Arbeiten mit Menschen mit Behinderung

Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung. Davon 4 Millionen im erwerbsfähigen Alter. Doch leider haben nicht alle einen Arbeitsplatz. Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung liegt bei ca. 15 % und ist damit fast doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Handicap. (Quelle: Aktion Mensch) Das Sozialgesetzbuch schreibt, abhängig von der Unternehmensgröße, einen gewissen Prozentsatz an Arbeitskräften mit Behinderung vor. Ist das Einstellen eines behinderten Menschen folglich nur eine Pflicht oder eine Art Sozialprojekt? Viele Unternehmen empfinden diese Kräfte nur als Einschränkung in ihrer Arbeit. Doch das ist der falsche Ansatz. Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung haben Stärken und Schwächen. Im besten Fall sollte der Arbeitgeber diese Teilhabe fördern, um ein Maximum an Produktivität und Loyalität für sein Unternehmen zu generieren.

Ein Projekt für Inklusion
Die Veranstaltungsreihe „Zero Projekt Unternehmensdialog“ engagiert sich in Österreich für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Sie informieren über:

  • Rahmenbedingungen
  • innovative Beispiele
  • Nutzen für Unternehmen
  • Erfahrungen von Unternehmer

 

Zero Projekt möchte zeigen, dass durch die Integration von Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt eine Win-Win-Situation für die Gesellschaft, das Unternehmen und den Einzelnen entsteht sowie langfristig ein Mehrwert auf allen Ebenen geschaffen wird.

Erfolgsfaktor Behinderung
Eine Behinderung bedeutet für den Menschen eine Einschränkung, die jedoch umgangen werden kann. Viele entwickeln besondere Fähigkeiten oder versuchen ihre Stärken zu verbessern. Ein Beispiel dafür sind gehörlose Menschen. Sie können in einem hektischen Umfeld konzentrierter arbeiten und haben eine hohe Produktivität. Autisten sind besonders strukturiert und besitzen exzellentes analytisches Denkvermögen. Auch besitzen sie eine hohe Toleranz gegenüber Routinetätigkeiten. Bei Menschen mit einer Sehbehinderung ist der Tastsinn besonders ausgeprägt. Das kann in vielen Berufen sehr nützlich sein.

Solche Stärken sollten genau wie bei jedem anderen Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. Eine Behinderung bedeutet nicht automatische eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Behinderte attestieren eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Arbeitsleistung und sind meist eine kaum beachtetet Ressource. Wird offen darüber auf der Arbeit kommuniziert, können Stereotypen oder auftretende Probleme abgebaut werden. Die Kollegen können sich besser aufeinander einstellen und produktiver am Arbeitsplatz miteinander arbeiten. Sie stellen keine Frage wie: „Warum kommt er nie mit in die Kantine, warum hat sie Probleme mit großen Menschenmengen, warum macht er seine Aufgaben schneller und gründlicher, warum braucht sie mehr Struktur?“ Die Verhaltensweisen werden kennen gelernt sowie verstanden. Die Beteiligten müssen nicht versuchen sich zu verstellen, sodass die Authentizität erhalten bleibt und das Gemeinschaftsgefühl verbessert wird. Die daraus resultierende Motivation schafft eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit und damit langfristig eine geringere Fluktuation. Ein Mehrwert auf allen Ebenen.

Win-Win-Situation
Menschen mit Behinderung sind eine Bereicherung für alle Parteien in verschiedensten Berufen. Sie sind besondere Talente, die als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden können. Zu Beginn der Beschäftigung sollte abgeklärt werden, worauf geachtet werden muss, was erwartet werden kann und was nicht. Die Arbeitsförderung sollte durchdacht werden. Job Coaches sind oft einen gute Möglichkeit um dafür Unterstützung zu erhalten. Durch Aufklärung und Umdenken können Barrieren gemindert und Stärken eines jeden gefördert werden. Das Potenzial von Arbeitskräften darf niemals verschwendet werden – weg von der Behinderung, hin zu Fähigkeiten, Talenten und Inklusion.


