Wenn Ängste Lebensqualität einschränken

Angst? Nahezu jeder Mensch hat Ängste. Nicht immer sind sie für Andere nachvollziehbar. Betroffene stoßen teilweise auf Unverständnis oder werden gar ausgelacht. Einige Phobien sind weniger unnatürlich. Andere hingegen sind kaum zu glauben. Wenn Ängste Lebensqualität einschränken oder gar nehmen wird es extrem. Domian diskutierte in seiner Sendung (Februar 2013) mit Anrufern über Phobien.

Hier geht es zum YouTube-Kanal vom 1LIVE-Moderator & Kult-Talker Jürgen Domian.
Jürgen Domian auf twitter und facebook.

Hat die Sendung gefallen? Spannend ist auch die Sendung „Durch eigene Schuld behintert“ über die wir hier schon berichtet haben.


Mach doch was du willst. Tanz Zumba!

Audrey Nethery liegt es im Blut: Zumba tanzen. Lebenslustig tanzt das sechsjährige Energiebündel auf der Bühne der Internationalen Zumba Convention. Ja, ganz recht. Was jedoch locker und leicht aussieht kostet Audrey im Show-Auftakt der Convention viel Kraft. Audrey Nethery leidet an der ausgesprochen seltenen Krankheit Diamond-Blackfan-Anämie, einer schweren chronischen Blutarmut, die auf einer bisher nicht weiter geklärten Störung der Bildung der roten Blutzellen im Knochenmark beruht.

Die eigentliche Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt. Eine Heilung der gestörten Bildung der roten Blutzellen im Knochenmark kann in seltenen Fällen durch eine Knochenmark-/ Stammzelltransplantation erreicht werden. Diese Transplantationen sind nicht für alle Betroffene geeignet, da es zum einen sehr schwer ist einen geeigneten Spender zu finden und ferner häufige Transfusionen zu Organschäden führen können. In wenigen Fällen wurden bisher Spontanheilungen des Diamond-Blackfan-Syndroms beschrieben. Die Frage wie genau es dazu gekommen ist bleibt offen.

Ein Viertel der Diamond-Blackfan-Anämie Betroffenen haben noch weitere Fehlbildungen des Körpers, wie zum Beispiel einen Wasserkopf (Hydrocephalus) oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, eine Dreigliedrigkeit (Triphalangie) des Daumens oder multiplen Gelenkkontrakturen (lat. contrahere „zusammenziehen“). Durch die medikamentöse Behandlung als auch durch die Krankheit selbst kann es zu Minderwuchs, Schäden an den Organen Leber, Herz und Nieren kommen. Auch Hormondrüsen sind möglich. Seh- und Hörstörungen sowie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) stellen weitere mögliche Langzeitkomplikationen dar. Vielfach kommt es zu einer Verzögerung der Pubertät und der normalen Geschlechtsentwicklung. Für Diamond-Blackfan-Anämie Betroffene besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. All diese Risikofaktoren und denkbaren Komplikationen können eine eingeschränkte Lebenserwartung bedingen.

Zur Diamond-Blackfan-Anämie Selbsthilfegruppe e.V.


Toy Like Me

Kinder lieben Spielzeug. Doch nicht immer bieten gestaltente Spielzeug-Einheitsmodelle oder idealisiert ausgearbeitete Puppen à la Barbie und Co eine hohe Identifikation der kleinen Spielzeugbesitzer. Die Spielzeugwelt kennt kaum Behinderungen oder Erkrankungen.
Eine Gruppe von Eltern macht mit der Aktion „Toy Like Me“ auf dieses Problem-Thema aufmerksam. Kinder brauchen Identifikation. Authentische Vorbilder stärken den kleinen Nachwuchs. „Toy Like Me“ setzt sich für lebensechtes Spielzug ein. Mit Erfolg. Unter dem Hashtag #ToyLikeMe laufen immer wieder Postings in den sozialen Netzwerken, die ihre Anerkennung für die Puppen mit Behinderungen zum Ausdruck bringen. Das Thema verfolgen lohnt sich. Schon im letzten Jahr gab es Diskussionen um Spielzeug wie Barbie. Sie stehen in Kritik ein unerreichbares Idealbild zu verkörpern und somit für (manche) Kinder einen eher ungünstigen Einfluss zu haben.

