Alpha-1-Antitrypsinmangel
Eine erblich bedingte Ursache des
» Lungenemphysems ist der sogenannte Alpha-1-Antitrypsinmangel.
Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine autosomal-rezessive Erbkrankheit.
Ursache für diese Erkrankung ist ein Gendefekt auf dem Chromosom 14. Dieses Gen ist für die Synthese des Alpha-1-Antitrypsin verantwortlich.
Die häufigsten krankmachenden (pathogenen) Mutationen dieses Gens in der weißen Bevölkerung werden als Z- und S-Mutationen bezeichnet. Dabei bezeichnen die beiden Buchstaben jeweils den Ort der Störung auf dem Gen. Die Z-Mutation führt dabei zum schwereren Verlauf der Erkrankung.
Es sei erwähnt, dass die Erforschung des Alpha-1-Antitrypsin in ihren Grundzügen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht.
Ursachen und SymptomeBei einem gesunden Menschen beträgt der Blutplasmaspiegel des Alpha-1-Antitrypsin 150-350 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Sofern der Blutplasmaspiegel weniger als 35% von 150 mg/dl beträgt, entwickeln die Betroffenen die unten beschriebenen Symptome.
Das Alpha-1-Antitrypsin ist ein Glycoprotein und besteht aus einer Kette von 394 Aminosäuren.
Es ist ein Enzymhemmer, wobei die Hauptaufgabe des Alpha-1-Antitrypsin in der Hemmung der Elastase, sowie mit abnehmender Effektivität auch von Trypsin, Plasmin, Thrombin oder Plasminogen besteht.
Die Elastase ist ein Enzym und spielt in der Lunge eine wichtige Funktion bei der Infektionsabwehr.
Die beiden Leitsymptome dieser Erkrankung sind ein Lungenleiden und in seltenen Fällen Leberdefekte.
Symptome der LungeBei einer Infektion der Lunge formieren sich um die lokalen Entzündungsherde oder auch um eingedrungene Fremdkörper Leukozyten, die neben bakteriziden Sauerstoffradikalen auch Elastase freisetzen. Die Elastase führt zu einer Lyse (= Zersetzung) der näheren Umgebung des entsprechenden Infektionsherdes und ermöglicht damit einen Abtransport der Fremdkörper. Dieser durch die Elastase ausgelöste Lyseprozess wird durch Alpha-1-Antitrypsin gehemmt, denn ansonsten würde es zu schweren Schäden des Lungengewebes kommen. Diese Hemmwirkung des Alpha-1-Antitrypsin wird nun wiederum durch die Sauerstoffradikale verhindert. Da aber die Sauerstoffradikalkonzentration mit zunehmendem Abstand vom Entzündungsherd sehr schnell abnimmt, kann das Alpha-1-Antitrypsin dort mit wachsender Effektivität seine auf die Elastase hemmende Wirkung ausüben und damit die lytische Wirkung der Elastase außerhalb des Entzündungsortes verhindern. Am Entzündungsort selber, mit seiner hohen Sauerstoffkonzentration, dagegen ist die auf die Elastase hemmende Wirkung sehr gering.
Sofern nicht genügend Alpha-1-Antitrypsin für die Hemmung der Elastase zur Verfügung steht, breitet sich der lytische Prozess, z.B. bei Staubaufnahme, beim Rauchen oder einer Infektion, auf größere Teile der Lunge aus. Auf diese Weise bildet sich ein Lungenemphysem aus, das vor allem die unteren Lungenbereiche befällt. An diesen Lungenemphysem versterben ca. 60% der Patienten.
Symptome der LeberDie meisten der durch den Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bedingten Lebererkrankungen entstehen bereits im frühen Neugeborenenstadium. So entwickeln ca. 10% der Neugeborenen eine Hepatitis, während ein geringer Prozentsatz eine juvenale Leberzirrhose entwickelt. Bei einer Leberzirrhose kann es z.B.
zu schweren Blutgerinnungsstörungen kommen oder sogar Leberkrebs entstehen. Dann kann nur noch eine
» Lebertransplantation einen frühen Tod verhindern.
Andere FolgeerkrankungenDie Leber- und Lungenerkrankungen sind als direkte Folgen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels erklärbar.
Weiterhin findet man mit dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel assoziierte Erkrankungen, die nur indirekt aus dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel erklärbar sind:
·
» Rheumatische Arthritis· Panniculitis (Weber-Christian-Syndrom)
·
» Vasculitis· Glomerulonephritis
·
» Uveitis· Thyreoditis
HäufigkeitDer Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist in der Nord- und Mitteleuropäischen Bevölkerung insgesamt die häufigste Erbkrankheit.
Die Z-Variante ist bei den Nord- und Mitteleuropäern die Häufigste, während die leichtere S-Variante mehr bei den Südeuropäern vorherrscht. Die Häufigkeit der Z-Variante bei Neugeborenen liegt etwa bei 1:3.500, die der S-Variante in der gleichen Größenordnung.
DiagnoseDie Diagnose erfolgt über eine Proteinanalyse einer Blutprobe. Sofern, wie erwähnt, der Blutplasmaspiegel unter 35% des Wertes von 150 mg/dl liegt, ist die Diagnose eindeutig. Die klinischen Symptome können die Diagnose ergänzen.
TherapieAls Therapie wird das Alpha-1-Antitrypsin auf intravenösen Weg ersetzt. Außerdem erfolgt eine Behandlung der Folgeerkrankungen.
Prophylaxe / LetalitätSofern ein Mensch mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel unter günstigen Lebensumständen lebt, wird er nicht erkranken.
Günstig bedeutet in diesem Fall ein Leben in sauberer Atemluft und ohne die Inhalation von Fremdkörpern, wie z.B. durch Rauchen.
Lebt eine Person mit den üblichen Belastungen und ist sie auch noch Raucher, ist die Lebenserwartung deutlich reduziert.
(Quelle: Selbsthilfegruppe Lungenemphysem - COPD Deutschland)
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Jens Lingemann (Februar 2010)
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