gesicht, wenn das Innerste ungefiltert nach Außen drängt, welches ich oft auch und besonders im Zusammensein mit „Behinderten“ (die es dann gerade auf diese Weise eben nicht sind – im Gegensatz zu dem misanthropen Verhalten der „Normalos“) erlebt habe.

Was mich, wenn ich so offen gefragt werde, zunehmend stört, ist allerdings der fast pawlow’sche Ruf nach gesellschaftlichen und „anonymen“ politischen Handlungsrichtlinien, die die Lage der Betroffenen verbessern sollen. Diese allgemeinen und generell formulierten Maßnahmen sind meistens am individuellen Bedürfnis vorbeigeregelt und lösen nur scheinbar das Problem der Gleichbehandlung. Ich bin sehr für einen ganz normalen Umgang und für die normale Wertschätzung von jedem Individuum, obwohl manchmal „Gleich-Behandlung“ nicht unbedingt „Gleich-Setzung“ oder dem „Selbstwertgefühl gerecht Gewordenes“ bedeuten muss.
Von daher ist jedes Bedürfnis, auch das auf Ihrer Webseite mitgeteilte, immer dem Inhalt gemäß ernst zu nehmen und unterstützenswert.

Ich wünsche Ihnen und allen Besuchern Ihrer Webseite, dass Ihnen weiterhin viel Verständnis, Unvoreingenommenheit und Interesse entgegengebracht wird.

Mit besten Grüßen

Signatur von Christian Fischer

www.fischer-christian.com

Wir bedanken uns herzlich bei Christian Fischer für seinen für 4hc verfassten Beitrag.

 

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