Der britische Spielzeughersteller Makie bietet individuelle Puppen nach Maß direkt aus dem 3D-Drucker, konfigurierbar mit Behinderungen. Fortan gibt es Brillenträger-Puppen, am Stock gehende, mit Hörgeräten versehene Puppen. Auch vor Geburtsmal im Gesicht macht die Firma Makie keinen Halt. Für die Kleinen ist das mehr als riesig. Identifikation. Akzeptanz. Erleichterte Eltern. Welche Ideen die Spielzeugmacher sonst noch haben stellen sie auf ihrer offiziellen Makie Facebook-Seite zur Ansicht. Für die kleinen zukünftigen Spielzeug-Bespaßer ist das mehr als riesig. Ein solches induviduelles Spielzeug schafft Identifikation. Akzeptanz. Erleichterte Eltern. Es bietet mehr Raum zur freien Entfaltung der Kinder.

Die Gruppe „Toy Like Me“ appelliert an die großen Hersteller wie Lego und Playmobil (u.v.m), Spielzeuge auch lebensecht darzustellen und anzubieten. Für Kinder ist das in deren Entwicklung ein wichtiger Schritt.


Frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2016

4hc wünscht frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2016"

Alle Jahre wieder steht Weihnachten vor der Tür. Dieses Mal mit hoher Wahrscheinlichkeit grüne Weihnachten. Des einen Freud, des anderen Leid. Nehmen wir die Dinge also wie sie kommen und erfreuen uns an ihnen – mit oder ohne die weiße Pracht.

Das kommende Jahr 2016 steht schon in den Startlöchern. Ihr Lieben, 4hc wünscht frohe Weihnachten und ein tolles, glückliches und vor allem gesundes Jahr 2016. Macht wie immer das beste aus jedem Tag.


Vitiligo – Die weißen Flecken

Die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) ist eine erworbene Störung der normalen Hautfärbung. Hierbei treten an verschiedenen Hautregionen auffallende weiße Flecken auf. Doch wie kommt es dazu? Den weißen Flecken fehlt das Pigment Melanin das der Haut den jeweiligen Farbton verleiht. Melanin wird von den Melanozyten gebildet. Das sind spezielle Zellen in der Haut. In seltenen Fällen kommt es zu einer angeborenen Störung der regulären Melaninbildung wo das Körperpigment im gesamten Organismus fehlt (Albinismus).
Vitiligo betrifft in der Regel nicht die gesamte Haut oder alle pigmenthaltigen Gewebe. Da die Krankheit in manchen Familien häufiger in Erscheinung tritt ist eine gewisse vererbte Anlage anzunehmen. Nach den genauen Ursachen der Weißfleckenkrankheit wird immer noch geforscht. Die Weißfleckenkrankheit tritt bei allen Hauttypen und Altersgruppen auf.
Eine Theorie ist, dass es sich bei Vitiligo um eine Autoimmunreaktion gegen die körpereigenen Zellen die das Melanin produzieren, handelt. Auch Haare an betroffenen farblosen Hautabschnitten können ebenfalls weiß sein, müssen es jedoch nicht.
Vitiligo-Betroffene haben mitunter auch mit anderen Krankheiten mit immunologischer Ursache, wie zum Beispiel Schilddrüsenstörungen oder Diabetes mellitus, zu kämpfen. Dies spricht für diese Hypothese. Die Krankheit selbst verursacht keine körperlichen Beschwerden, kann aber zu Folgekomplikationen führen. Vitiligo-Betroffene können durch die optisch teils großen sichtbaren Flecken psychische Leiden entwickeln. Zudem ist die sehr helle Haut UV-Licht schutzlos ausgesetzt was zu einem höheren Risiko an Hautkrebs zu erkranken führen kann, sollte kein optimaler Lichtschutz eingehalten werden. Sehen die weißen Flecken immer gleich aus? Die weißen Hautregionen sind unterschiedlich groß und geformt. Besonders häufig treten die weißen Flecken an den Extremitäten, am Kopf und in der Genitalregion auf.