Ein besonderer Künstler

Straßenkünstler, die Zauberer, die Straßen verschönern und zum Nachdenken anregen. So auch der Künstler Mr. White – ein Mann, der als Kind eine Verletzung des Rückenmarkes erlitt und seitdem im Rollstuhl sitzt. Er lebt in New York City und nutzt Gebäude und Wände als seine Leinwand. Spraydosen, Schablonen, Kleister und Poster sind seine Werkzeuge. Mit ihnen kreiert er Kunstwerke, in denen er die Kunst alter Maler wie zum Beispiel Van Gogh mit seiner eigenen verbindet und neues schafft. Als er nach New York kam und seine Bilder Galerien zeigte, erhielt er nur Ablehnung. Nun sind die Straßen seine Galerie. Dort bekommt er die verdiente Anerkennung. Die Kunst ist für jedermann und zeigt aktuelle Themen und Diskussionen. Schauen Sie doch mal auf sein Instagram Profil und lassen sich faszinieren: B.D. White


Therapeutisches Reiten

„Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende“   Paul Moor

Therapeutisches Reiten – viel mehr, als nur auf einem Pferd sitzen… Diese Form der Behandlung umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die mittels eines Pferdes umgesetzt werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen lernen dem Pferd als Partner zu vertrauen und mit ihm zu arbeiten. Die Pferde, die sanften Riesen vermitteln dabei Ruhe und Zufriedenheit. Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThr) ist ein Fachverband, der bundesweit in den Bereichen Hippotherapie, Heilpädagogische Förderung, Ergotherapeutische Behandlung und Reiten für Menschen mit Behinderungen agiert. Doch was genau machen die einzelnen Bereiche und welche Auswirkungen haben sie?

Hippotherapie 
Die Hippotherapie wird auf neurophysiologischer Grundlage verstanden und beinhaltet die Arbeit mit dem Pferd bei der Physiotherapie sowie Ergotherapie. Der Patient mit neurologischen Symptomen sitzt dabei auf dem Pferderücken und reagiert auf die Bewegungsimpulse der Gangarten. Das Becken und die Wirbelsäule des Menschen bewegen sich und der gesamte Bewegungsapparat pendelt sich neu ein. Spastische, stark angespannte Muskeln entspannen sich und schlaffe spannen sich an. Das Gefühl für die eigene Körpermitte wird gefördert. Schon in der Antike wurde diese Behandlung verwendet. Heutzutage ist die Hippotherapie eine verordnete Fachbehandlung, die von Physiotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung durchgeführt wird.

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd
Die Heilpädagogische Förderung ist der Hippotherapie sehr ähnlich, jedoch liegt der Schwerpunkt auf der Förderung der geistigen und sozialen Entwicklung. Sie ist in der Pädagogik, der Psychologie sowie bestimmten Bereichen der Psychiatrie verbreitet. Präventiv wird sie zusätzlich zur motorischen und pädagogischen Förderung von Kindern an Kindergärten und Schulen eingesetzt. Ein Pädagoge oder Psychologe mit entsprechender Zusatzausbildung führt diese Behandlung durch.

Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd
-durchgeführt von speziell ausgebildeten Ergotherapeuten
Die Ergotherapie mit dem Pferd zielt darauf ab Menschen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu unterstützen. Durch neurophysiologische, wahrnehmungsorientierte und psychomotorische Behandlungskonzepte sollen sie handlungsfähig werden, an der Gesellschaft teilhaben und seine Lebensqualität damit verbessern. Durch die Bewegung, die Beziehung und die unmittelbaren Erfahrungen mit dem Pferd werden die Behandlungsmethoden der klassischen Ergotherapie erweitert.

