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Entdecke die 'Faszination Rollstuhl-Tennis'! Von Christoph Kellermann Hallo liebe Kollegen! Ich möchte euch mit dem folgenden Beitrag für das Thema ‚Rollstuhl-Tennis’ und ein damit zusammenhängendes Engagement im Behindertensport sensibilisieren. Rollstuhl-Tennis ist Faszination und nur für denjenigen wirklich zu greifen, der es selber einmal ausprobiert oder sich als Trainer bereits mit Rollstuhlfahrern beschäftigt hat. Wer glaubt, dass er nach wohlmöglich jahrzehntelangem Training mit ‚Fußgängern’ bereits alles als Trainer erlebt hat, der täuscht sich gewaltig. Mir persönlich hat die Arbeit mit den ‚Rollis’ nach knapp 15 Jahren als Vereinstrainer eine völlig neue Welt geöffnet. Seit knapp fünf Jahren begleite ich nun den Rollstuhl-Tennissport hierzulande, anfangs ausschließlich in meiner Profession als Journalist, seit knapp drei Jahren auch als Trainer. Was ich dabei ‚kassiert’ habe, ist nicht der harte Euro – nein: bei den Stunden, die ich in dieser Zeit leistete und auch heute absolviere, handelt es sich mehr um ein Ehrenamt, um Leidenschaft. Berufung statt Beruf. Was ich bekomme, ist Dankbarkeit seitens der Rollis, die mit jeder Stunde gemeinsamer Arbeit ein Stückweit mehr in das soziale Leben integriert werden. Dass ich hierbei mithelfen darf, macht mich ganz besonders stolz. Auch macht es mich demütig. Ich bin dankbar, wenn ich nach einem weiteren Versuch, das Tennisspiel im Sitzen zu erlernen, wieder aufstehen darf. Demut, Dankbarkeit, Begeisterung und Leidenschaft – vier Attribute, die vielen Tennistrainern heute bei ihrer alltäglichen Arbeit an der Basis fehlen. Alleine diese Erkenntnis ist schon ein Grund dafür, sich dem Rollstuhl-Tennissport zu öffnen. Die Bereitschaft und der Mut, sich selbst als Mensch und Tennislehrer neu kennen zu lernen.
Werfen wir doch vorab gemeinsam einen Blick auf die Historie des Rollstuhl-Tennis: Im Jahre 1976 versuchten körperbehinderte Menschen in den USA erstmals, im Sport Fuß zu fassen. Ein Jahr später bewegte sich mit dem US-Amerikaner Brad Parks, der beim Ski-Trick-Fliegen böse stürzte und seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist, erstmals ein Mensch im ‚Rolli’ über den Tennisplatz. Im selben Jahr veranstaltete Parks bereits das erste Rollstuhl-Tennisturnier. Schon acht Jahre später wurde in Irvine, USA, der erste World Team Cup ausgespielt. Drei Jahre später wurde die International Wheelchair Tennis Federation (IWTF) mit acht Nationen gegründet. Präsident war Brad Parks. Im selben Jahr fanden sich auch in Deutschland genügend Rollstuhl-Tennis-Fans zusammen, um den Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verband e.V. – kurz: DRT – zu gründen, der demzufolge in diesem Jahr seit 22 Jahren existiert. Schon 1992 ist Rollstuhl-Tennis als vollwertige Paralympische Disziplin anerkannt. Die Deutsche Regina Isecke, die später neun Jahre lang den DRT führen sollte, gewann hierbei die Bronzemedaille im Damen-Einzel. Die Herren des DRT gewinnen mit dem überragenden Kai Schrameyer, der auch an der Spitze der Weltrangliste stand, 1998 den World Team Cup. Beim Rollstuhl-Tennis gelten dieselben Regeln, wie im Fußgänger-Tennis auch, nur mit der Ausnahme, dass der Ball zwei Mal ticken darf, bevor er geschlagen wird. Der