Neben der Theorie der autoimmunen Ursache gibt es noch 2 weitere Ansätze:
Die Autoaggressions-Hypothese basiert auf dem Ansatz dass bei Vitiligo der Zellstoffwechsel der Pigmentzelle gestört ist und bestimmte Enzyme und Zellgifte die Melanozyten zerstören.
Die Neurogene Hypothese sieht Ursachen in körperlichen oder psychischen Stress dass Nervenzellen bestimmte Stoffe abgeben, die das Immunsystem aktivieren. Auch hierdurch könnte es letztlich zu zerstören Melanozyten kommen.

Kann Vitiligo behandelt werden? Ärzte setzen vorwiegend Lichttherapie (Phototherapie) ein. Die Haut wird mit Licht spezieller Wellenlänge bestrahlt welches die Pigmentbildung anregen kann. Zur Therapie stehen außerdem Salben mit Kortison und anderen Wirkstoffen zur Verfügung. Heilbar ist Vitiligo bislang nicht.

Vitiligo als Merkmal eines individuellen Menschens?

Vitiligo ist besonders durch die mutige Chantelle Brown-Young alias Winnie Harlow („America’s Next Top Model“ Kandidatin) publiker geworden. Als Kind wurde Chantelle Brown-Young wegen ihrer weißen Hautflecken gehänselt. Dies führte sogar zu Suizidgedanken. Heute ist sie Model mit zwei Hautfarben. Sie lief schon auf der Londoner Fashion Week und New York Fashion Week. Wirkte im Musikvideo zu „Guts Over Fear“ von Eminem mit. Sie ist das Gesicht einer Kampagne der spanischen Firma Desigual sowie Diesel. Und die Buchungen gehen weiter.

Zur Website von Model Chantelle Brown-Young.

Auch andere bekannte Persönlichkeiten sind von Vitiligo betroffen. Der berühmteste Fall der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) war Michael Jackson. Der 2009 gestorbene „King of Pop“ überschminkte seine Pigmentstörungen allerdings, sodass seine weißen Flecken nur selten zu sehen waren.
Chantelle Brown-Young hat durch ihre Teilnahme der TV-Show und den Schritt in die Öffentlichkeit neues Selbstbewusstsein erlangt. Inzwischen hat die Vitiligo-Betroffene riesige Fangemeinde.

Es ist großartig, dass Menschen sich zeigen können wie sie sind auch wenn sie wie im Falle von Chantelle ein optisch hervorstechendes Merkmal haben, was die Gesellschaft wegen seiner Abnormalität gleich zu vorverurteilen droht. Auch mit (und ein bisschen auch wegen) der weißen Hautflecken ist Chantelle Brown-Young eine bildschöne Frau. Stark ohnehin. Doch was steckt wirklich hinter den Marketing-Kampagnen der großen Designer und der Modeindustrie? Ist es der Wunsch nach Aufklärung? Ist es die Entdeckung zur Individualität? Aufmerksamkeit? Schlussendlich können diese und auch weitere Fragen nur die Marketing-Experten selbst beantworten. Was bleibt ist, die Botschaft die transportiert wird. Das man auch mit einem optischen Handicap schön sein kann. Dass man nach Individualität dürstet, um sie gekoppelt an Selbstbewusstsein gleichsam bewundern kann. Eben nicht 0815 sondern anders, authentisch und besonders. In der Mode, Musik und weiteren Bereichen. Am wichtigsten ist jedoch der unkommerzielle Teil: als Mensch.

Weitere Informationen zum Thema Weißfleckenkrankheit (Vitiligo):
Deutscher Vitiligo Verein e.V.
Deutscher Vitiligo-Bund e.V.


SoBehindert: Stell dir vor du bist behindert und dein Leben ist anders als das aller Anderen

SoBehindert ist ein YouTube Kanal von und mit Jan Karres, der offen über Behinderungen spricht. Mit seiner lockeren und selbstverständlichen Herangehensweise an das Thema Behinderungen baut er Hürden ab, schafft Möglichkeiten zum Austausch, beantwortet Fragen und interviewt Andere mit Hadicaps.

