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[Bild: Smilie liest im Text] Kuba

 


[Bild: Mit dem Oldtimer unterwegs in Kuba]



Kuba


Ein Erlebnisbericht aus Kuba von Johann Kreiter


Mojito für Alle!

Endlich geht’s los, auf geht’s nach Kuba. Nach 10 Stunden Flug, der, von einigen Böen abgesehen, ruhig verläuft, landen wir in Varadero, einer Halbinsel im Norden von Cuba. Varadero ist ein reines Tourismusgebiet, das sich 25 km am Strand entlang erstreckt, dominiert von Hotelanlagen, fast immer All Inklusive. Nach dem Einchecken im Hotel Brisas de Mar wollen wir sofort das Meer genießen. Mit dem Rollstuhl durch den tiefen Sand ist es zwar etwas schwierig, aber mit Hilfe der Einheimischen doch zu überwinden.

Die Wassertemperatur entspricht der heimischen Badewanne, was das Schwimmen zum entspannenden Vergnügen macht. Am Strand lassen wir uns von der warmen Brise wieder trocken blasen, bevor wir uns auf das abendliche Buffet stürzen. Nach einer Nacht, die aufgrund der Zeitumstellung von einigen Wachphasen unterbrochen ist, starten wir am nächsten Morgen zur Halbinsel Zapata. Sie gehört zu den am wenigsten besiedelten Gebieten Kubas und besteht hauptsächlich aus einem großen Sumpf. In Ingenio Australia befindet sich die Ruine einer Zuckerrohrfabrik, in der die kubanische Armee während des Schweinebucht-Konflikts ihr Hauptquartier hatte. Dort steht noch der Originalschreibtisch von Fidel Castro, die übrigen sind durch Duplikate ersetzt worden. Für Rollstuhlfahrer ist der Zugang leider nur mit Hilfe möglich. Dafür erzählt uns eine nette Kubanerin anhand von alten Fotografien von den Ereignissen während der Revolution. Mit dem Motorboot, das wir mit einheimischer Hilfe besteigen können, fahren wir durch einen Kanal zur Laguna del Tesoro, die von vielen kleinen Inseln durchzogen ist. Wir besuchen die Rekonstruktion des Taini-Dorfes Aldea Taina, wo Einheimische in historischen Indianerkostümen traditionelle Tänze und Rituale vorführen. Wir trinken noch ein „Bebida“, natürlich mit Rum, und davon nicht zu wenig... und zurück geht’s mit dem Boot nach Boca de Guama zur Criadero de Cocodrilos, der Krokodilfarm. Hier können Krokodile beobachtet und fotografiert werden. Der Weg zu den Tieren ist etwas unwegsam, aber durchaus zu bewältigen. Leider ist von den großen Reptilien im Schlamm nicht viel zu sehen. Dafür zeigt uns ein Mitarbeiter der Farm zahme junge Krokodile, die er mit zugebundenem Maul den Touristen als Attraktion um den Hals legt, etwas gewöhnungsbedürftig, aber er macht das so voller Stolz, dass wir ihm nur Freundlichkeit entgegenbringen können. Zum Abschluß probieren wir noch gebratenes Krokodilfleisch, das in der Farm als Spezialität angeboten wird; etwas trocken, aber eigentlich ganz lecker.

Den nächsten Tag verbringen wir in der Playa de Giron, der berühmten Schweinebucht. Wir besuchen das dort ansässige Militärmuseum und besichtigen die Reliquien der kubanischen Revolution. Bei einem Ausflug in ein nahegelegenes Ressort genießen wir ein Bad im karibischen Meer, das auch für Rollstuhlfahrer, zwar schwierig und steil, aber mit Hilfe der Einheimischen möglich ist. Auch hier ist wie in vielen Hotels und Anlagen auf Cuba wieder alles inklusiv und wir genießen einen Nachmittags-Mochito auf der Terrasse des Ressorts. Ein Ausflug führt uns nach Trinidad in den Osten Zentralkubas, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen karibischen Insel. Die Stadt wurde 1988 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und besticht besonders durch ihre pastellfarbenen Kolonialhäuser, die im Abendlicht den Eindruck vermitteln, als wäre die Zeit stehen geblieben. Ein Streifzug durch die Stadt lohnt sich, ist aber durch Kopfsteinpflaster und hohe Bürgersteige nur mit einer kräftigen Begleitperson möglich. Im Canchanchara erholen wir uns bei dem berühmten gleichnamigen Cocktail, bevor wir uns auf den Weg in die La Casa de la Trova machen, in der jeden Abend Live-Musik geboten wird. Zu der Musikkneipe gehört auch ein Artex- Laden, eine Ladenkette, die landesweit eine große Auswahl karibischer MusikCD`s anbietet.