„Auf dem Pferd hat jeder Mensch vier gesunde Beine.“   Gottfried von Dietze

Reitsport für Menschen mit Behinderungen
Für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung stellt das Reiten oder Voltigieren eine unglaubliche Freiheit dar. Es ist ein sportliches Lern- und Übungsfeld, das neben dem Knüpfen von sozialen Kontakten auch behinderungsbedingten Bewegungseinschränkungen entgegen wirkt. Diese Behandlung ist mehr als Freizeitgestaltung zu sehen und ergänzt als paralleler Ansatz die oben genannten Fachbereiche. Der Reitsport ist eine Sportart, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammen ausüben können und näher bringt.

Checkliste der Auswirkungen der einzelnen Behandlungsbereiche
Im Folgenden sind die Auswirkungen auf die emotionalen, sozialen, motorischen und sensorischen Bereiche, die durch das therapeutische Reiten erreicht werden sollen. Menschen jeden Alters werden unterstützt und können sich weiterentwickeln. (Quelle: Therapeutisches Reiten Mönchengladbach)


Emotional / kognitiver Bereich

  • Abbau von Ängsten und Aggressionen
  • Einlassen auf Nähe
  • Ich-Stärkung
  • Förderung von innerer Ruhe und Entspannung
  • Stärkung von Mut und Selbstvertrauen
  • Verbesserung der Frustrationstoleranz und Ausdauer
  • Verbesserung der Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Förderung der Vorstellungsfähigkeit und Sprachentwicklung

 

Sozialer Bereich

  • Kontaktbereitschaft, Kooperation und Respekt gegenüber anderen
  • Verbale und nonverbale Kommunikation
  • Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme
  • Strukturen und Grenzen erkennen und einhalten
  • Vertrauen aufbauen und verantwortlich handeln
  • Tierliebe
  • Aufbau von Beziehungen zum Pferd und zu Menschen

 

Motorischer Bereich

  • Verbesserung der körperlichen Stärke und Ausdauer
  • Abbau von Spannungen
  • Förderung der Grob- und Feinmotorik
  • Verbesserung des körperlichen Gleichgewichts
  • Verbesserung der Körperkoordination

 

Sensorischer Bereich

  • Stärkung der Eigenwahrnehmung
  • Verbesserung des Gleichgewichts
  • Berührungsreize
  • Bessere Verarbeitung der Wahrnehmung im visuellen und auditiven Bereich

Barrieren im Kopf

Die Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ist manchmal schwieriger, als man denkt. Darf man jemanden mit Blindenstock helfen, darf man die Behinderung direkt ansprechen oder darf man zu einem Rollstuhlfahrer sagen: „Komm, lass uns losgehen?“ So einfache Dinge können den Alltag beschweren, sind aber nicht weiter tragisch. Im Folgenden ist ein kleiner Knigge mit zehn Hinweisen, die den Umgang mit Menschen mit und ohne Handicap unterstützt:

  1. Small Talk: Keine plumpe Neugier – keine direkten Fragen zur Behinderung
  2. Alltag: Unterstützung anbieten – erst helfen, wenn man aufgefordert wird
  3. Anrede: Reden Sie mit dem Menschen – nicht mit der Begleitperson sprechen
  4. Respekt: Beachten Sie die Distanzzonen – Eigentum und Hilfsmittel nicht anfassen
  5. Normalität: Keine Angst vor Redewendungen – gängige Formulierungen sind ok!
  6. Sorgfalt: Vorsicht vor Diskriminierung – statt „Behinderte“ besser „Menschen mit Behindeurng“
  7. Ansehen: Suchen Sie Blickkontakt – Menschen aktiv ansehen
  8. Beachtung: Der Dolmetscher hat die Nebenrolle – Gesprächspartner ansehen
  9. Information: Kommunizieren Sie besser zu viel, als zu wenig – bei der Begrüßung etc.
  10. Bewusstsein: Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen – den Menschen kennenlernen


Eine barrierefreie Website

Am vergangenen Mittwoch, den 29. März richtete die LEAN DUS eine Veranstaltung zu dem Thema „Barrierefreies Webdesign“ aus. Die Barrierefreiheit ist schon seit dem Jahr 2002 nicht nur im Behindertengleichstellungsgesetz verankert, sondern auch ein wichtiger Diskussionspunkt, der die Barrierefreiheit als Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Webseiten fordert. Jedoch sind nur wenige Seiten wirklich barrierefrei.

