Florida
Der erste Urlaub
vorneweg etwas zur Person : ich bin ein mittlerweile 39 Jahre alter Tetraplegiker mit Höhe C 4/5 komplett durch einen Badeunfall.
Florida
Aus der allseits bekannten Bierlaune ergab er sich, der erste Urlaub nach dem Unfall. Wohin soll es gehen, wenn dann aber auch etwas Besonderes, und warm ja warm muß es sein. Die Wahl fällt auf Florida. 4 Wochen sollens sein, Auto mieten und möglichst viel sehen.
Mein Unfall ist gerade mal 1 ½ Jahre her, und um ehrlich zu sein viel Gedanken darum wie das alles so genau im Urlaub abläuft, ob rollstuhlgerecht oder nicht, habe ich mir nicht gemacht. Zwei Freunde fahren mit, beide mit Erfahrung in der Haltung und Aufzucht von Tetras. O-Ton : ach das wird schon hinhaun, Probleme werden gelöst sobald sie auftauchen. Gesagt getan, Termin geklärt, Flüge gebucht und eine günstige Ferienwohnung für die ersten 4 Tage.
Von Berlin geht’s erstmal nach Frankfurt und von da mit der Lufthansa nach Miami. Dort angekommen erwartete uns schonmal ein super Service, man nahm uns in Empfang und geleitete uns über den Flughafen zur Gepäckausgabe und danach gen Ausgang. Das erste mal „Tip“ = Trinkgeld war fällig, aber ok der Typ war echt nett ! Nur seine coole Mütze wollt er mir nicht verkaufen. Dann war sie plötzlich da, die Wand aus Wärme, an die man rennt wenn man aus dem Flughafengebäude kommt. Jaa hier war ich richtig. Wir schnappten uns das nächste Taxi und los gings für die nächsten vier Tage erstmal nach Fort Lauderdale.
Die vorab gemietete Ferienwohnung war soweit erstmal ok, man kam ebenerdig rein und konnte sich drinnen bewegen. Tja, aber das Bad war ja nu n Schuss in Ofen, die Tür so eng da ging gar nix mit Rolli, Dusche fiel auch erstmal flach > ne Duschkabine. Was dann aber doch noch gut war, hinterm Haus im blickdicht bewachsenem Garten, eine Dusche !!! Ha, ich wußte doch warum ich keine Lust auf Winterurlaub hatte. Also lacht ruhig ich fands geil da ne Dusche zu genießen. Geduscht hab ich nebenbei bemerkt entweder in meinem Rolli, ohne Sitzkissen natürlich und einem Handtuch unterm Hintern, oder aber in nem Gartenstuhl, je nach Platz. Aufs Klo gings da nur mit kurzem Tragen, was uns im Laufe des Urlaubs noch des öfteren bevorstand.
Zu diesem Thema eine allgemeine Anmerkung meinerseits : Wer nicht gerade eine wirklich rollstuhlgerechte Unterkunft bucht, die in meinen Augen jedenfalls auch eine befahrbare Dusche beinhaltet, wird schonmal mit einer Badewanne vorlieb nehmen müssen. Alle größeren Hotels haben zwar häufig Zimmer „for handicapped“, nach meiner Erfahrung jedoch meist nur mit Badewanne. Ansonsten sind diese Unterkünfte aber sehr gut. Mein Stuhl mit sogenannten Transitrollen und abgenommenen Hinterrädern stand übrigens auch prima in ner Badewanne.
An einem der nächsten Tage begleitete uns dann die Vermieterin zu einer Autovermietung, wo wir uns einen Kombi aufschwatzen ließen. Mein Wunsch nach nem offenen Mustang wurde leider ignoriert. Einen Hinweis gabs jedoch kostenlos dazu, wir sollten unbedingt nach Key West fahren. Na dann los, die Fahrt da runter ist schon allein ein Erlebnis. Ewig lange Brücken, zwischendurch immer wieder kleinere Landflecken, die Keys eben. Noch an einer der Burger Buden halten, und am Ende dann Key West ! 90 Meilen bis Kuba !? Hemingway ließ da ne Zeit lang die Luft aus den Gläsern. Eine sehr lebhafte und trotzdem gemütliche Insel, tolles Essen besonders Fisch. Wir blieben ca. eine Woche, und wohnten in einem Youth Hostel, sowas wie ne Jugendherberge. Durch die Insellage konnte das Auto größtenteils stehenbleiben. Über die Hauptstraße, die Duval Street schlendern, Läden angucken, shoppen und schrilles Volk des abends beobachten, macht einfach nur Spaß. Und nich wundern, man grüßt sich des öfteren obwohl man sich nicht kennt. Oder gerade deshalb ?! Wer weiß, wir haben jedenfalls mitgemacht.
Nebenbei bemerkt fand ich es dort so gut daß ich in den nächsten Jahren noch drei mal hinfuhr. Dann jedoch gänzlich ohne Auto vor Ort, es geht alles zu Fuß oder mit Bus auf Key West. Und hin kommt man auch schnell und recht günstig per Flugzeug von Miami aus.
Hab ich schon erwähnt daß es warm war ?! :-)
Weiter ging's, erstmal wieder die schönen langen Brücken zurück, dann links ab durch die Everglades nach Fort Myers, St. Petersburg und Tampa am Golf von Mexiko. Schöne Strände, so weißen Sand hatte ich noch nie gesehen, trotz Sonnenbrille war ich fast blind, so blendete das. Übernachtungsmöglichkeiten gibt's unterwegs reichlich und es ist auch nie ein Problem gewesen sich die Hütte mal vorher anzuschaun damit man wenigstens halbwegs zurechtkommt.
Na ja und was soll ich sagen nach Disney World bei Orlando mußte es natürlich auch noch gehen. Zugegeben nich so wirklich mein Fall, aber angucken muß man sich das Ganze ja schließlich mal. Es gab Tagespässe oder Pakete für mehrere Tage die dann etwas günstiger waren. Um wirklich alles zu sehen brauch man aber schon ein paar Tage, und es wächst bzw. verändert sich auch von Jahr zu Jahr.
Danach ging es wieder zurück an den Atlantik, Daytona Beach. Hier finden u.a. Autorennen der NASCAR statt, leider stand aber grad nix an, schade. Daß man dort aber mit dem Auto auf den Strand fahren darf war schon ne Überraschung. Wir mieteten uns direkt am Strand ein, und unternahmen von hieraus auch nen Abstecher ins Kennedy Space Center, das Touri Center von Cape Canaveral. Hamburger, Spielzeug, etwas Geschichtsunterricht der Raumfahrt, das bekommt man hier. Wer zur richtigen Zeit hier ist für den besteht die Möglichkeit einen Start oder Landung des Space Shuttles zu sehen.
Die letzten Tage verbrachten wir dann wieder in Fort Lauderdale, jedoch diesmal in nem Hotel direkt am Strand. Und was macht man da so ?! Lang und ausgiebig frühstücken, am Strand abhängen, Kneipenbummel, Discos mit Live Bands besuchen und die obligatorischen Mitbringsel für die Daheimgebliebenen einkaufen.
Morgens, 8.00 Uhr, der Wecker klingelt
ABFLUG
Dieser Beitrag stammt von Mitglied icke
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