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[Bild: Smilie liest im Text] Graz

 


[Bild: Ein Schälchen mit Kürbiscremesuppe]



Graz


Ein Erlebnisbericht aus Graz von Johann Kreiter


Von Kopf bis Fuß auf behinderte Menschen eingestellt…

…kaum zu glauben aber fast wahr. Wer in Graz das Kunsthaus besucht wird dies gleich feststellen können, nicht nur weil dieses Gebäude tatsächlich komplett barrierefrei ist, sondern weil ein Teil der Ausstellung gerade einen Kunstparcours präsentiert, der viele alte Herren im Rollstuhl zeigt. Ausstellung bis September Eintritt 5,50 €. Die Eintrittskarte berechtigt als Joanneum-Tageskarte zum Eintritt in alle Sammlungen und Ausstellungen des Landesmuseum Joanneum. Hiermit habe ich auch gleich den Bogen geschlagen was Kunst mit behinderten Menschen zu tun hat. Ist einfach zu beantworten, Graz war 2003 Kulturhauptstadt und hat im Rahmen der dort geplanten Aktivitäten gleich die Barrierefreiheit mitgeplant und umgesetzt. Was sich letztlich zum Wohle der Bürger, aber insbesondere auch zur Freude des behinderten Gastes sehr positiv ausgewirkt hat.

Im Rahmen meines Besuchs des Sommercamps in Graz, wo ich als Referent zum Thema „barrierefreies Reisen“ war, konnte ich gleich vor Ort mich davon überzeugen. Meine Begeisterung für diese Stadt war derart groß, dass ich dies den Lesern nicht vorenthalten möchte.

Fangen wir einfach mal mit der Anreise an, bereits am Grenzübergang Salzburg die erste Überraschung, abgesehen von dem preiswerten Benzin, kam gleich ein Tankwart der mir, aber auch den nichtbehinderten Kunden den Tank voll macht. Selbst an den Autobahnraststätten eilt freundliches Personal herbei um einem freundlich eine Unterstützung bei der Selbstbedienung anzubieten. Mit dererlei positiver Servicefreundlichkeit ging es ins sehr schön gelegene Graz. Im sehr zentrumnah gelegenen Jugend- und Familiengästehaus (4 barrierefreie Zimmer mit 4 Betten und einer eigenen Nasszelle) fand ich eine sehr preiswerte Unterkunft. Die Übernachtung kostet den Gast pro Tag 33,- €, Zuschlag auf Halbpension 7,30, auf Vollpension 6,20 €. Der Parkplatz am Tag 1,50 €. Ich konnte in gerade 20 Minuten mit dem Rollstuhl in das Zentrum von Graz fahren, aber auch derjenige der nicht so aktiv sein möchte kommt mit den Grazer Verkehrsbetrieben in die Stadt. Eine besondere Hilfe bekommt der Fahrgast durch die Anzeigetafeln, die anzeigen wenn niederflurige Fahrzeuge kommen. Da Graz auch teilweise von der Topographie her den Rollstuhlfahrer und mobilitätseingeschränkten Menschen vor Probleme stellt, haben sich die Stadtplaner ein paar besondere „Schmackerl“ einfallen lassen.

So ist der Schlossberg, mit dem berühmten Uhrenturm, für unseren Personenkreis mit einem Aufzug (gegen Entgelt 1,70€) mit dem Lift erreichbar. Aber wer es etwas abenteuerlicher möchte, kann auch mit der Bahn hochfahren und das Stadtpanorama genießen. Auf dem Berg gibt es ein Behinderten-WC. Ein Tipp für Paare: direkt neben dem Uhrenturm befindet sich das Restaurant „Aiola Upstairs“ und bietet dem Gast nicht nur einen schönen Ausblick auf Graz, sondern auch einen herzhaften Einblick in die internationale Küche.

Wer leichte Kost liebt wird mit einem Carpaccio mit Rucola und Parmesansahne seine Freude haben. Dazu einen köstlichen steirischen Wein und der Abend bekommt seinen genüsslichen Lauf.

Auf dem Weg zum Schlossberg wird der Besucher unweigerlich an der Murinsel vorbei geführt, auf der sich ebenfalls ein Restaurant befindet (Rolli-WC) und das sich dem Wasserstand der Mur anpasst. Von der einen Seite führt eine Rampe, von der Altstadtseite ein Aufzug zur Insel. Besonders in der Nacht liegt diese Insel durch die blaue Beleuchtung wie ein Turmalin im Fluss.