Um die Wichtigkeit der Thematik den Besuchern der Veranstaltung vor Augen zu führen, zeigte zunächst Ingo Emons, Leiter der digitalen Plattform der Aktion Mensch, mit einem Video, dass die Menschen mit Behinderung, die vor dem PC, Laptop oder Smart Device sitzen, ein Gesicht haben, keine gefühllosen Computer sind und unterstützt werden müssen.

In dem Video lernen sich verschiedene Darsteller mit oder ohne Behinderung das erste Mal kennen und versuchen miteinander zu kommunizieren. Je nach Behinderung, ist dies nicht immer einfach und mit Hindernissen verbunden. Jedoch schaffen es die Darsteller sich zu verständigen und reißen damit die Barrieren nieder. Damit sollte die Motivation eines jeden angeregt werden, sich zu beteiligen und aktiv für barrierefreier Webseiten einzusetzen. Danach hielt Jan Hellbusch, Experte für barrierefreies Webdesign und Accessibility -Content, einen Vortrag über die Rahmenbedingungen der Gestaltung und verschiedenen Anforderungen und Lösungsstrategien.

Warum ist Barrierefreiheit wichtig?
Menschen mit Behinderung stehen im Web vor diversen Barrieren. Eine barrierefreie Umsetzung ist für 30% wichtig und für 10% sogar unerlässlich. Blindheit, Gehörlosigkeit, Motorische oder kognitive Einschränkungen stellen die Seitenbetreiber vor eine Herausforderung. Meist werden Barrieren durch assistive Technologien, wie ein Screereader, gelöst -jedoch nur teilweise, besser ist ein ganzheitliches barrierefreies Design. Es gibt Standards, wie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV)  und Richtlinien (WCAG), die bei der Umsetzung unterstützen. Doch welche Bereiche werden dabei behandelt:

  • Schrift und Kontrast
  • Bedienflächen
  • Bildtexte
  • Spracheinstellung und Struktur
  • Formulare
  • Videoplayer

 

Was bedeutet dies für die Praxis?
Die Umsetzung bedarf keiner Komplexität und sollte nach bestimmten Grundregeln geführt werden. Die Webseite sollte nach dem Selbstbestimmungs-Prinzip agieren: Das ermöglicht eine individuelle Anpassung an Seitenformat, Farbe und Schriftgröße. Ist das Design dann noch universell, ist eine Lösung für alle Nutzer geschaffen – besonders interessant auch für die Betreiber, da eine einhetiliche Version für alle leichter zu aktualisieren und zu betreiben ist. Des weiteren sollte nach dem Zwei-Sinne Prinzip die Seite aufgebaut werden. Jede Information sollte mit dem Auge oder dem Gehör wahrgenommen werden können. Auf diese Weise beschränkt man die Barrieren, da nur wenige Menschen beide Handicaps besitzen.
Die zweite Grundregel beinhaltet die allgemeinen Designprinzipien. Diese werden nach Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit, Robustheit gestaltet. Darunter fallen zum Beispiel Untertitel für Audio- und Videodateien, Navigation- und Eingabehilfen sowie maximale Kompatibilität mit Browser und Hilfsmitteln.
Weitere Grundregeln behandeln ein barrierefreies HTML, barrierefreie Rich Applications und barrierefreie Dokumente. Dort müssen bei der Programmierung und Bereitstellung diverse Vorschriften befolgt werden, um eine reibungslose Nutzung zu gewährleisten. Diese beinhalten zum Beispiel eine korrekte Dokumentsprache, eine richtige Trennung von Inhalten und Design, sowie die Funktionalität verschiedener Bereiche wichtig. Menschen mit Sehbehinderung nutzen zum Beispiel Screenreader, die nur unter bestimmten Voraussetzungen optimal funktionieren.