„SoBehindert ist schon ein behinderter Namen für einen Channel, meint ihr nicht auch? Vielleicht aber nicht wirklich, wenns wie bei mir wirklich um das Thema Behinderung geht. Freut euch auf Videos in denen wir euch das Thema Behinderung näherbringen und euch zeigen möchten, dass es häufig gar nicht so dramatisch ist behindert zu sein.“

Zum YouTube Kanal SoBehindert

Jan Karres (20) studiert Wirtschaftsinformatik an der Munich University of Applied Sciences. Seit seinem zwölften Lebensjahr beschäftigt er sich mit der Entwicklung von Webseiten und Webapplikationen. Über Fotografie gelang er zu seiner aktuellen Herausforderung, YouTube und die damit verbundene audiovisuelle Gestaltung des Mediums Video. Der projekthunrige und viel interessierte Jan Karres transportiert humorvoll wesentliche Aspekte zum Thema Behinderung – offen und frei raus: er geht normal damit um. Aufgeschlossen anderen Behinderungen gegenüber. Wertfrei.
Jan hat selbst eine körperliche Behinderung (60 %). Konkret eine Hemiparese, kurz eine Spastik in der rechten Körperseite. Seine rechte Hand ist nur grobmotorisch einsatzfähig und er humpelt. Jan Karres lässt sich von seiner Behinderung nicht einschränken und macht vor allem eins: Gas geben und seine Interessen ausleben und was daraus machen.


Von der Piste in die Querschnittslähmung

Ex-Sistrans-Kicker Benedikt von Ulm-Erbach bricht sich beim Snowboarden das Genick. Das Unglück geschah einen Tag vor Sylvester 2010. Nach dem schrecklichen Unfall stellten Ärzte ihm die Diagnose: Querschnittslähmung. Seitdem ist er ab dem sechsten Halswirbel gelähmt. Die Erinnerungen an den Schock-Moment sind in Benedikt von Ulm-Erbachs Gedächtnis verblasst. Durch starke Schmerzmedikamente ist die Erinnerung an die erste Woche nach dem Ereignis, das ein ganzes Leben umkrempelt, ebenfalls weg. Vier Wochen blieb er in der Klink und wurde dort direkt nach dem Unfall operiert.

Geduld ist seit dem Unglück ein treuer Begleiter. Alles dauert mit einer Querschnittslähmung länger. Hinzu kommt, dass er seitdem seine Finger nicht richtig bewegen kann. In der sechs monatigen Reha begriff er, dass die Funktionen nicht mehr zurückkommen werden. Schritt für Schritt kämpfte er sich zurück und erlernte alles neu, was vor dem Unfall nicht einmal nennenswert war. Zuversicht machte sich in ihm breit, gepaart mit dem Willen aus der Situation was zu machen. Er sagt selbst über sich, dass er sich relativ schnell an die neue Situation gewöhnt hat. Das unmittelbare Bewusstsein, dass er sich schwer verletzt hat, habe ihm geholfen nicht in einen Schockzustand oder eine Depression zu verfallen.

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich einfach auch einmal zufrieden bin.

Benedikt von Ulm-Erbach

Benekicktz

Fußballturnier Benekickt’z. Hilfe für Menschen mit Querschnittslähmung.

Drei Jahre mit der Querschnittslähmung arbeitet er wieder voll. In seiner Freizeit tut er genau das, was anderen auch Freude und Entspannung bereitet, er trifft Freunde, ist sportlich aktiv und versucht das Beste aus seinem Leben zu machen.
Heute organisiert er mit seinen Freunden jedes Jahr das Fußballturnier Benekickt’z. Das Projekt wurde als Hilfe für Benedikt ins Leben gerufen. Inzwischen helfen die Spendengelder anderen Menschen mit Querschnittslähmung. Dieses Jahr fand das Tunier bereits zum 5. Mal statt.

Ich versuche immer zu sehen, was ich alles kann und nicht, was ich nicht kann. Denn ich habe immer noch sehr, sehr viele Möglichkeiten.

