Promis sagen… Giovanni Arvaneh

Giovanni ArvanehIn unserer Serie „Promis sagen…“ lassen wir Prominente zu Wort kommen, die uns ihre Erfahrungen und Gedanken zum Thema „Behinderung“ mitteilen möchten.

Als erster auf unsere Fragen geantwortet hat uns Giovanni Arvaneh, bekannt als langjähriger Darsteller aus der ARD-Vorabendserie „Marienhof“. Er spielt dort den Gemüseladenbetreiber Sülo Özgentürk.

Hier unsere Fragen…

Haben Sie bei Ihrer Arbeit oder auch im Privatleben persönlich Erfahrung mit Behinderung oder behinderten Menschen gemacht? Hat dies Ihre innere Haltung zu diesem Thema beeinflusst oder gar zu einer neuen Lebensauffassung geführt?

GA: Erwin Aljukic, den Sie sicher aus unserer Serie kennen, ist behindert. Weiter habe ich auch im Theater mit behinderten Kollegen gespielt.
Meine Lebenshaltung war immer schon sehr positiv zu behinderten Menschen eingestellt. Für mich stellt sich die Zusammenarbeit mit behinderten – und nichtbehinderten – Menschen als völlig normal dar. Für mich ist der Umgang mit Behinderten völlig normal.

Gibt es für Sie eine Geschichte oder Anekdote – lustig, nachdenklich stimmend oder auch tragisch – die Sie uns in diesem Zusammenhang mitteilen möchten?

GA: In einem Kinderstück, den Titel des Stücks habe ich leider vergessen, gab es eine Szene wo ich mir einen neuen Freund suchen wollte. Dies habe ich im Publikum gemacht. Ich habe mich neben ein Kind gesetzt, das fürchterliche Angst vor mir bekommen hatte. Ich habe zu spät gemerkt, dass dieses Kind behindert war. Ich bin darüber sehr erschrocken… wir sind eigentlich beide erschrocken und ich konnte kaum weiterspielen, denn mein Ziel zu unterhalten wurde zu einem kleinen Horrorstück. Das weiß ich noch sehr gut.

Einer Kollegin ist fast dasselbe passiert. Sie wollte ein Kind zum Mitspielen animieren. Das Kind sollte mit auf die Bühne. So zog sie an dem Kind, das ganz normal in einem Zuschauerstuhl saß. Was sie nicht wusste, dass das Kind gehbehindert war. Sie zog nun an dem Kind bis es vom Stuhl fiel.
Das war ihr sehr, sehr unangenehm.. Hinter der Bühne hat sie dann geweint, weil sie so entsetzt war, dass ihr das passiert ist.
Das Kind fand es eher lustig.

Vertreten Sie, eventuell durch eigene Erfahrungen ausgelöst, bestimmte Ansichten zum Umgang mit dem schwierigen Thema ‚Behinderung’ in der Öffentlichkeit, zur Sozialpolitik, zur Rolle der Medizin oder des Gesundheitswesens?

GA: Ich stelle immer wieder fest, dass der Umgang mit Behinderten eigentlich nicht so schwer ist. Was das Thema vielleicht etwas schwierig macht, sind die anerzogenen Tabus oder der fehlenden OFFENE Umgang mit Behinderten. In England z.B. machen Behinderte die derbsten Witze über Behinderte, die Behinderten selbst. Deutschland ist – aus meiner Sicht – sehr behäbig mit Humor.
Ich glaube, dass wir „Nichtbehinderte“ so eine Angst haben, wie wir wohl mit eigener Behinderung umgehen würden, dass uns die Lockerheit fehlt.

Setzen Sie sich für soziale Projekte ein, vielleicht sogar im Bereich Behindertenförderung? Haben Sie konkrete Vorstellungen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht und worin Lösungsmöglichkeiten bestehen könnten?

GA: Ich bin im Verein „Irrsinnig Menschlich“ mit dem weiteren Verein „ausnahme|zustand“ und „Verrückt? Na und!“.
Dieser Verein kümmert sich um Kinder die Depressionen haben.

Können Sie sich in die Lage Betroffener hineinversetzen? Würden Sie, wären Sie selbst betroffen, trotz der körperlichen Einschränkungen versuchen, im Rahmen des Möglichen Ihre bisherige (künstlerische) Arbeit fortzusetzen?

GA: Wenn ich mich nicht in die Lage versetzen könnte, wäre ich sicher ein schlechter Schauspieler. Und dennoch muss ich gestehen… wenn ich jetzt einen Behinderten spielen dürfte/müsste, müsste ich mich mit dem Thema noch mal gründlich auseinander setzen.
Klar würde ich versuchen meine Arbeit/Beruf(ung) fortzusetzen. Aber Angst würde es mir schon erst mal machen.
Ich habe eine irrsinnige Hochachtung, wie behinderte Menschen ihr Schicksal meistern.
Was rege ich mich oft über unbedeutende Dinge auf… und ich muss es gestehen, dass ich oft vergesse dankbar zu sein, dass ich „nicht behindert“ bin.
Das liest sich vielleicht jetzt etwas komisch. Vielleicht macht man als „Behinderter“ auch ganz tolle Erfahrungen die mir verschlossen bleiben.
Ich jedenfalls habe großen Respekt davor.

Was halten Sie von dem Projekt 4hc – for handicapped? – gefällt Ihnen unser Portal? Haben Sie Vorschläge, was wir in Zukunft verbessern könnten? – Oder möchten Sie uns lieber außerhalb des Blogs in anderer Form unterstützen?

GA: Ich habe mir – bitte nicht böse sein – Ihre Seite nur kurz angesehen, weil ich gleich zu Dreharbeiten muss. Das was ich aber gesehen habe, gefällt mir sehr gut und ich bemerke wie mitgedacht wurde, mit z.B. kleine Schrift, normale Schrift, große Schrift.
Hier sieht man wieder, was für uns alles normal ist, aber für einige Menschen diese Info eine große Hilfe ist.

Ich nehme an, dass es noch viele solcher kleinen/großen Hilfsmittel auf der Homepage gibt. Wow…. Wie schön dass es Menschen wie Sie gibt, die die Welt der Behinderten, aber sicher auch unsere Welt ein klein/groß wenig verbessern. Danke!

Leider muss ich jetzt ganz schnell los, sonst komme ich zu spät in die Arbeit und das gäbe Ärger. Ich hoffe ich konnte ein klein wenig beitragen.

Liebe Grüße

Giovanni Arvaneh
www.arvaneh.de

Wir bedanken uns herzlich bei Giovanni Arvaneh für die Beantwortung unserer Fragen.

 

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