Zukunftsausblick

Von Barrierefreiheit profitieren alle:

  • Kognitive Behinderte
  • Seh-Behinderte
  • Hör-Behinderte
  • Suchmaschinen
  • Senioren
  • Mobile Nutzer
  • Unerfahrene Nutzer
  • Motorische Behinderte

 

Diese Relevanz muss jedem bewusst und eine Accessibility auf allen Ebenen geschaffen werden.
Ein barrierefreies Webdesign ist ein weiterer Grundpfeiler der Inklusion. Die Folien des Vortrages von Jan Hellbusch sind unter folgendem Link nachzulesen: http://2bweb.de/services/pdf/20170329-WCAG-2.0-erfolgreich-umsetzen.pdf


Selbstbestimmt leben mit persönlicher Assistenz

Das selbstbestimmte Leben – für Menschen ohne Behinderung etwas selbstverständliches. Doch was machen Menschen, die eine schwere Behinderung habe, die nicht für sich selbst sorgen und den Alltag bewerkstelligen können. Für sie gibt es die Option einer privaten Assistenz, die sie in ihrem Leben begleitet sowie Arme und Beine ersetzt.

Was ist persönliche Assistenz?
Die Persönliche Assistenz ist eine Unterstützung für Menschen mit Schwerbehinderung und Pflegebedürfnis. Aufgaben des Alltags, einfache Muskelarbeit und selbstverständliche Bedürfnisse werden durch diese ausgeführt. Die Aufgaben lassen sich nicht in einzelne Bereiche aufteilen, sondern werden von Tag zu Tag individuell auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt. Dazu gehören die Hilfen zur Pflege, im Haushalt, bei der Begleitung oder bei der Handreichung. Eine solche Assistenz wird meist von mehreren Assistenten ausgeführt, da die Betroffenen auf eine 24-stündige Unterstützung angewiesen sind. Generell ist im Bundesteilhabegesetz festgehalten, dass alle behinderten Menschen, unabhängig von Art und Schwere ihrer Behinderung ein Recht auf persönliche Assistenz haben. Dies garantiert eine Unterstützung seitens der Politik, jedoch ist die Umsetzung schwierig. Zu differenzieren ist zwischen der privaten und „öffentlichen“ persönlichen Assistenz. Es besteht die Option in einer Einrichtung mit Pflegepersonal zu leben oder selbst sich Pflegekräfte zu Hause anzustellen. Letzteres bringt die Betroffene in die Rolle eines Arbeitgebers. Die Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer stellen über den Arbeitsmarkt ein Team mittels Arbeitsverträge zusammen. Die Aufgaben und Pflichten in Hinsicht auf Organisation, Anleitung und Finanzen, die sonst der Pflegedienst übernimmt, werden dadurch übernommen.

Ist Assistenz ein Luxus?
Die private Assistenz klingt nach Luxus. Jemand an seiner Seite zu haben, der für einen den Einkauf erledigt, das Essen zubereitet, die Wohnung säubert und Wäsche macht. Doch neben diesen Aufgaben stehen zum Beispiel auch Toilettengänge oder die Körperpflege an. Ein Verlust der Privatsphäre. Doch als diese darf man die Arbeit der Assistenten nicht ansehen. Ohne sie, wären Menschen mit Behinderung, ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden nicht möglich. Auch muss man den Assistenznehmer als Geschäftsführer und sein Leben als kleines Pflege-unternehmen sehen. Die Verwaltungsarbeiten werden unentgeltlich geleistet, denn sämtliche Mittel werden in Arbeitnehmerkosten umgewandelt. Entscheidet man sich für diese Art des selbstbestimmten Lebens, muss man dann nur noch eine geeignete Assistenz für sich finden.