Unser frühzeitiges Eintreffen in der Casa erweist sich als gut, denn nachdem wir mit Hilfe über ein paar Stufen unsere Plätze eingenommen haben, füllt sich die Kneipe mit Einheimischen und Touristen bis auf den letzten Platz, um der fantastischen Band zu lauschen.

Bevor wir nach Havanna fahren, verbringen wir einen faulen Tag in der All-Inclusive-Anlage Brisas del Trinidad, ein tolles Hotel und überraschenderweise sehr gut auf Rollstuhlfahrer eingestellt. Die barrierefreien Wege sind gekennzeichnet, die Dusche ist unterfahrbar, und am Strand steht ein Strandrollstuhl bereit, mit dem das sehr freundliche Personal den Gast über den Sand fährt und ins Wasser bringt. Das Essen ist kreolisch, international und einfach fantastisch, besonders das Eis hat es uns angetan, so dass es nicht bei einer Portion zum Dessert bleibt. Wir genießen die Sonne, das warme karibische Wasser, und sind schon etwas aufgeregt, denn am nächsten Tag geht es nach Havanna oder Habana wie die Kubaner ihre Stadt nennen, einem Höhepunkt unserer Reise. Vorbei an rot und gelb leuchtenden Flammenbäumen fahren wir am nächsten Tag in die ca. vier Stunden entfernte Hauptstadt, die uns mit viel Lebenslust und Farbenvielfalt begrüßt. In der Bodeguita del Medio, in der auch Ernest Hemingway, der berühmteste ausländische Einwohner Kubas Stammgast war, essen wir Schweinefleisch mit Salat und Congri, schwarzen Bohnen, die auf Cuba zu fast jeder Mahlzeit gehören. Auch wenn am Eingang ein paar Stufen sind und der Durchgang zum Lokal eng ist, freundliche Einheimische helfen über jedes Hindernis, und die gute kreolische Küche in diesem wunderschönen Ambiente sollte auch der Reisende mit Handicap in Havanna auf keinen Fall versäumen.

Einen ersten Eindruck dieser faszinierenden Stadt vermittelt uns ein Spaziergang durch das historische Zentrum, das größte Stadtzentrum Lateinamerikas im Kolonialstil. Kopfsteinpflaster und hohe Bürgersteige erschweren uns den Weg, aber für die außergewöhnliche Atmosphäre der Stadt nehmen wir das gern in Kauf. Die Musik, die aus vielen Fenstern klingt und die an jeder Straßenecke zu hören ist, vermittelt ein Lebensgefühl, das wir so bisher noch nicht erlebt haben. Jeder einfache Gegenstand wird zum Instrument und die tänzerische Gangart der Kubaner zeugt trotz spürbarer Armut von einer Lebenslust, die uns Europäern abhanden gekommen zu sein scheint. Auf der Plaza de Armas, die von Barockgebäuden umrahmt und mit Buchständen belebt ist, treffen wir auf Olli, der sein Geld mit Karikaturen verdient und auch uns humorvoll auf Papier bannt, ein gutes Souvenir für daheim. Den Nachmittag beschließen wir mit einem Eis im Eiscafe Copalla in der Neustadt, das durch den Kinofilm » Erdbeer und Schokolade Weltruhm erlangt hat.

Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel Comodoro in Miramar am Rand von Havanna, besuchen wir abends das Tropicana, das für seine Revue weltberühmt ist. Wunderschöne Kubanerinnen zeigen in farbenfrohen Kostümen ihr tänzerisches Können.

Von Havanna aus machen wir einen zweitägigen Ausflug ins Valle de Vinales, eine einzigartige Landschaft, die von Mogoten, gigantischen Karstformationen, Korn- und Tabakfeldern, Königspalmen und Bauernhäusern mit Dächern aus Palmblättern geprägt ist. Auf der Felswand einer Mogote betrachten wir auch das Kunstwerk des kubanischen Malers Gonzalez, einem Schüler von Diego Rivera, der damit die Evolutionsgeschichte verewigt hat. Die Cueva del Indio, eine alte Indianerhöhle, ist für Rollstuhlfahrer nur per Boot auf dem unterirdischen San-Vincente-Fluß zu erreichen. Hindernisse beim Bootseinstieg werden durch die Freundlichkeit der Kubaner humorvoll ausgeglichen wie auf unserer ganzen Reise, wenn Barrieren auftauchen. Das Hotel Los Jazmines, in dem wir übernachten bietet einen wunderschönen Ausblick über das Pinar del Valle.

Das Gelände ist topografisch etwas steil, Zimmer und Dusche sind etwas eng, aber von Rollstuhlfahrern mit kleinem Gefährt durchaus zu nutzen. Den Speisesaal können wir leider nicht erreichen, so essen wir an einem schön gedeckten Tisch direkt am Pool mit Blick auf die tolle Landschaft.