Gleichzeitig kann man dabei auch das Kunsthaus mit seiner BIX-Fassade und den dazugehörigen Pulsschlägen mit den Sinnen wahrnehmen.

Ein weiteres Erlebnis ist die Altstadt, mit seinen vielen originellen Beisl´n. Eines davon ist das Cafe DOMIzil, für Rolli´s zugänglich.

Im Beisl trifft man sich. Tagsüber oder abends, manchmal auch spätnachts, je nachdem. Hier ist es völlig egal, ob Sie alt sind oder jung, arm oder reich: Vor dem Kellner sind alle gleich, und das ist schön so. Im Beisl kostet der Durst nicht die Welt, und meistens isst man auch gut und günstig. Überhaupt ist Graz ein Ort, wo die Menschen offen und sehr unterhaltsam sind und die trifft man im Beisl.

Ein weiterer Ort für den Grazbesuch ist das Bermudadreieck, man findet es vom Hauptplatz aus gesehen links der Herrengasse. Entweder durch die Sporgasse direkt vom Hauptplatz aus oder durch eine der schmalen Gassen von der Herrengasse aus stößt man in das Zentrum des altstädtischen Nachtlebens vor. Vor allem im Sommer locken auf den schönen Plätzen inmitten des historischen Stadtkerns zahlreiche Gastgärten (Schanigärten) von Bars und Restaurants mit lokalem und internationalem Angebot.

Spätestens jetzt hat Graz Ihr Herz erobert.

Aber des Guten noch nicht genug, viele Sehenswürdigkeiten sind für behinderte Menschen zugänglich; eines davon ist der „Landhaushof“ gleich in unmittelbarer Nähe der Touristinformation in der Herrengasse, wo man in sehr freundlicher Weise vom Personal bedient wurde. In der Tourismusinformation erhält der behinderte Besucher einen Handzettel in dem alle wichtigen Informationen stehen. Da wäre ein ausführlicher Stadtführer sicherlich besser, in dem zumindest dann Adressen und Telefonnummern stehen. Es nützt mir als Besucher der Stadt nichts, wenn ich die WC-Anlagen, Behindertenparkplätze und Sehenswürdigkeiten im Internet suchen muss.

Ich empfehle, zumindest die Liste der Parkplätze und der WC´s vor dem Urlaubsbeginn vom PC herunter zu laden.

Aber wie ich auf dem Grazer Sommercamp erfuhr, werden die ortsansässigen Organisationen das bald zu ändern versuchen. Für blinde Menschen gibt es bereits einen Sehenswürdigkeiten-Folder in Brailleschrift (Deutsch und Englisch).

Eines der schönsten Feste vor Ort ist das „La Strada“, wo es in der ganzen Stadt an allen Ecken ein kulturelles Programm gibt. Von Klassik bis zu Hip hop.

Selbst für den aktiven Urlauber werden Wander- und Spazierwege für Rollstuhlfahrer angeboten. Ebenfalls für Rollstuhlfahrer hat der » Verein Rolling People - Mobilität für Querschnittgelähmte e.V. Handbikestrecken ausgearbeitet. Anja Lenz gibt dazu gerne Auskunft.


Infos:

» Touristinfo

» Barrierefreie WC-Anlagen

» Barrierefreies Parken

» Handbike

» Übernachtung


Rezept:

Kürbiscremesuppe

Zutaten:

• 1 kg Moschuskürbis
• 2 Schalotten
• 20 g Butter
• 20 ml weißer Portwein
• 80 ml Weißwein
• 600 ml Geflügel- oder Gemüsefond
• 250 ml Sahne
• 1 EL Creme fraiche
• 1 Messerspitze Cayennepfeffer
• Salz
• Curry
• evtl. Safran
• Saft einer 1/2 Limette

Schalotten und Kürbisse in Butter ansoutieren, Gewürze, Alkoholica, Limettensaft aufgießen, auf die Hälfte einreduzieren. Nun die Sahne kurz mitköcheln lassen, alles in den Mixer geben und zu einer sämigen Suppe verarbeiten. Passieren und mit einem Tupfer Creme fraiche servieren.

Tip: Als Einlagen passen sehr gut geröstete Kürbiskerne oder ein Kräuter-Topfennockerl.


Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Johann Kreiter, Vorsitzender der » NatKo e.V.


 
 
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