erste Aufsprung muss selbstverständlich innerhalb des Tennisfeldes erfolgen, der zweite Aufsprung darf auch außerhalb der vorgesehenen Linien passieren. Es gelten die normalen ITF-Tennisregeln, im Vergleich zum den Fußgängern ändert sich also nichts. Wer darf Rollstuhl-Tennis spielen? Alle Körperbehinderungsarten mit einer Gehbehinderung/-lähmung, die im Oberkörper/beiden Armen frei beweglich/mobil sind und fahrtechnisch über Grundlagentechniken/-kraft verfügen, können und dürfen Rollstuhl-Tennis spielen, z. B. reine Rollstuhlfahrer, die auch im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen sind (ohne oder mit geringer/eingeschränkter Laufmöglichkeit), Querschnittslähmungen Paraplegie (Lähmung der unteren Extremitäten/zweier Gliedmaßen), angeborene Querschnittslähmung (Spina Bifida – auch offener Rücken genannt), spastische Diplegie, Amputationen unterer Extremitäten, Contergan (Schädigung nur der Beine), Leichtbehinderte Fußgänger, die außerhalb des Rollstuhl-Tennissports gehfähig sind. Amputationen, Knie-, Fuß-, Wirbelsäulen- und Hüftverletzungen, die laut ärztlichem Attest irreparabel sind, dürfen national und international an Wettkämpfen teilnehmen. Der Tennis-Rollstuhl wird als reines Sportgerät genutzt. Gibt es Klassifizierungen? Es gibt bisher keine Klassifizierung – alle spielen in einer Spielklasse. Einzige Ausnahme ist die ‚Quadklasse’, hier müssen mindestens drei Extremitäten eingeschränkt sein. Die ‚Quads’ bilden eine eigene Spielklasse und sind sogar mit dem Elektrorollstuhl auf Wettkampfebene spielbereit. Die Aufgaben des Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verbandes und seiner Trainer: • Motto vermitteln: ‚Rollstuhl-Tennis ist Tennis’ • Trainer und Vereine für das Rollstuhl-Tennis zu sensibilisieren • Rollstuhl-Tennis als Chance für Trainer und Vereine darstellen • allgemeine Aufklärungsarbeit leisten • Trainingsangebote für Rollis schaffen • Lebensqualität schenken • Selbstwertgefühl der Rollis steigern • den Rollis die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern Ethik – Umgang mit Behinderten… Bei Demos oder Fortbildungen werde ich oft gefragt: „Gibt es einen Leitfaden für den Umgang mit Behinderten?“ – Ich stelle die Gegenfrage: „Gibt es einen Leitfaden für den Umgang mit Nicht-Behinderten?“ Nein, gibt es nicht. Behandle den Rollifahrer so, wie du auch den Fußgänger behandelst. Mitleid ist keinesfalls angebracht. Hilfe und Zuwendung sind erwünscht, beides sollte allerdings nicht aufdringlich und übermotiviert auf den Rollifahrer wirken. Wie im Umgang mit den Fußgängern auch ist ein ruhiger und geduldiger Umgang mit den Rollis empfehlenswert. Wird seitens der Rollis Hilfe gewünscht, so halte dich stets an deren Anweisungen und Wünsche. Ad personam: Christoph Kellermann ist B-Lizenztrainer des » Deutschen Tennis Bundes und Bundestrainer im » Deutschen Rollstuhl-Tennis-Verband. Er betreibt mit der » Tennis-RANCH in Waltrop-Elmenhorst eine eigene Tennisanlage samt Tennisschule und ist Betreiber des DUNLOP ProDealer-Shops » Lobshop.de sowie des großen deutschen Tennisportals » Tennisredaktion.de Interessiert? Alle weiteren Informationen und Ansprechpartner zu dieser Sportart findest Du hier: » DRS Fachbereich Rollstuhl-Tennis |
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