Die letzten Tage verbringen wir noch einmal in Havanna, direkt am Hafen im Hotel Santander. Die Schwelle in der Dusche überwinden wir mit einem Hocker und nach einigen Recherchen können wir auch das Restaurant des Hotels über den Personalaufzug erreichen. Etwas stressig am Anfang, aber es lohnt sich, denn von unserer großzügigen Terrasse können wir das bunte Hafenleben beobachten und die Stadt noch einmal in Ruhe genießen. Wir bummeln über den Malecon, der 7 Kilometer langen Uferpromenade, die an den historischen Stadtzentren vorbei führt. Am Abend ist der Malecon Treffpunkt für die einheimische, meist jugendliche Bevölkerung, die von dort aus den Sonnenuntergang genießt, heiße Flirts inbegriffen. In der Einkaufstrasse im historischen Viertel stöbern wir in CD-Läden nach kubanischer Musik, auf der Plaza de San Francisco, die an den Hafen grenzt, beobachten wir Kubanerinnen, die in wunderschönen Abendkleidern von ihren Familien fotografiert werden.

Vor der Basilica Menor de San Francisco de Asis berühren wir die Statue des „armen Irren“, die laut Sage Glück bringen soll und den Tag beschließen wir auf der Plaza Viaje, die gerade renoviert wird, aber jetzt schon einen wundervollen Anblick und Platz zum Erholen bietet.

Selbstgebrautes Bier trinken wir in der dort ansässigen Gasthausbrauerei, die auch leckeres Gegrilltes auf der Speisekarte anbietet. Im Cayo Hueso bummeln wir durch die Callejon de Hammel, deren Gesicht von einem 200 m langen Wandgemälde geprägt ist, auf dem alle afrikanischen religiösen Gruppen dargestellt sind, die heute noch in Cuba lebendig sind.

Ein besonderes Highlight ist das Palacio de Bellas Artes, das sich der ganzen kubanischen Kunst widmet. Zum Eingang des Museums führt eine Rampe und die einzelnen Etagen sind über eine Rampe oder über Aufzüge zu erreichen. Dadurch können wir ohne Schwierigkeiten die Faszination der Kunst Kubas, insbesondere der modernen, genießen.

Zum Abschluß gönnen wir uns eine Stadtrundfahrt in einem Oldtimer, von denen man so viele auf den Strassen Havannas sieht. Das knallrote Chevy-Cabrio entführt uns gedanklich in das Cuba der 50er und 60er Jahre und zeigt noch einmal die Schönheit der Stadt, die von Che Guevara und Fidel Castro geprägt ist.

Wir trinken an der Plaza Viaje noch einmal einen Cafe Solo, genießen gemeinsam eine Cohiba, die im Land der Zigarre natürlich nicht fehlen darf, und lassen uns ein letztes Mal von der Lebenslust der Kubaner und ihrer Musik inspirieren.

Es war eine wunderschöne Reise durch dieses faszinierende Land; auch wenn nicht alles sofort für Menschen mit Behinderung geeignet erscheint, die freundliche Art der Einheimischen diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder zu überwinden, hat die Barrieren ausgeglichen.


Literatur:

Als Einstieg in das Land empfehlen wir das » Merianheft Kuba, als Reiseführer hat uns der » Vis-à-Vis Kuba von Dorling Kindersley überzeugt.

Der Roman » Sugar Island von Ivonne Lamazares, bei Kiepenheuer & Witsch als Taschenbuch erschienen, macht Lust auf Kuba und spiegelt zugleich die Situation der Exil-Kubaner wieder.

Wer mehr über die politische Entwicklung Kubas und deren Galionsfiguren wissen will, dem sei die » Che Guevara Biografie von Jorge G. Castañeda, bei Suhrkamp als Taschenbuch erschienen, ans Herz gelegt.


Musik:

Die CD » Latina Café, bei Wagram Music erschienen, bietet einen bunten Querschnitt lateinamerikanischer Musik.

Der Kinofilm » Buena Vista Social Club ist als DVD im Handel erschienen und vermittelt in fantastischer Art das kubanische Lebensgefühl.


Kubanische Küche:

Mojito

Zutaten:

• Saft einer halben Limone
• 2 Teelöffel brauner Zucker
• 6 cl weißer Rum
• Soda
• 1 Minzzweig

In einem großen Becherglas Zucker und Limettensaft gut verrühren. Minze im Glas mit einem Stößel vorsichtig anquetschen, den Limettensaft dazu geben, mit crushed ice auffüllen, Rum dazugeben, mit Soda und mit Minze garnieren.


Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Johann Kreiter, Vorsitzender der » NatKo e.V.


 
 
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