Vermittlung von persönlicher Assistenz
Die richtige Assistenz – wie finden? Die Frage nach persönlichen Assistenten und Assistentinnen ist groß. Nur wenige Stellengesuche sind zu finden, doch Angebote sind genügend. Der Job ist eine Alternative zu herkömmlichen Pflegeberufen und bedarf keiner Ausbildung. Aus diesem Grund werden auch oft nach unausgebildeten Helfern gesucht – meist nach Studenten, die sich neben ihrem Studium etwas dazu verdienen möchten. Vorkenntnisse sind meist nicht gewünscht. Doch ist ein Bewerber endlich gefunden, muss schließlich die Empathie entscheiden. Er wird zum Teil des Lebens des Assistenznehmer. Eine wichtige Entscheidung, die nicht unüberlegt sein darf.


Barrierefreiheit bei Facebook

Facebook ist einer der größten sozialen Netzwerke im Internet. Aktuell wird die Plattform optimiert und eine Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung geschaffen. Das Netzwerk will mithilfe künstlicher Intelligenz akustische Hilfen für Blinde einführen. Fotos werden dann „vorgelesen“. Postet ein Freund ein Bild von sich und seiner Frau, so ertönt eine Stimme mit den Worten: Hier steht XY mit seiner Frau. In der Zukunft soll dieses Tool noch verfeinert und die Fotos detaillierter beschrieben werden. Dann werden zum Beispiel noch der Hintergrund und bestimmte Merkmale wieder gegeben. Aber auch die Erweiterung für Menschen mit anderen Behinderung ist ein wichtiges Thema, das Facebook anstrebt. Das Ziel: Ein inklusives Facebook auf allen Ebenen. http://www.facebook.de


Yoga für Menschen mit Behinderung

Yoga – die Arbeit mit Körper, Atem und Geist. Diese Sportart erfordert eine Sensibilität, die viele Menschen erst erlernen müssen. Menschen mit Behinderung, unabhängig ob körperlich oder geistig, sind sehr sensible und besitzen so die idealen Voraussetzungen für die Yogapraxis. Neben der Förderung von Mobilität wird beim Yoga die innerliche Stärke unterstützt. Menschen mit Handicap stärken auf diese Weise ihren Körper, bauen Ängste ab, finden ein neues Gleichgewicht und Entspannung. Ein voll funktionstüchtiger Körper wird nicht gebraucht. Es werden Alternativ-bewegungen angeboten, die mit der Art und Grad der Behinderungen des jeweiligen im Einklang steht. Doch wie sieht diese Form des Yogas aus?

Kundalini Yoga
Schaut man sich zunächst den Grundpfeiler des Yogas die Atemübungen an, ist ersichtlich, dass Yoga für alle ist – auch für Menschen mit einer Querschnittslähmung. Die Teilnehmer versuchen durch verschiedene Atemtechniken sich zu entspannen und zu sich selbst zu finden. Dadurch wird die Muskulatur gelöst, die Konzentration gefördert und der Geist beruhigt. Im Weiteren schaut man sich die Übungen an, die sogenannten Asanas. Dort muss man quer denken. Die klassische Ausführung der Asanas ist sehr anspruchsvoll. Nur wenige Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, könne diese in Perfektion ausführen. Die Übungen werden jedoch so angepasst, dass sie ohne Probleme auszuführen sind. Jeder fängt dort an, wo er sich wohl fühlt. „Kundalini Yoga“ nennt sich das Yoga speziell für Menschen mit Behinderung. Es gibt Unterricht sogar extra für Rollstuhlfahrer. Dort werden die Übungen problemlos sitzend im Rollstuhl ausgeführt. Yogalehrer und Yogalehrerinnen mit spezieller Ausbildung unterrichten mit Sympathie und Einfühlungsvermögen.

Auswirkungen
Steif- und Trägheit werden aus dem Körper vertrieben und Übungen können nach und nach besser ausgeführt werden. Durch Yoga werden die eigenen Grenzen der Teilnehmer sanft erfahren. Konkret bedeutet dies: das Lungenvolumen wird vergrößert, Körperteile geweckt, die Wirbelsäule entlastet und der Geist entspannt. Funktionen und Möglichkeiten des Körpers werden in eine Richtung gebracht und der Atem eine Erfahrung der Stille vermittelt.