Benedikt von Ulm-Erbach


Erste doppelte Hand-Transplantation bei einem Kind geglückt

Zion Harvey verlor im Alter von zwei Jahren aufgrund einer schweren Infektion und einer darauf folgenden Blutvergiftung (Sepsis) beide Hände und Füße. Seit er vier ist lebt er bereits mit einer Spenderniere, welche er nach einer weiteren schweren Infektion dringend benötigte. Damit fremde Organe vom Immunsystem nicht abgestoßen werden, bekommen Transplantations-Patienten Medikamente.

Die Geschichte des kleinen Zion berührt unglaublich. Jetzt ändert sich das Leben von Zion: in einem zehnstündigen Eingriff hat der in Baltimore lebende Junge zwei Spenderhände und Teile des Unterarms von einem Team aus 40 Spezialisten transplantiert bekommen. Laut Children’s Hospital of Philadelphia, in welchem die Operation stattfand, ist es der erste Eingriff dieser Art der bei einem Kind durchgeführt wurde. Die Tatsache, dass Zion bereits Medikamente gegen die Abstoßung von Spenderorgane nahm, spielte bei der Entscheidung für die Transplantation der Hände eine entscheidende Rolle.

Der tapfere Zion trägt Prothesen die seine Füße ersetzen. Durch sie kann er gehen, laufen und sogar springen. Prothesen werden in der heutigen Zeit immer besser. Es ist notwendig, dass diese Hilfsmittel mit der Zeit noch besser werden und allen Menschen unabhängig von Herkunft und finanziellen Mitteln zur Verfügung stehen. Gute Prothesen schenken Lebensqualität. Für Kinder ist Beweglichkeit gerade in der Entwicklung so sehr wichtig.

Wie sieht so ein Transplantationseingriff aus? Im Fall von Zion Harvey arbeiteten vier Ärzteteams parallel, um dem Jungen die beiden Spenderhände geben zu können. Zwei Teams konzentrierten sich auf die Spenderhände. Zwei auf den tapferen Jungen. Chirurgen verbanden die Unterarmknochen mit den neuen Spenderhänden. Arterien und Venen wurden als nächstes verbunden. Nachdem der Blutfluss gewährleistet ist, werden die vielen Muskeln, Sehnen und Nerven miteinander verbunden. Die Familie musste nicht mehr Kosten übernehmen, als die Versicherung zahlte.

Ich wünsche Zion Harvey und seiner Familie alles Gute. Sie müssen unglaubliches durchstehen. Auf dass Zion schon sehr bald so viele Bälle werfen kann, wie er möchte.


Projekt: Junge Malteser helfen Behinderten im Libanon

Libanonprojekt - Junge Malteser helfen Behinderten im Libanon

Foto: Libanonprojekt. Junge Malteser helfen Behinderten im Libanon.

Als Franziskus Heereman 1997 bei einer Reise in den Libanon mit unerträglichen Umständen kranker und behinderter Menschen vor Ort konfrontiert wurde, entstand die Idee des „Libanonprojekts“. In Behindertenheimen erschütterten ihn die Zustände zutiefst. Kahle Räume. Fixierungen. Menschen in unwürdigen Zuständen dicht an dicht den Alltag fristend.

Franziskus Heereman sah aktuen Handlungsbedarf und ging ein Jahr später mit 27 Freunden zurück in den Libanon, wo Hilfe dringend bebraucht wird. Das „Libanonprojekt“ organisierte einen Ferienaufenthalt in den libanesischen Bergen, wo behinderte Menschen die in menschenunwürdigen Zuständen hausen, Nähe, persönliche Betreuung und liebevolle Zuwendung erfuhren. Diese Möglichkeit schufen Jugendliche und junge Erwachsene, unter ihnen Franziskus Heereman, damals 21 Jahre alt.
Bis heute haben mehr als 350 jugendliche Helfer Zeit und Geld investiert, um die Zustände behinderter und kranker Menschen im Libanon zu verbessern. Viele von ihnen kehren jährlich dorthin zurück. Das Projekt zeigt mittlerweile auch Wirkung bei den libanesische Jugendlichen. Inzwischen sind bis zu einem Drittel der Volontäre Libanesen.