Die Yogastunden sind eine tolle Möglichkeit den Alltag hinter sich zu lassen sowie den Körper und Geist zu entspannen. Krankenkassen erstatten in der Regel bis zu 80% des Beitrags ausgewählter Verbänden. Die Yogatherapie ist barrierefrei, eine Meditation für Jedermann, jeder darf so sein, wie er ist, aber auch Veränderungen passieren lassen und sich entwickeln. Eine Lebenshilfe auf mehreren Ebenen.


Barrierefreiheit in einer Arztpraxis

Ein Alltag ohne Barrieren – ist das möglich? An vielen Stellen stößt man auf Hindernissen, die für Menschen mit einer Behinderung nur schwer zu überwinden sind. Besonders Arztpraxen mangelt es oft an der benötigten Barrierefreiheit. Rollstuhlfahrer können aufgrund einer zu engen Türbreite oder Stufe die Praxisräume nicht erreichen oder ein hörbehinderter Mensch hat Probleme, einen Termin mittels der klassischen Telefonhotline zu vereinbaren. Viele Praxen stammen aus den 50er-Jahren, sind in oberen Stockwerken, eng gebaut und können nur schwer Barrieren abbauen. Besser sind Arztpraxen in Neubauten, doch der Teufel steckt im Detail. Meist sind es Kleinigkeiten, die jedoch die Betroffenen vor einer großen Herausforderung stellen. Im Jahr 2015 wurden in Nordrhein-Westfalen rund 20% der 30.000 Arztpraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als barrierearm eingestuft. Reicht dieser Anteil, reicht „barrierearm“ und was bedeutet Barrierefreiheit bei der Praxisplanung?

Barrierefreiheit
Die Barrierefreiheit bedeutet, dass eine Einrichtung baulich und organisatorisch gut nutzbar für alle Menschen ist. Zusätzliche Hilfe für Menschen mit Behinderungen oder sonstigen Einschränkungen ist nicht notwendig. Die UN- Behindertenrechtskonvention und das Behindertengleichstellungsgesetz haben festgelegt, dass jegliche Barrieren beseitigt werden müssen.

Was sind Barrieren
Barrieren können für Menschen mit Mobilitäts-, Seh-, Hör- und kognitiven Einschränkungen bestehen. Diese sind in der Umgebung und Außenanlage sowie in den Praxisräumen, wie dem Empfangsbereich, den Toiletten, dem Wartezimmer und dem Behandlungszimmer zu finden. Im Detail:

  • unzureichende Parkplätze, Stufen, Treppen, Türbreiten, Umkleiden
  • höhenverstellbare/flexible Untersuchungsmöbel
  • keine visuellen, taktilen und akustischen Informationen zur Orientierung
  • Platz für einen Blindenführhund
  • Anmeldung nicht per E-Mail oder SMS möglich
  • keine induktive Höranlage
  • keine Information zu Gebärdenksprachdolmetschern und anderen Kommunikationshilfen
  • keine einfache Sprache, Geduld, Toleranz


Zu sehen ist, dass nicht nur baulich Anpassungen auf den Bewegungsflächen stattfinden müssen. Dem Personal der Arztpraxis muss der geeignete Umgang und die Kommunikation mit Menschen mit Handicap geschult werden. Dieses erfordert Zeit, die in viele Praxen nicht vorhanden ist. Zusätzlichen brauchen  Menschen mit Handicap aufwendige Behandlungsmethoden, die entsprechend kosten und nur selten von Krankenkassen abgedeckt werden. Auf diese Weise wird aus dem Problem der Barrierefreiheit auch ein Problem der Wirtschaftlichkeit. Dort müssen Politik, die Kassenärztliche Bundsvereinigung (KBV) , die Ärzteschaft sowie die Fördergemeinschaft miteinander kooperieren, sich austauschen und neue Lösungswege schaffen.

Zukunftsausblick
Barrierefreiheit muss gegeben sein und muss in der Praxisplanung integriert werden. Sind die aktuellen Bedingungen schwer veränderbar, müssen Alternativen geschaffen werden. Mit vielen kleinen Engagements und einem motiviertem Personal lässt sich eine Praxis anpassen und barrierearm gestalten. Daher auch der Begriff zu Beginn dieses Beitrages. Oftmals bestehen nur bedingt Möglichkeiten und eine ganzheitliche barrierefreie Praxis kann nicht gewährleistet werden. Dennoch sind barrierefreie Praxisräume Voraussetzung für die Zukunft. Nur so kann der wachsenden Anzahl der Patienten mit Einschränkungen bedingt durch den demografischen Wandel gerecht werden. In der Ausarbeitung der Kassenärztlichen Vereinigung findet man diverse Checklisten, die zur einer barrierefreien Arztpraxis beitragen:  Die barrierefreie Arztpraxis


Integrationsfirmen

Die aktuelle Situation des regulären Arbeitsmarktes sieht für Menschen mit Behinderung schlecht aus. Es wird nur selten ein Arbeitsplatz gefunden und die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt erfüllt nur die wenigsten. Dabei macht die richtige Arbeit, bei der man seine Stärken unter Beweis stellen kann und sich frei entfalten kann, für jeden Menschen ein Teil eines erfüllten Lebens aus.

Ein großes Thema sind dabei die sogenannten Integrationsfirmen. Sie beschäftigen zwischen 25 und 50 Prozent Angestellte mit Handicap. (Quelle: Caritas ) Sie werden speziell gefördert und kontinuierlich weitergebildet. Für jede schwerbehinderte Person, erhält das Unternehmen einen finanziellen Ausgleich. Das Ziel der Integrationsfirmen durch ihre Förderung ist, Behinderten die Chance eines Beschäftigungsverhältnis des allgemeinen Arbeitsmarktes zu ermöglichen. Im Rheinland gibt es rund 130 Unternehmen, die neben ihrer wirtschaftliche Betätigung sich sozial engagieren und Menschen mit Behinderung diese Chance geben. Die Nachfrage ist hoch. (Quelle: LVR )

Gelungene Beispiele
Integrationsprojekte werden meist durch kleine Unternehmen geführt und sind in den Branchen Gastronomie, Garten- und Landschaftsbau, Hauswirtschaft, Schreiner sowie in der Tierpflege zu finden. Ein tolles Projekt zeigt zum Beispiel das erste inklusive Burger-Restaurant Godesburger  in Bonn. Sie setzen nicht nur auf hochwertige Burger aus regionalen und frischen Zutaten, sondern auch auf ein Arbeitsklima, das für alle Beschäftigten einen Mehrwert schafft. Acht Angestellte, mit und ohne Behinderung machen dieses Restaurant zu einem Musterbeispiel der Inklusion.
Ein weiterer Integrationsbetrieb ist in Krefeld zu finden. Ein Tiefbauunternehmen, das in dem Bereich Garten- und Landschaftbau sieben Angstellte, davon fünf mit Schwerbehinderung. Sie arbeiten mit Begeisterung beschäftigt. Die Beschäftigten mit Behinderung werden voll ausgelastet und lieben es draußen zu sein. Die Zusammenarbeit gelingt gut und das Unternehmen ist sehr zufrieden.

Menschen mit Behinderung oder Schwerbehinderung wollen arbeiten und gefordert werden. Integrative Firmen bieten eine tolle Chance, jedoch sind es noch leider zu wenige. Es wäre toll, wenn in Zukunft mehr Unternehmen sich sozial betätigen und eine neue Lebensqualität für Menschen mit Handicap schaffen. Die zuständigen Integrationsämter unterstützen gerne.