Die Beziehung zwischen den behinderten Menschen und dem Projekt wird als Freundschaft verstanden. Das Projekt ist diesen Menschen zur Treue verpflichtet. […] Im Sinne der Treue strebt das Libanonprojekt stets eine langfristige Finanzierung der Aktivitäten an.

(aus dem Leitfaden des Libanonprojekts)

Seit 2005 studieren die Helfer ein Theaterstück ein und touren damit durch Deutschland.

Das Projekt braucht Helfer die Zeit investieren damit es Menschen besser geht.


Honig im Kopf – Wenn vieles in Vergessenheit gerät

Til Schweiger gelingt mit seiner deutschen Tragikomödie „Honig im Kopf“ (2014) ein berührender und authentischer Film. Er schrieb das Drehbuch zusammen mit Hilly Martinek, führte Regie und spielt den Sohn „Niko Rosenbach“ des an Alzheimer erkrankten Hauptprotagonisten „Amandus Rosenbach“ alias Dieter Hallervorden.

Til Schweiger ist die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Alzheimer sehr gut gelungen. Der Film berührt, kommt jedoch nicht zu schwer daher. Er erzählt authentisch die Geschichte des ehemalige Tierarztes Amandus Rosenbach (gespielt von Dieter Hallervorden), der zunehmend unter Alzheimer leidet. Er zeigt ergreifend den immer weiter voranschreitenden geistigen und motorischen Verfall des Hauptprotagonisten. Thematisiert die „Abschiebung“ in eine betreuende Einrichtung, da der Familie alles über den Kopf wächst oder das Haus abzufackeln droht. Der elfjährigen Ekelin Tilda (Emma Schweiger) passt es nicht, dass der Opa ins Heim kommen soll. Überfoderung hin oder her. So begeben sich Amandus und seine „kleine Prinzessin“ Tilda schließlich auf eine Reise nach Venedig, wo Amandus seinerzeit mit seiner Frau die Flitterwochen verbrachte. Inspiriert durch die Worte des Kinderarztes Dr. Ehlers, dass es für Alzheimer-Patienten hilfreich sein kann, altbekannte Orte wiederzusehen. Die Reise beginnt und nimmt ihren Verlauf – mit Hürden und die von Anfang an. Schon bald ist die Krankheit Amandus‘ so weit fortgeschritten, dass er Tilda nicht mehr als seine Enkelin erkennt. Zum perfekten Zeitpunkt finden Papa Niko und Mama Sarah die Tochter samt Opa und treten zu viert die Heimreise nach Hamburg an.

Der Film thematisiert das Zusammenfinden von Menschen. Sohn und Vater. Oper und Ekelin. Mama, die eigentlich eine Affäre mit ihrem Chef Serge hat(te) und ihrem Mann Niko. Sehenswert gelöst. Neun Monate nach dem Venedigbesuch steht Nachwuchs ins Haus, der nach seinem kranken Großvater benannt wird. Amandus lebt noch eine glückliche Zeit mit seiner Familie. Schließlich stirbt er in Tildas Beisein an Herzversagen.

Absolut beeindruckend und überzeugend sind die schauspielerischen Leistungen von Dieter Hallervorden in einer eben nicht komischen Rolle als auch die Emma Schweigers. Hallervorden ist es voll gelungen Amandus absolut glaubwürdig, spannend, berührend und mitreißend (und komisch!) zu verkörpern.

Der Film bietet obendrein noch Momente des Lachens, was ich gerade bei den Thematiken Alzheimer und Zusammenfinden von Menschen sehr spannend und positiv finde. Der Film stimmt nachdenklich, lässt einen jedoch am Ende nicht verstört zurück. Filmtipp!

Zur Film-Website „Honig im Kopf“

Übrigens, ebensfalls Mitwirkende:
Udo Lindenberg (er selbst), Helmut Zierl (Restaurantgast), Samuel Koch (Ticketverkäufer), Anneke Kim Sarnau (Heimleiterin), Lilly Liefers (Smylla), Jeanette Hain (Sarah Rosenbach), Jan Josef Liefers (Serge), Claudia Michelsen (Oberin), Katharina Thalbach (Vivian) u.m.